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Moderne Bauchwandoperation –
risikoarm und gewebeschonend
Bauchwandbrüche werden oft bagatellisiert — obwohl sie gefährliche Komplikationen nach sich ziehen können.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Eine sicht- und tastbare Schwellung in der Leistengegend, im Bereich des Nabels oder einer Narbe nach einer Bauchoperation ist ein Alarmsignal. Denn dies ist das Leitsymptom für einen Bauchwandbruch (Hernie): In der Bauchwand hat sich eine Lücke (Bruchpforte) gebildet, durch die in bestimmten Situationen, z.B. beim Husten, Pressen oder Heben schwerer Gegenstände, Teile des Bauchhöhleninhalts hervor treten. Hernien können angeboren oder erworben sein und praktisch überall im Bereich der Bauchwand auftreten. Der einzelne Bauchwandbruch wird je nach Ort der Bruchpforte benannt. Besonders oft ist die Leistengegend (Leisten- oder Schenkelbruch) betroffen; aber auch Nabelbrüche, bei denen die Bruchpforte am Nabel liegt, kommen relativ häufig vor. Eine Variante ist der Narbenbruch, der nach chirurgischen Eingriffen entsteht. Dabei kommt es im Bereich der Operationsnarbe zu einer Vorwölbung von Organen der Bauchhöhle.
Die unterschätzte Gefahr
Ob Leisten-, Nabel- oder Narbenbruch – wer von einem Bauchwandbruch (Hernie) betroffen ist, ist sich oft nicht darüber im Klaren, dass eine Verzögerung oder gar der Verzicht auf eine angemessene Behandlung lebensgefährliche Folgen haben kann. Wurden Darmanteile eingeklemmt, die sich nicht mehr durch die Pforte in den Bauchraum zurück drängen lassen, muss unverzüglich eine Notoperation durchgeführt werden.
Wird ein eingeklemmter Darmabschnitt nicht schnellstmöglich frei gelegt, kann er absterben bzw. einen Durchbruch der Darmwand hervorrufen. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, wie ausgeprägt der Bauchwandbruch ist, im Gegenteil: Gerade Narbenbrüche mit einer relativ kleinen Bruchlücke neigen zu einer Einklemmung.
Bauchwandbrüche können nur mithilfe eines operativen Eingriffs behoben werden. Mit konservativen Maßnahmen, wie z.B. einem Bruchband, ist ein Bauchwandbruch auf keinen Fall dauerhaft zu beseitigen. Ebenso wenig ist ein Bruchband in der Lage, eine Einklemmung von Darmschlingen zu verhindern. Dagegen zielt jede Hernienoperation darauf ab, den Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurück zu verlagern, die Bruchpforte zu verschließen und die Bauchwand so zu stärken, dass sie dem Bauchinnendruck künftig widerstehen kann. Hierfür gibt es inzwischen eine Reihe von Operationsmethoden, mit denen jeder Bauchwandbruch erfolgreich behoben werden kann.
Das Interview zum Thema
Über die verschiedenen Verfahren der Hernienchirurgie sprach Topfit mit dem Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie Dr. med. Jörg Buhr, der in der Oberland-Klinik in Weilheim alle »klassischen« und modernen Operationstechniken zur Versorgung von Leisten-, Bauchwand-, Narben- und Nabelbrüchen bei Kindern und Erwachsenen anwendet.
Herr Dr. Buhr, dass Bauchwandbrüche grundsätzlich einer operativen Behandlung bedürfen, ist bekannt. Gilt dies auch für angeborene Nabelbrüche?
Dr. Buhr: Wenn ein Erwachsener von einem Nabelbruch betroffen ist, muss auch dieser operativ behoben werden. Immerhin zieht jede vierte nicht operierte Nabelhernie eine Einklemmung nach sich. Etwas Anderes ist es, wenn eine Nabelhernie bei Säuglingen festgestellt wird: Hier kommt es in den ersten beiden Lebensjahren des Kindes sehr oft zu einem spontanen Verschluss der Muskellücke am Nabel. Deshalb werden in der Oberland-Klinik kindliche Nabelbrüche erst ab dem dritten Lebensjahr operiert.
Stichwort »Narbenbruch«, der ja zu den eher seltenen Bauchwandbrüchen gehört ...
Dr. Buhr: … das stimmt nur bedingt. Fakt ist, dass in Deutschland pro Jahr etwa 50 000 Narbenhernienoperationen durchgeführt werden müssen. Dennoch wird gerade ein Narbenbruch häufig unterschätzt. Dabei ist er die häufigste Komplikation nach einem offenen Bauchschnitt (Laparatomie) und kann sich noch Jahre später im Operationsbereich entwickeln. Deshalb gilt auch hier: Um schwer wiegende Komplikationen zu vermeiden, sollte eine Operation nicht allzu lange hinausgezögert werden.
Welche Operationstechniken kommen bei einem Leistenbruch in der Oberland-Klinik zum Einsatz?
Dr. Buhr: Zu nennen wäre die Schouldice-Methode, bei der die Bauchwandlücke mit mehreren speziellen Nähten — ohne Einsatz von Fremdmaterial — verschlossen wird. Bei einem größeren oder wiederkehrenden Bauchwandbruch empfiehlt sich oft die Implantation eines gewebeverträglichen Kunststoffnetzes, das als dauerhafte Gewebeverstärkung mit der Bauchwand verwächst und so ein Wiederauftreten des Bruchs verhindert. Mithilfe des Kunststoffnetzes ist es möglich, die Bruchlücke »spannungsfrei« zu reparieren. Im Übrigen sind die postoperativen Schmerzen nach dieser Methode geringer, und der Patient kann sich schon nach einem Tag wieder frei bewegen; ebenso ist die Gefahr, dass es erneut zu einem Bruch kommt, gering.
Für den operativen Einsatz eines Kunststoffnetzes stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, so z. B. die Operation nach Lichtenstein oder die Plug-Technik, ein modernes Verfahren, bei dem die Bruchlücke mit einem kegelförmigen Polypropylennetz verschlossen wird. In der Regel ist der Patient bereits nach 14 Tagen wieder voll belastbar. Auch die laparoskopische Operation, bei der der Verschluss praktisch von innen durch die Bauchhöhle erfolgt, gehört zu den »spannungsfreien« Verfahren.
Und mit welchen chirurgischen Verfahren behandeln Sie einen Narben- oder Nabelbruch?
Dr. Buhr: Bei kleineren Narben- und Nabelbrüchen erfolgt ein plastischer Verschluss der Bruchpforte. Ist die Bruchlücke mehr als drei Zentimeter groß, empfiehlt sich in der Regel auch bei diesen Bauchwandbrüchen der Einsatz eines Kunststoffnetzes, mit dem der Bruch dann spannungsfrei verschlossen werden kann.
Also richtet sich die Operationsmethode in erster Linie nach dem Ort der Bruchpforte?
Dr. Buhr: Für die Festlegung der geeigneten operativen Therapiestrategie ist dies ein wichtiges, aber nicht das alleinige Kriterium. Welche Operationsmethode im Einzelfall besonders geeignet ist, kann letztlich nur nach einer sorgfältigen Diagnose entschieden werden. So sind für die Wahl der angemessenen Technik nicht nur Art, Form und Größe des Bruchs entscheidend, sondern auch die Frage, ob der Bruch das erste Mal besteht oder ob es sich um einen Wiederholungsbruch (Rezidiv) handelt. Zudem sind Alter und Gesundheitszustand des Patienten wichtige Entscheidungskriterien. Ebenso muss berücksichtigt werden, welchen körperlichen Belastungen der Patient im Alltag ausgesetzt ist. |
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Unser Interviewpartner
Dr. med. Jörg Buhr, Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie und praktiziert gemeinsam mit dem Viszeralchirurgen Dr. Sebastian Fischer, dem Phlebologen Dr. med. Thomas Schrott und der Fachärztin für Chirurgie und Gefäßchirurgie Nora Rämisch in der Praxisklinik München-Pasing.
Schwerpunkte des medizinischen Leistungsspektrums sind u. a. alle klassischen und modernen Operationstechniken zur Behebung von Bauchwandbrüchen sowie die Diagnose und Behandlung von Enddarmerkrankungen wie Hämorrhoiden, Fisteln, Fissuren und Stuhlinkontinenz. Im Zentrum für Koloproktologie führen Dr. Buhr und Dr. Fischer sowohl ambulante Operationen als auch Dickdarm- und Enddarmspiegelungen (zertifiziert auch im Rahmen der Krebsfrüherkennung) durch.
Nähere Informationen unter:
www.praxisklinikmuenchen.de
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