HUS als Folge einer EHEC-Infektion
Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) kann tödlich verlaufen

HUS ist ein Syndrom, also eine Bündelung verschiedener Symptome, die gleichzeitig auftreten und deren Zusammenhang mehr oder weniger bekannt ist oder vermutet werden kann. Bei einer kompletten enteropathischen HUS treten folgende Symptome zusammen auf: eine mikroangiopathische hämolytische Anämie, also der Verlust von roten Blutkörperchen durch die Schädigung kleiner Blutgefäße, eine Thrombozytopenie, also eine verminderte Anzahl an Blutplättchen und ein akutes Nierenversagen. Bei einer inkompletten enteropathischen HUS treten nur zwei der drei vorgenannten Symptome auf.

von Herbert Schwinghammer

Der Krankheitsverlauf

Etwa 3-4 Tage nach der Infizierung mit den EHEC-Bakterien treten Durchfälle und starke Bauchkrämpfe auf. Eine Verschlimmerung der Symptome ist in den meisten Fällen nur wenige Tage später zu beobachten, weil das von den Bakterien produzierte Gift Verotoxin beginnt, die Zellen der Darmwand und der Blutgefäßwände anzugreifen, wobei blutige Durchfälle und Fieber auftreten. Zudem ist das Verotoxin für die fortschreitende Schädigung von Nieren, Blutzellen und Blutgefäßen verantwortlich, in deren Verlauf es zu akutem Nierenversagen, Blutarmut und erhöhter Blutungsneigung kommt.
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In diesem Stadium droht ein tödlicher Ausgang der Erkrankung, der mit der Behandlung in der Intensivstation einer Klinik einschließlich einer Dialyse, also einer “Blutwäsche“, häufig vermieden werden kann, aber bei etwa 5 % der Erkrankten trotzdem zum Tode führt. Bei der aktuellen HUS-Welle sind derzeit in Deutschland 38 Tote bei knapp 800 an HUS erkrankten Patienten zu beklagen. Bei etwa 20 % der HUS-Fälle ist eine dauerhafte Nierenschädigung zu befürchten. Sorge bereiten den Ärzten bei der aktuellen Krankheitswelle zunehmend mehr neurologische Ausfälle, wie beispielsweise Unruhezustände, Sprachstörungen oder Zuckungen bis hin zu epileptischen Anfällen. Auch der bei manchen Patienten zu beobachtende schwere Bluthochdruck ist für die Prognose des Krankheitsverlaufs ungünstig.

Die Therapie
Bei der HUS-Behandlung wird bei Hypovolämie und nur mäßiger Niereninsuffizienz eine Infusionstherapie mit einem harntreibenden Medikament durchgeführt, mit dem die Urinproduktion möglichst wieder in Gang gebracht werden soll. Zudem kommen kreislaufstabilisierende Medikamente zum Einsatz. Das EHEC-Bakterium, das HUS auslösen kann, ist gegen eine Reihe von Antibiotika resistent, was aber nur theoretischer Natur ist. Denn die Gabe von Antibiotika wirkt sich kontraproduktiv aus, weil bei der Abtötung der Bakterien Gift freigesetzt wird, wodurch der Krankheitsverlauf bei HUS zusätzlich ungünstig beeinflusst wird. Auch Medikamente gegen Durchfall (Antidiarrhoika) werden nicht eingesetzt, weil dies die Ausscheidung der krankheitsauslösenden Erreger verzögern würde.

Frühzeitig wird in der Regel eine Dialysebehandlung eingeleitet, wenn ein Versagen der Nieren befürchtet wird oder bereits eingetreten ist. Dabei werden als Ersatz für die Nieren die „giftigen“ Bestandteile des Bluts „herausgewaschen“. Als letztes, aber recht effektives Mittel der Therapie wird die Plasmapherese gegen HUS eingesetzt. Die Apherese ist ähnlich wie die Dialyse eine maschinelle Blutreinigung, wobei aus dem Blut krankheitsverursachende Substanzen, wie im Fall von HUS die EHEC-Bakterien, entfernt werden. Bei HUS wird eine spezielle Form der Apherese, die Plasmapherese angewandt. Das Blutplasma wird in der Apheresemaschine von den festen Blutbestandteilen, den Blutzellen, abgetrennt. Statt dem mit Toxin belasteten Plasma erhält der Patienten entweder ein Plasmaersatzmittel (Albuminlösung) oder das Plasma eines Spenders. Das Verfahren muss bei HUS-Patienten meistens mehrmals wiederholt werden, um folgendes Ergebnis zu bekommen:
- die Anzahl der Blutplättchen steigt oder sie fällt nicht weiter,
- die Zerstörung der roten Blutkörperchen und Blutplättchen geht zurück,
- das allgemeine Befinden des Patienten bessert sich.

In der Infektionswelle von 2011 wurde ein neues Verfahren eingesetzt, mit dem man im Jahr zuvor bei drei Kleinkindern, die an HUS erkrankten, erstaunliche Erfolge erzielen konnte. Es handelt sich um den Antikörper Eculizumab, der für die Behandlung von HUS nicht zugelassen ist. Dementsprechend setzt man ihn derzeit nur dann ein, wenn der Zustand des Patienten lebensbedrohlich ist. Für diese Patienten ist der Antikörper die letzte Hoffnung, so dass der Einsatz trotz fehlender Zulassung vertretbar erscheint. Eine Reihe von Kliniken setzt aktuell den Antikörper bei schweren HUS-Fällen mit neurologischen Symptomen mit individuell unterschiedlichem Erfolg ein. Erste Berichte sprechen von einer erstaunlichen schnellen Genesung des Patienten, andere davon, dass es Anzeichen dafür gibt, dass Eculizumab helfen könnte, aber ein echter Durchbruch nicht zu verzeichnen sei. Dementsprechend warnen Ärzte von überzogenen Hoffnungen. Weil es keine Untersuchungen über die Bekämpfung von HUS mit Eculizumab gibt, wird man leider noch etwas Geduld aufbringen müssen, um hoffentlich positive Erfahrungen damit sammeln zu können.

 

 


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Nützliche Links:

Robert-Koch-Institut (RKI)
Bundesinstitut für Risikobwertung (BfR)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)


> zum Artikel:
Die EHEC-/HUS-Infektionswelle