Das Interview zum Thema
Herr Dr. Schubert, was genau passiert
bei einem Bandscheibenvorfall
im Lendenwirbelsäulenbereich?
Dr. Schubert: Bei einem Bandscheibenvorfall
treten Anteile des Gallertkerns
durch Risse im Faserring in die
Zwischenwirbelkörper oder den Wirbelkanal
aus. Oft sind die Abschnitte
zwischen dem vierten und fünften
Lendenwirbel (L4 und L5) bzw. zwischen
dem fünften Lendenwirbel und
dem ersten Kreuzbeinwirbel (L5 und
S1) betroffen. Infolgedessen kann es
zu einer Quetschung und Einengung
(Kompression) des Rückenmarks
oder der aus dem Rückenmark austretenden
Nerven (Spinalnerven)
kommen; in diesem Fall gesellen sich
zu den akuten Rückenschmerzen
neurologische Symptome im Versorgungsgebiet
der betroffenen Nervenwurzel
dazu. Ursache ist meist eine
lang andauernde Über- bzw. Fehlbelastung
im Zusammenspiel mit Alterungsvorgängen
der Bandscheibe.
Mitunter geht dem Bandscheibenvorfall
eine Vorwölbung des Gallertkerns
in den Faserring voraus. Lassen sich
starke Schmerzen und neurologische
Symptome mit konservativen Maßnahmen
nicht beherrschen, ist eine
operative Behandlung erforderlich.
Ziel der Operation ist es, das bedrängende
Bandscheibengewebe zu entfernen
und damit den eingeklemmten
Nerv räumlich zu entlasten bzw. wieder
komplett frei zu legen.
Dann kommt eine endoskopische
Entfernung eines Bandscheibenvorfalls
in Betracht?
Dr. Schubert: Genau. Die endoskopische
Bandscheibenentfernung
gehört zu den besonderen Therapieschwerpunkten
des Apex Spine
Centers. Ich selbst habe bereits
fast 4000 Patienten mit dieser
Technik erfolgreich operiert. Vor
allem können wir mit der Technik
jeden Bandscheibenvorfall transforaminal, d. h. von der Seite her, über
das Nervenaustrittsloch (Foramen),
operieren. Damit sind wir nun nicht
mehr auf den ungeliebten hinteren
Zugang angewiesen, der mit einem
deutlich erhöhten Verletzungsrisiko
verbunden ist. Demgegenüber werden
bei der transforaminalen Vorgehensweise
die Nervenstrukturen
im Wirbelkanal komplett umgangen
— und Verletzungen, Verwachsungen
und andere Komplikationen können
vermieden werden. Ebenso bleiben
die zwischen den Wirbeln gelegenen
Bänder zur Stabilisierung der Wirbelsäule,
das Ligamentum Flavum, intakt.
Hinzu kommen natürlich die Vorzüge,
die allen endoskopischen Verfahren
gemeinsam sind: Es ist kein großer
Schnitt bzw. eine weite Eröffnung
des Wirbelkanals nötig. Damit ist die
Methode eine schonende Alternative
zur »offenen« Operation. Da es zu
keiner größeren Gewebezerstörung
kommt, ist auch das Risiko für die
gefürchtete Narbenbildung gering.
Ebenso ist der Heilungsverlauf bzw.
die Rekonvaleszenz deutlich kürzer.
Ist eine Vollnarkose nötig?
Dr. Schubert: Nein, wir operieren
mit örtlicher Betäubung. Wenn es der Allgemeinzustand des Patienten
erlaubt, kann der Eingriff auch
ambulant durchgeführt werden. Nach
ein bis zwei Wochen ist man wieder
arbeitsfähig, nach ca. sechs Wochen
kann man wieder seinen gewohnten
Sportarten nachgehen.
Herr Dr. Helmbrecht, ein anderes
schwer zu therapierendes Beschwerdebild
ist die Wirbelkanalverengung.
Wann muss operiert werden?
Dr. Helmbrecht: Spätestens, wenn
die Beschwerden und neurologischen
Symptome nicht (mehr) auf konservative
Maßnahmen ansprechen, sollte der
Wirbelkanal durch gezielte Entlastungsmaßnahmen
chirurgisch erweitert
werden, sodass die betroffenen Nerven
wieder frei liegen.
Um welche »Entlastungsmaßnahmen
« handelt es sich genau?
Dr. Helmbrecht: Meist geht es darum,
überstehende Knochenauswüchse
abzutragen. Früher bedeutete dies oft
eine aufwendige Operation am offenen
Wirbelkanal (Laminektomie), bei der
die Wirbelbögen und Wirbelgelenke
im verengten Bereich weitgehend
entfernt wurden. Mit modernen minimal-
invasiven Verfahren können wir
jedoch heute die für die Verengung
verantwortlichen Knochenanteile millimetergenau
abtragen, ohne dass eine
Destabilisierung der Wirbelsäule in
Kauf genommen werden muss. Hierfür
arbeiten wir mit einem chirurgischen
Mikroskop, das das Operationsfeld um
ein Vielfaches vergrößert. Die minimal-invasive Vorgehensweise selbst
ist besonders gewebeschonend, da
durch sie Verletzungen von Nerven und
den im Wirbelkanal verlaufenden Blutgefäßen
vermieden werden können.
Zudem sind sowohl die Operationszeit
als auch die Phase der Rekonvaleszenz
deutlich kürzer als bei der konventionellen
Stenoseoperation.
zurück zum Beginn des Artikels >>>
