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Linse gegen Alterssichtigkeit Endlich wieder lesen ohne Brille Heute kann man mithilfe von Lasereingriffen oder implantierten Linsen Fehlsichtigkeit gut korrigieren — doch bislang gab es keine zufrieden stellende Behandlungsmethode von Alterssichtigkeit. Mit der jüngsten Generation der multifokalen Permanentlinse könnte sich dies ändern: Fast alle Patienten, die sich die neue Kunstlinse haben implantieren lassen, verfügen nun wieder über eine optimale Sehschärfe für nah und fern. Von Dr. Nicole Schaenzler Wer 45 Jahre und älter ist, benötigt in der Regel eine Sehhilfe für die Lektüre eines Buch oder einer Zeitung. Ab diesem Alter lässt die Fähigkeit des Auges nach, nahe Gegenstände scharf zu erkennen – und zwar unabhängig davon, ob man bis dahin normal- oder fehlsichtig war. Um z.B. kleine Schrift noch klar sehen zu können, muss das Gedruckte von den Augen weit entfernt gehalten werden. Neue Wege bei der Behandlung von Alterssichtigkeit Von Alterssichtigkeit oder Presbyopie ist früher oder später jeder betroffen. Ursache ist der natürliche Alterungsprozess der Linse des Auges, die im Lauf des Lebens zunehmend an Elastizität verliert und in der Folge ihre Fähigkeit einbüßt, sich auf unterschiedliche Entfernungen einzustellen: Dem Auge gelingt es daher immer weniger, Bilder zugleich in der Nähe und in der Ferne scharf abzubilden. Dieser so genannte Akkommodationsverlust wirkt sich vor allem auf das Sehen in der Nähe aus. Dabei rückt der Nahpunkt mit fortschreitendem Alter immer weiter vom Auge ab, so dass es irgendwann nicht mehr möglich ist, einen Gegenstand in einer Entfernung von weniger als 40 Zentimetern scharf auf der Netzhaut abzubilden. Zwar arbeitet die Forschung schon seit Jahren intensiv an alternativen Therapieansätzen zur einfachen, aber für viele doch lästigen Lesebrille, – allerdings waren die Behandlungserfolge bislang eher mäßig. Nun macht in der Fachwelt eine neue Generation der implantierbaren Multifokallinse von sich reden, die erstmals eine zufrieden stellende Korrektur der altersbedingten Fehlsichtigkeit erlaubt.
Herr Dr. Neuhann, über welche Eigenschaften muss eine Intraokularlinse verfügen, um eine altersbedingte Fehlsichtigkeit optimal auszugleichen? Dr. Neuhann: Für Menschen, bei deren Augenlinsen die Akkommodation zurückgeht, die aber für eine gute Sehqualität im Nah- und Fernbereich im Alltag nicht auf eine Brille oder Kontaktlinse angewiesen sein möchten, hat sich ein multifokales Linsenimplantat bewährt. Bei diesem Linsentyp wird das einfallende Licht auf verschiedene Brennpunkte für die Nähe und für die Ferne verteilt. Dabei sorgen mehrere abgestufte Zonen mit unterschiedlicher Brechkraft dafür, dass der Blick stufenlos vom Nah- über den Zwischenbereich in die Ferne gleiten kann. So ist eine gute Sehschärfe in allen Entfernungen gewährleistet. Nun steht eine neue Generation der multifokalen Kunstlinse zur Verfügung, die bislang allerdings einem kleinen Kreis namhafter Augenärzte vorbehalten ist. Auch Sie haben praktische Erfahrung mit diesem Linsenimplantat. Was ist das Besondere daran? Dr. Neuhann: Bei der neuen Multifokallinse handelt es sich um eine Weiterentwicklung, mit der das vorher beschriebene optische Prinzip noch einmal deutlich verbessert werden konnte. Dabei überzeugt vor allem der Qualitätsgewinn in Bildschärfe und Bildkontrast, der erstmals eine hervorragende Sehschärfe im Nahbereich gewährleistet. Damit sind wir dem Ziel, Presbyopie effektiv zu behandeln, einen entscheidenden Schritt näher gekommen: Die Patienten können nun unabhängig von einer Brille wieder in gewohnter Qualität lesen und andere Tätigkeiten ausüben, bei denen man in der Nähe gut sehen muss. Auch was die Bildschärfe von fokussierten Objekten in der Ferne betrifft, zeichnet sich die neue Generation der Multifokallinse durch sehr guten Sehkomfort aus. Dank einer neuen Technologie, mit der die Zonenanordnung der Nah-, Zwischen- und Fernbrennpunkte optimiert wurde, konnte die Sehleistung in alle Blickrichtungen signifikant gesteigert werden. Und in noch einem Punkt ist die neue Linse der bisher verwendeten überlegen: Die Gefahr, dass es infolge eines herabgesetzten Bildkontrasts zu einer erhöhten Blendempfindlichkeit kommt, ist deutlich minimiert. Auch in der Dämmerung oder bei Dunkelheit bleibt die Qualität des Seheindrucks in der Regel erhalten; unerwünschte Lichteffekte, die bei der herkömmlichen Kunstlinse nie ganz ausgeschlossen werden konnten, sind kaum mehr zu erwarten. Zudem zeichnet sich auch die neue Generation der multifokalen Intraokularlinse durch eine sehr gute Verträglichkeit aus: Weder treten Schmerzen noch ein Fremdkörpergefühl auf; auch ist die Linse unsichtbar. Ist die implantierbare Multifokallinse auch eine Option für die Korrektur von Kurz- oder Weitsichtigkeit? Dr. Neuhann: Auf jeden Fall. Gerade, wenn Kurz- oder Weitsichtigkeit in Kombination mit Alterssichtigkeit besteht, kann die neue multifokale Permanentlinse wertvolle Dienste leisten. Besonders gut geeignet ist sie für Patienten, die an einer angeborenen oder altersbedingten Eintrübung der Augenlinse, also an grauem Star, leiden. Da durch die operative Entfernung der natürlichen Augenlinse immer auch die Fähigkeit zur Akkommodation verloren geht, waren Star-Patienten früher nach der Operation für den Rest ihres Lebens auf eine Brille angewiesen. Mit der innovativen multifokalen Kunstlinse ist eine zusätzliche Sehhilfe in der Regel nicht mehr notwendig. Und für wen ist die Implantation der Kunstlinse nicht geeignet? Dr. Neuhann: Wenn bestimmte krankhafte Veränderungen des Auges, z.B. Durchblutungsstörungen des Augenhintergrunds oder eine Makuladegeneration, bestehen, kann der Eingriff nicht durchgeführt werden. Ebenso klären wir in unserer Praxis mit einer sorgfältigen Voruntersuchung ab, ob anatomische Gegebenheiten dagegen sprechen. Weitere Ausschlusskriterien sind ausgeprägte Fehlsichtigkeit (über 18 bis 25 Dioptrien), Hornhautverkrümmung (Astigmatismus über eine Dioptrie) und eine vorangegangene LASIK-Behandlung. |
Das Interview zum Thema
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