Schneller abnehmen in Höhenluft?
Der "böse" Speck muss weg


Gerade im Frühjahr sind richtige Ernährung, Diäten und Fettpölsterchen ein Dauerthema. Dabei geht es nicht nur ums attraktive Äußere, sondern auch um die Gesundheit. Neue Studien am Klinikum der Ludwig-Maximilians- Universität München liefern nun Hinweise, was man bei der Gewichtsverteilung beachten sollte und wie man überraschend einfach abnehmen kann.

Von Philipp Kreßirer

Laut jüngsten Studien sind ca. 75 Prozent aller deutschen Männer und fast 60 Prozent der Frauen übergewichtig, mehr als 50 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen gar fettleibig. Was indes die Zahlen medizinisch bedeuten, ist unklar. Denn gängige Statistiken beruhen auf Erhebungen mit dem Body-Mass-Index (BMI), der den meisten wohl vertraut sein dürfte. Doch dieses von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Maß steht seit einiger Zeit in der Kritik der Experten. »Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarktoder Todesrisiko eines Menschen«, betont Dr. Harald J. Schneider von der Medizinischen Klinik am Klinikum der Universität München (LMU), Campus Innenstadt, nach einer neuen Studie, die er geleitet hat.
Für derlei Risikoaussagen eignet sich viel besser der Wert, der sich ergibt, wenn man Taillenumfang durch Körpergröße teilt – kurz WHtR genannt (aus dem Englischen
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für Waist-to-Height-Ratio). Nicht die Menge, sondern die Verteilung des Körperfetts ist offenbar entscheidend für bestimmte Krankheitsgefahren. Tatsächlich sprechen Experten wie Dr. Schneider inzwischen von »gutem und bösem Fett.« Der Speck um den Bauch – also um die Taille – kann schädliche Fettsäuren und diverse Botenstoffe in den Körper abgeben, die Entzündungen fördern. Das passiert auch und gerade in den Gefäßen, was die Arteriosklerose vorantreibt. Hüft-, Oberschenkel- und Gesäßfett hingegen haben nach jüngsten Erkenntnissen nichts mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun und wirken mitunter schützend, wie manche Untersuchungen zeigen. Entsprechend versuchen die Wissenschaftler das ideale Maß zu finden, das die realen Verhältnisse widerspiegelt. In der Diskussion sind das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang (WHR) und eben der WHtR.

Der LMU-Mediziner und seine Kollegen haben zwei große Studien der Technischen Universität Dresden (DETECT-Studie) und der Universität Greifswald (SHIP-Kohorte) mit insgesamt knapp 11 000 Probanden ausgewertet. Zu Beginn wurden für jeden Studienteilnehmer WHR, WHtR und BMI ermittelt. Dabei wurden für jedes Maß vier Größenordnungen festgelegt. Drei bis acht Jahre lang beobachteten die Forscher dann die gesundheitliche Entwicklung der Probanden. Ergebnis: Ob ein Mensch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekommt oder daran stirbt, lässt sich am besten mit dem WHtR abbilden. »Je höher der WHtR, desto größer das Risiko«, erklärt Dr. Schneider. Die beiden anderen getesteten Maße waren weitaus weniger (WHR) oder gar nicht (BMI) aussagekräftig.

Hüttenurlaub statt Frühjahrsdiät
Gezielt abnehmen ist allerdings relativ schwierig, meist sind die Körperformen genetisch festgelegt und damit auch die Stellen, an denen uns Schokolade, Schweinshax´n und Bier am liebsten in Form von Fett erhalten bleiben. Das hat für viele Menschen seltsame Folgen: Um den Überfluss an Nahrungsmitteln genießen zu können, müssen zugleich laufend Maßnahmen ergriffen werden, damit das Körpergewicht nicht ständig steigt und Folgeerkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt, Diabetes oder Gelenk- und Wirbelsäulenschäden auftreten. Da Schüler, Berufstätige und Rentner aber oftmals viel zu wenig Bewegung haben, muss dafür meist die Freizeit herhalten. An dieser Stelle kommt nun eine weitere medizinische Studie von Forschern am Klinikum der Universität München ins Spiel, die Abnehmen und Freizeitverhalten aufs Beste miteinander kombinieren.

Die Forscher luden 20 übergewichtige männliche Versuchspersonen für eine Woche in das Schneefernerhaus der Zugspitze auf 2600 Metern Höhe ein. Die Teilnehmer konnten ohne Einschränkungen essen und mussten auch keine besonderen sportlichen Aktivitäten absolvieren. Dennoch verloren die Männer im Durchschnitt knapp zwei Kilogramm und auch der systolische Blutdruck sank. Das Beste daran aber ist: Der Effekt hielt noch fast vier Wochen später an, als sie längst wieder im Flachland waren. Die Studienleiter und Internisten Dr. Florian Lippl und Dr. Rainald Fischer von der Medizinischen Klinik des LMU-Uniklinikums, Campus Innenstadt, sagen dazu: »Eine Erklärung ist, dass in größeren Höhen der Grundumsatz erhöht ist, weil die Atmung und das Herz schneller arbeiten, um den geringeren Sauerstoffgehalt in der Luft ausgleichen zu können.«

Bekannt sei auch, dass Höhenluft auf den Appetit schlage und deshalb automatisch weniger konsumiert werde. Eine Folgestudie soll nun klären, wie der später noch anhaltende Effekt zu erklären sei.

Fazit: Wer einen mehrtägigen alpinen Hüttenurlaub plant, sich dazu noch je nach Konstitution und Kondition bewegt, der kann abnehmen und sich zugleich die Kosten für teure Diätprodukte sparen.


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Hüttenurlaub statt Diät

Zugspitze

Die Forscher luden 20 übergewichtige männliche Versuchspersonen für eine Woche in das Schneefernerhaus der Zugspitze auf 2600 Metern Höhe ein. Die Teilnehmer konnten ohne Einschränkungen essen und mussten auch keine besonderen sportlichen Aktivitäten absolvieren. Dennoch verloren die Männer im Durchschnitt knapp zwei Kilogramm und auch der systolische Blutdruck sank.

Das Beste daran aber ist: Der Effekt hielt noch fast vier Wochen später an, als sie längst wieder im Flachland waren. Die Studienleiter und Internisten Dr. Florian Lippl und Dr. Rainald Fischer von der Medizinischen Klinik des LMU-Uniklinikums, Campus Innenstadt, sagen dazu: »Eine Erklärung ist, dass in größeren Höhen der Grundumsatz erhöht ist, weil die Atmung und das Herz schneller arbeiten, um den geringeren Sauerstoffgehalt in der Luft ausgleichen zu können.«

Adipositas-Chirurgie

Auch Personen, die bereits unter extremem Übergewicht leiden, kann am Klinikum der Universität München mit chirurgischen Verfahren zur Gewichtsreduktion, wie z. B. Magenband, Schlauchmagen oder Magen-Bypass, geholfen werden.

Adipositas-Sprechstunde (Anmeldung): Campus Großhadern:
Dr. Reinhold Lang,
Tel. 089/7095-35 62
Campus Innenstadt:
Dr. Thomas Mussack, 
Tel. 089 / 5160-2644