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Moderne Gefäßdiagnostik mittels MR-Angiographie
Schonende Reise in kranke Arterien
Schlecht durchblutete Beine sind hierzulande ein Problem von Millionen Menschen. Frühzeitig erkannt, lassen sich die erkrankten Arterien gut behandeln. Für die notwendige Untersuchung steht mit der Magnetresonanz-Angiographie heute ein patientenfreundliches Verfahren zur Verfügung, mit dem bereits kleinste Engstellen der Becken- und Beinarterien aufgespürt werden können — und dies ohne den Einsatz eines Katheters und ohne belastende Röntgenstrahlen.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Wenn beim Gehen immer wieder Schmerzen in den Beinen auftreten, verbirgt sich oft die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) dahinter. Von diesem Symptom leitet sich auch die umgangssprachliche Bezeichnung »Schaufensterkrankheit« ab, denn die Beschwerden verschwinden, sobald der Betroffene für kurze Zeit stehen bleibt – etwa vor einem Schaufenster. Das Problem der pAVK: Die Krankheit wird im Anfangsstadium oft nicht bemerkt, denn Beschwerden treten meist erst auf, wenn schon etwa 70 Prozent der Blutgefäße verengt sind.
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist die Blutversorgung der Beine gestört. Ursache dieser Durchblutungsstörung ist eine zunehmende Verengung der kleinen Gefäße des Körperkreislaufs, der »peripheren« Arterien, wie die Bein- und Armarterien auch genannt werden. Dabei müssen diese nicht unbedingt selbst betroffen sein, auch Verengungen bzw. ein Verschluss in der vorgeschalteten Gefäßversorgung, z.B. in Bauchschlagader oder Beckenarterie, können das Krankheitsbild hervorrufen. Verantwortlich für das »Verkehrshindernis« in den Gefäßen ist eine Arteriosklerose – die gleiche Gefäßerkrankung, die auch einem Herzinfarkt oder Schlaganfall den Weg bereitet. Dabei kommt es an der Arterieninnenwand an verschiedenen Stellen zur Bildung von Ablagerungen. Diese engen den Querschnitt des Blutgefäßes ein und beeinträchtigen so den Blutfluss. Auch Blutgerinnsel können die Becken- oder Beinarterien blockieren.
Endstadium »Raucherbein«
Eine gestörte Durchblutung bedeutet, dass das umliegende Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff bzw. Nährstoffen versorgt wird. Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit der Beine macht sich dies vor allem in der Muskulatur, meist in der Waden-, Oberschenkel- oder Gesäßmuskulatur bemerkbar. Wird diese, beispielsweise beim Gehen, stärker beansprucht, braucht sie mehr Sauerstoff und muss entsprechend besser durchblutet werden. Bei der pAVK ist eine solche Steigerung der Durchblutung jedoch nicht möglich, da durch die verengten Arterien nicht mehr so viel Blut fließen kann, wie benötigt wird. Dies äußert sich in heftigen krampfartigen Schmerzen, die erst wieder verschwinden, wenn die Muskulatur nicht mehr aktiv ist, also wenn die Betroffenen stehen bleiben. Im fortgeschrittenen Stadium der pAVK bestehen sogar in Ruhe Schmerzen.
Nimmt die Durchblutung weiter ab oder verschließt sich ein Gefäß ganz, kann das umliegende Gewebe absterben. Dies ist das gefürchtete »Raucherbein« – medizinisch: Nekrose bzw. Gangrän. Kann in diesem Stadium nicht wieder ein ausreichender Blutfluss hergestellt werden, kommt es im schlimmsten Fall zur Amputation von Zehen, Fuß oder Bein, um zu verhindern, dass sich das Gangrän weiter ausdehnt und im ganzen Körper eine Blutvergiftung auslöst.
Zehnfach höheres Risiko bei Rauchern
Der Entstehung von Arteriosklerose bzw. der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit liegt vermutlich auch eine erblich bedingte Veranlagung zugrunde, doch hängt das Krankheitsrisiko ganz wesentlich von Lebensstil und Ernährung ab. »Wer raucht, hat ein bis zu zehnfach höheres Risiko für einen arteriellen Verschluss«, erläutert der Facharzt für diagnostische Radiologie und Nuklearmedizin Dr. Kurt Baum. Denn die Giftstoffe im Zigarettenrauch schädigen die Arterieninnenwand direkt; zudem verengt Nikotin die Blutgefäße und begünstigt damit die Entwicklung von Durchblutungsstörungen.
Gefährlich wird es auch, wenn – infolge einer falschen Ernährung – der Cholesterinspiegel im Blut zu hoch ist oder eine Zuckerkrankheit vorliegt. Gerade bei Typ-2-Diabetikern (Altersdiabetes) kommen arteriosklerosebedingte Verengungen von Blutgefäßen und damit auch arterielle Durchblutungsstörungen in den Beinen besonders häufig vor. Ein weiterer Risikofaktor ist Bluthochdruck; er bedeutet für die Arterien eine mechanische Belastung, der sie auf Dauer nicht gewachsen sind. Jeder dieser Faktoren birgt ein höheres Risiko, an Arteriosklerose bzw. an pAVK zu erkranken. Wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig bestehen, potenziert sich die Gefahr einer Erkrankung.
Medikamente und Eingriffe
Ist die Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten, kann mit bestimmten Medikamenten die Durchblutung verbessert bzw. die Bildung von Blutgerinnseln verhindert werden. Bei (stark) verengten oder verschlossenen Arterien wird versucht, die Stelle mithilfe eines Ballonkatheters zu weiten und/oder eine Gefäßschiene (Stent) einzusetzen, die den »gereinigten« Bereich offen hält. Besteht zudem Bluthochdruck, muss dieser ebenfalls medikamentös behandelt werden; für Diabetiker ist eine gute Blutzuckereinstellung unerlässlich.
Gehen, gehen, gehen
Um das Fortschreiten der Krankheit dauerhaft zu stoppen, kommt es jedoch vor allem auf die eigene Initiative an. Hier steht das Gehtraining an erster Stelle. Denn Gehen fördert die Bildung von Umgehungskreisläufen um die verengte Arterie herum, so dass das Bein wieder besser durchblutet wird.
Nicht minder wichtig ist es, sein persönliches Risiko zu reduzieren. Dies bedeutet vor allem: Ab sofort rigoros auf den Glimmstängel zu verzichten – auch wenn’s schwer fällt – und einer ausgewogenen, fettarmen Kost den Vorzug zu geben. Wem dies gelingt, der hat die besten Chancen, einem Arterienverschluss zu entgehen.
Das Interview zum Thema
Herr Dr. Risch, welche Methoden gibt es, um Durchblutungsstörungen in den Beinen zu diagnostizieren?
Dr. Risch: Zunächst wird der Arzt den Fußpuls ertasten. Ist der Druck am Bein deutlich niedriger als am Arm, ist davon auszugehen, dass im Verlauf der Becken- und Beinarterien eine Engstelle vorhanden ist. Weitere Hinweise liefern ein Gehtest sowie eine Ultraschall- und Farbdoppleruntersuchung. Um die richtige Vorgehensweise bei der Therapie festzulegen, bedarf es jedoch meist einer differenzierten Abklärung. Dies war lange Zeit die Domäne der Röntgenkatheter-Angiographie. Dieses Verfahren, das eine Kombination aus Katheter- und Röntgenkontrastuntersuchung ist, war und ist bei den Patienten nicht besonders beliebt, weil es für sie doch mit erheblichen Belastungen verbunden ist. Abgesehen davon, dass die Untersuchung eine nicht unerhebliche Strahlenexposition nach sich zieht, muss der Katheter entlang der Körperarterie vorgeschoben werden — eine recht unangenehme Prozedur, die zudem das Risiko neurologischer Komplikationen in sich birgt. Außerdem erstreckt sich die traditionelle Röntgenkatheter-Angiographie über mehrere Stunden und ist damit ziemlich zeitintensiv. Dank der MR-Angiographie hat die Untersuchung von erkrankten Blutgefäßen jedoch einen grundlegenden Wandel erfahren. Denn mit ihr können wir nun — ohne jegliche Strahlenbelastung — selbst kleinste krankhafte Veränderungen von Gefäßen innerhalb weniger Minuten erkennen, ohne dass wir hierfür einen Katheter einsetzen müssen.
Ist bei der MR-Angiographie auch der Einsatz eines Kontrastmittels erforderlich?
Dr. Risch: In der Regel schon. Der Einsatz eines Kontrastmittels ist bei einer MRT-Untersuchung immer dann notwendig, wenn sehr ähnliche Körpergewebe, in diesem Fall Blutgefäße und Muskeln, voneinander abgegrenzt werden müssen. Dieses Kontrastmittel hat jedoch keine chemische Gemeinsamkeit mit dem Kontrastmittel, das bei der traditionellen Röntgenkatheter-Angiographie eingesetzt wird. Es ist nicht jodhaltig bzw. radioaktiv, im Allgemeinen gut verträglich und nahezu nebenwirkungsfrei. Innerhalb weniger Stunden wird es mit dem Urin wieder vollständig aus dem Körper ausgeschieden.
Für welche Untersuchungen kann die Magnetresonanztomographie noch eingesetzt werden?
Dr. Risch: Die Magnetresonanztomographie liefert unterschiedliche Schichtaufnahmen von nahezu allen Körperregionen. Am Computer können wir dann aus den Bildsequenzen dreidimensionale Aufnahmen zusammensetzen, so dass wir fast alle Gewebe, Organe und flüssigkeitsgefüllten Hohlräume, wie etwa das Herz oder venöse und arterielle Blutgefäße, von allen Seiten aus beurteilen können. Selbst unterschiedliche Weichteilgewebe, z.B. Binde-, Muskel- oder Nervengewebe, lassen sich mithilfe der Magnetresonanztomographie mit bislang unerreichter Deutlichkeit darstellen und voneinander abgrenzen. Die modernste Gerätegeneration ermöglicht sogar die Darstellung von Organen und Geweben in ihrer Bewegung, was vor allem zur Beurteilung der Gelenkfunktion von großer Bedeutung ist.
Und warum spielt Strahlenbelastung bei der Magnetresonanztomographie keine Rolle?
Dr. Risch: Die Magnetresonanztomographie macht sich die Prinzipien der kernmagnetischen Resonanz zunutze. Anders als etwa bei der Computertomographie werden zur Erzeugung der Bilder keine Röntgenstrahlen eingesetzt, sondern starke Magnetfelder und Radiowellen. Dies macht das Verfahren extrem sicher und risikoarm. Bislang sind noch keine schädlichen (Nach-)Wirkungen bei der Untersuchung am Menschen beobachtet worden. Im Gegensatz etwa zur konventionellen Röntgenuntersuchung kann sie zudem beliebig oft wiederholt werden. Dies ist auch für Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen von Bedeutung, denn bei einer chronisch fortschreitenden Erkrankung wie der pAVK können Mehrfachuntersuchungen, etwa zur Verlaufskontrolle, häufig nicht vermieden werden.
Haben pAVK-Patienten ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall?
Dr. Risch: Ja. Denn es nicht auszuschließen, ja, es ist sogar wahrscheinlich, dass die ursächliche Erkrankung der arteriellen Durchblutungsstörungen in den Beinen, die Arteriosklerose, auch andere Arterien im Körper betrifft. Um dies abzuklären, setzen wir ebenfalls die MR-Angiographie ein. Herzkranzgefäße, Halsschlagader, Nierenarterien und alle anderen Schlagadern können mit dieser Methode auf allen Ebenen auf Verengungen oder Verschlüsse untersucht werden. Ebenso können Erweiterungen der Aorta mithilfe der MR-Angiographie diagnostiziert werden.
Wann darf eine MR-Angiographie nicht durchgeführt werden?
Dr. Risch: Patienten mit einem Herzschrittmacher oder mit bestimmten älteren künstlichen Herzklappen dürfen sich keiner MRT-Untersuchung unterziehen. Gleiches gilt für eingepflanzte automatische Defibrillatoren, implantierte Medikamentenpumpen oder bestimmte Metallimplantate, z.B. Nägel oder Drähte in Knochen und Gelenken.
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Interview zum Thema
MR-Angiographie statt Röntgenkatheter-Angiographie — dank der bahnbrechenden Fortschritte in der diagnostischen Nutzung der Magnetresonanztomographie ist es heute möglich, auch kleinste krankhafte Veränderungen von Gefäßen schonend, risikoarm und sicher darzustellen. Über die Vorteile der MR-Angiographie sprach TOPFIT mit Dr. med. Michael Risch. >>>
Als Facharzt für Radiologie setzt er zusammen mit seinen Kollegen in der Praxis Radiologie Schwabing an der Münchner Freiheit, Herzogstraße 1, die Magnetresonanz-Angiographie als Standardverfahren zur Diagnostik von Gefäßerkrankungen ein.
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