Strategien gegen Bluthochdruck
Wissen ist gut - Kontrolle ist besser


Ein chronisch erhöhter Blutdruck tut nicht weh und schränkt erst einmal auch die Lebensqualität nicht spürbar ein. Und doch gehört er zu den wichtigsten Risikofaktoren für tödliche Gefahren wie einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder für chronische Nierenschäden. Hierzulande ist jeder Zweite über Fünfzig von Bluthochdruck betroffen — oft, ohne es zu wissen.

Von Dr. Nina Schreiber

Der ideale Blutdruckwert von Erwachsenen liegt nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 120/80 mmHg (= Millimeter Quecksilbersäule). Hierzulande richten sich Ärzte bei der Diagnostik nach den Vorgaben von internationalen Expertengremien: Danach besteht ein Bluthochdruck (Hypertonie), wenn bei mehrmaligen Messungen zu verschiedenen Zeiten Werte über 140/90 mmHg ermittelt werden.
Der erste Wert gibt den systolischen Blutdruck an, das ist der höchste Druck, der bei der Kontraktion des Herzens erreicht wird.
Der zweite Wert gibt den diastolischen Blutdruck an, das ist der geringste Druck, der in den Schlagadern herrscht, während das Herz sich mit Blut füllt.
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Keine spürbaren Beschwerden
Bluthochdruck verursacht in der Regel keine Symptome. Deshalb wissen viele gar nicht, dass ihre Werte bedenklich sind. Fakt ist jedoch, dass Bluthochdruck direkt oder indirekt für eine Reihe von Erkrankungen verantwortlich ist. Vor allem in den Blutgefäßen kann er großen Schaden anrichten. Besonders gefährlich ist es, wenn die Herzkranzgefäße oder die Gehirn versorgenden Gefäße betroffen sind. Ausgangspunkt ist eine Verdickung der Muskelschicht der Arterien. Dadurch verlieren sie ihre Elastizität und können sich dem Blutdruck immer schlechter anpassen, was diesen weiter in die Höhe treibt. Zugleich schädigt der anhaltend hohe Druck die Innenwände der Arterien. Dadurch reißen sie leicht ein, sodass sich nun Ablagerungen bilden können – eine Arteriosklerose entsteht, die zu den wichtigsten Auslösern für Herz- Kreislauf-Erkrankungen gehört. Darüber hinaus hat Bluthochdruck einen ungünstigen Einfluss auf den Herzmuskel: Auch dieser kann mit der Zeit verdicken und so allmählich seine Funktionsfähigkeit einbüßen. Die Folge ist eine Herzmuskelschwäche bzw. eine Herzinsuffizienz (Seite 10ff.). Ebenso können die Nieren durch permanent hohen Blutdruck Schaden nehmen – und im Extremfall ein chronisches Nierenversagen nach sich ziehen.

Blutdrucktabelle

Essentielle Hypertonie
Warum der Blutdruck plötzlich aus dem Ruder läuft, kann oft nicht endgültig geklärt werden. Falls keine andere körperliche Ursache vorliegt, spricht der Arzt von primärem Bluthochdruck (primäre Hypertonie, essentielle Hypertonie). Ist die Ursache für den Bluthochdruck bekannt, liegt eine sekundäre Hypertonie vor. Solche Ursachen sind z. B. chronische Nierenerkrankungen oder hormonelle Störungen.

Die wichtigsten Risikofaktoren
Bluthochdruck kann jeden treffen. Es gibt allerdings einige Risikofaktoren, die die Entstehung begünstigen:
Familiäre Vorbelastung
Übergewicht
Rauchen
Diabetes
Chronische Nierenerkrankungen
Alkoholgenuss
Fette, salzhaltige Ernährung
Erhöhter Cholesterinspiegel
Bewegungsmangel
Stress
Medikamente, z. B. Kortison- präparate und »Schlankheitstabletten«

Manchmal sind Medikamente notwendig
Wirksamster Schutz vor Gefäß- und Organerkrankungen ist die dauerhafte Senkung eines erhöhten Blutdrucks. Deshalb kann es sein, dass der Arzt Medikamente verordnet, wenn der Blutdruck chronisch zu hoch ist. Die wichtigsten Medikamente zur Blutdrucksenkung sind entwässernde Medikamente (Diuretika), die die Flüssigkeitsmenge im Kreislauf vermindern und so den Blutdruck senken, aber auch Betablocker und ACE-Hemmer, die – jeweils auf etwas andere Weise – in die hormonelle Steuerung des Blutdrucks eingreifen. Oft müssen diese Präparate lebenslang eingenommen werden.

Den Lebensstil ändern
Neben der regelmäßigen und zuverlässigen Einnahme der verordneten Medikamente können Sie selbst viel für die Verbesserung Ihrer Blutdruckwerte tun:
Ernähren Sie sich ausgewogen und gesund, und versuchen Sie abzunehmen, wenn Sie Übergewicht haben!
Reduzieren Sie die Zufuhr von Kochsalz (empfohlen werden maximal sechs Gramm pro Tag)!
Bewegen Sie sich regelmäßig!
Bauen Sie Stress ab, z. B. mithilfe einer Entspannungstechnik (etwa Autogenes Training).
Geben Sie das Rauchen auf!
Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum auf ein Minimum.
Zudem ist es wichtig, dass Sie regelmäßig selbst Ihren Blutdruck messen: Auf diese Weise können Sie schon bald mögliche Beschwerden besser deuten und ungünstige Einflüsse schneller erkennen bzw. meiden. Auch für Ihren Arzt sind Ihre Aufzeichnungen zur Therapiekontrolle hilfreich.

Kein Erfolg ohne regelmäßige Blutdruckmessung
Zahlreiche Studien haben ergeben, dass Bluthochdruckpatienten, die ihren Blutdruck selbst messen, den Blutdruck besser unter Kontrolle haben als Patienten, bei denen nur der Arzt misst. Am besten ist es, die Messungen regelmäßig in einen Blutdruck-Pass einzutragen – so erhalten Sie selbst und Ihr Arzt einen guten Überblick über den Verlauf und damit die Grundlage für eine optimale Einstellung Ihrer Werte.
Geeignet sind Messgeräte für Oberarm und Handgelenk; Blutdruckmessungen am Finger können derzeit nicht empfohlen werden.
Bei den Oberarm-Messgeräten wird die Manschette wie bei der Blutdruckmessung in der Arztpraxis am Oberarm angelegt, das Messergebnis wird von einer Messstation abgelesen, die auf dem Tisch steht. Um Fehlmessungen zu vermeiden, achten Sie darauf, dass die Manschette dem Armumfang angepasst ist. Wer sehr kräftige Oberarme hat, braucht eventuell eine größere Manschette.
Handgelenk-Messgeräte werden mit einem Klettverschluss am Handgelenk befestigt. Per Knopfdruck wird die Messung eingeleitet, der Wert erscheint auf einem Display. Auch hierbei ist es wichtig, dass die Manschette gut sitzt. Bei sehr starken Handgelenken kann ein Oberarm-Messgerät sinnvoller sein. Handgelenk-Messgeräte sind in der Handhabung einfacher, doch sind sie nicht geeignet, wenn die Blutgefäße am Handgelenke arteriosklerotisch verändert sind. Klären Sie deshalb vor dem Kauf eines Handgelenk-Messgeräts durch Vergleichsmessungen am Oberarm in der Arztpraxis ab, ob eine größere Abweichung besteht.

Guter Rat aus der Apotheke
Welches Gerät ist das Richtige? Wie, wann und wie oft sollte man messen? Wer unsicher ist, sollte sich in der Apotheke beraten lassen. Dort prüft man gemeinsam mit Ihnen, welches Gerät Ihren individuellen Bedürfnissen am besten gerecht wird. Grundsätzlich gilt: Handgelenk- Messgeräte lassen sich etwas einfacher handhaben; Oberarm- Messgeräte liefern jedoch oft genauere Werte. In der Apotheke bekommen Sie auch einen kostenlosen Blutdruck-Pass.

 


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Richtig messen

Messen Sie mindestens zweimal täglich, am bestens morgens zwischen 6 und 9 Uhr sowie abends zwischen 18 und 21 Uhr, und zwar jeweils vor der Mahlzeit und vor der Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten.

Führen Sie die Blutdruckmessung immer am selben Arm und grundsätzlich in ruhiger, leiser Umgebung durch.

Bleiben Sie drei bis vier Minuten lang ruhig sitzen oder liegen, und lagern Sie Ihren Oberarm entspannt in Herzhöhe bzw. — wenn Sie ein Handgelenk- Messgerät benutzen — das Handgelenk in Herzhöhe.

Halten Sie den Arm während der Messung so ruhig wie möglich.

Lesen Sie nach der Messung die Werte auf 2 mmHg genau ab, und notieren Sie diese mit Datum, Uhrzeit und besonderen Ereignissen (z. B. nach dem Spaziergang) in Ihr Messwertprotokoll.

Falls Sie die Messung wiederholen möchten, sollten Sie ein paar Minuten lang warten.