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Ästhetisch-Plastische Chrirugie In der Medizin wird Botulinumtoxin schon lange therapeutisch genutzt, etwa in der Augenheilkunde bei Blinzelkrämpfen, in der HNO bei muskulärem Schiefhals oder in der Neurologie bei Spastiken. Seine Popularität verdankt Botox aber vor allem der ästhetisch-plastischen Chirurgie, die es als wirkungsvolles Mittel zur Glättung von Mimikfalten einsetzt. Doch ist Botulinumtoxin wirklich für jeden geeignet? Welche Alternativen gibt es? Über diese und andere Fragen sprach TOPFIT mit den Münchner Fachärzten für Ästhetisch-Plastische Chirurgie Priv.-Doz. Dr. Max Geishauser, Dr. Eugen Herndl, Dr. Hans-Hermann Wörl und Dr. Stefan Schmiedl. Von Dr. Nicole Schaenzler Herr Dr. Wörl, Botulinumtoxin zur Faltenglättung ist in aller Munde — zu Recht? Dr. Wörl: Unterspritzungen mit Botulinumtoxin sind in der Tat eine sehr effektive Möglichkeit, um Falten zu glätten. Außerdem ist das Verfahren unkompliziert, weitgehend schmerzlos und risikoarm — vorausgesetzt, der behandelnde Arzt verfügt über fundierte Anatomiekenntnisse und ist mit der spezifischen Wirkweise von Botulinumtoxin vertraut.
Welche Gesichtsfalten können damit erfolgreich geglättet werden? Dr. Geishauser: Wir setzen Botulinumtoxin zur Glättung von dynamischen Falten ein, also von Mimikfalten, die sich mit den Jahren durch die mimische Muskelaktivität gebildet haben. Zur Mimik vieler Menschen gehört z. B., dass sie — mithilfe der Augenbrauenmuskeln — unwillkürlich die Augenbrauen zusammen ziehen, wenn sie nachdenken. Im Lauf des natürlichen Alterungsprozesses führt dies dann irgendwann dazu, dass sich in der Haut zwischen den Augenbrauen eine Falte bildet, die auch dann sichtbar bleibt, wenn die Muskeln entspannt sind. Eine Glättung dieser »Zornesfalten« erreichen wir, indem wir in die dafür zuständigen Muskeln Botulinumtoxin injizieren. Dies kann den Gesichtsausdruck tatsächlich dramatisch verändern — der Eindruck von permanenter Anspannung oder Sorge weicht einem erholten, zufriedenen, verjüngten Aussehen. Einen ähnlichen Effekt erzielen wir, wenn wir die quer verlaufenden mimischen Falten an der Stirn oder Krähenfüße am äußeren Augenrand mit Botulinumtoxin behandeln. Also wirkt Botulinumtoxin in erster Linie auf die Muskeln? Dr. Schmiedl: Genau, Botulinumtoxin wird direkt in die Muskeln gespritzt. Dort dockt es an die Schnittstelle von Nerven und Muskeln an und blockiert so die Überleitung der Nervenimpulse auf den Muskel. Dies hat zur Folge, dass der für die Bewegung zuständige Muskel in seiner Aktivität gehemmt wird — mit dem Ergebnis, dass sich die Falten in der darüber liegenden Haut glätten. Da sich dieser Muskel, der so genannte Agonist, stets im Wechselspiel mit einem anderen Muskel, dem Antagonisten, befindet, wird auch er indirekt durch das Botulinumtoxin beeinflusst: Durch die Schwächung des Agonisten wird er nämlich gestärkt, wodurch sich die Haut über ihm strafft. Auf diese Weise kann man diesen Effekt zur gezielten Hebung der Augenbraue nutzen. Klingt kompliziert . . . Dr. Geishauser: . . . ist es aber nicht, jedenfalls nicht für einen langjährig praktizierenden Facharzt für Plastisch-Ästhetische Chirurgie. Aber natürlich: Fehlen anatomische Kenntnisse und Erfahrung, kann es passieren, dass unabsichtlich die falschen Muskelpartien ausgeschaltet werden oder zuviel injiziert wird . Dann ist von einem Herabhängen von Augenbraue oder Oberlid, einem asymmetrischen Lächeln bei nicht sachgemäßer Behandlung der kleinen Oberlippenmuskeln bis hin zu einem maskenhaften Aussehen vieles möglich. Glücklicherweise sind diese unschönen Erscheinungen nur vorübergehend, da die Wirkungsdauer des Botulinumtoxins in der Regel nicht länger als sechs Monate anhält. Nun liest man immer wieder, dass es sich bei Botulinumtoxin eigentlich um ein Nervengift handelt . . . Dr. Wörl: . . . die Bezeichnung »Nervengift « ist völlig irreführend und ruft nur Verunsicherung hervor. Botulinumtoxin ist ein natürliches Eiweiß, das aus dem Bakterium Clostridium botulinum gewonnen wird. Es wird mittels biotechnologischer Methoden hergestellt und ist, wie jedes Medikament, nur bei Überdosierung schädlich; bei Botulinumtoxin liegt sie bei Faktor 500! Die Dosierung zur Faltenbehandlung wird auf Bruchteile eines Milligramms genau berechnet; sie liegt im Übrigen deutlich unter der Dosierung von Botulinumtoxin für medizinische Zwecke. Auch bei diesen Anwendungen sind bislang keine gravierenden Nebenwirkungen bekannt. Sie sagten, dass Botulinumtoxin hauptsächlich bei Mimikfalten wirkt. Welche Vorgehensweise empfehlen Sie, wenn es darum geht, Falten zum Verschwinden zu bringen, die durch einen Rückgang des Unterhautfettgewebes verursacht werden? Dr. Herndl: Dann sollte die betroffene Hautpartie durch das Einbringen von Füllmaterialen von innen aufgepolstert werden. In unserer Praxis kommen hierfür vor allem zwei Substanzen in Betracht: Hyaluronsäure, deren »Füllwirkung« bis zu neun Monaten anhält, und Eigenfett, das mittels einer speziellen Mikrotechnik schonend ins Unterhautfettgewebe eingebracht wird. Letzteres Verfahren ist zwar aufwändiger als eine Unterspritzung mit Hyaluronsäure, doch hält das Ergebnis viele Jahre lang. Da es sich bei Eigenfett um körpereigenes Gewebe handelt, sind auch keine allergischen oder Fremdkörperreaktionen zu befürchten. Wer an einem längerfristigen Ergebnis interessiert ist, sollte also eine Implantation von Eigenfett ins Auge fassen? Dr. Herndl: Auf jeden Fall. Zumindest dann, wenn es um die Beseitigung von unerwünschten altersbedingten Veränderungen im Gesicht geht, die durch einen Verlust von Unterhautfettgewebe entstanden sind — hier liefert die flächige Auffütterung der eingesunkenen Haut mit Eigenfett, etwa im Kinn-, Wangen-, Mund- oder Nasenbereich, hervorragende Ergebnisse. Außerdem ist Eigenfett sehr gut zum Aufpolstern von eingesunkenen Oberlippenpartien, Jochbögen oder Hohlwangen oder zur Milderung ausgeprägter Nasenlippenfalten und Marionettenfalten geeignet. Selbst herabhängende Mundwinkel oder Ringe unter den Augen sind der Eigenfett-Implantation zugänglich.
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