Brustkrebsfrüherkennung -
Bessere Diagnostik durch Zertifizierung

Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto größer sind die Chancen, ihn durch eine brust-erhaltende Operation zu heilen. Seit kurzem müssen sich Ärzte, zu deren Leistungsspektrum die Mammographie gehört, zertifizieren lassen. Welche Ziele mit der Zertifizierung verfolgt werden und warum die digitale Vollfeld-Mammographie die Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung entscheidend verbessert hat, darüber sprach topfit mit dem Radiologen Dr. Michael Risch, der in der Radiologie Schwabing zusammen mit seinen Kollegen jährlich mehr als 10.000 Mammographien durchführt.

Von Dr. Nicole Schaenzler (Sept. 2006)

Herr Dr. Risch, jährlich erkranken in Deutschland etwa 46.000 Frauen neu an Brustkrebs, 19.000 Frauen sterben jedes Jahr daran. Kann die Brustkrebs-Vorsorqeuntersuchung wirklich Leben retten, wie es die Deutsche Krebshilfe kürzlich formuliert hat?
Dr. Risch:
Ja. Ein bösartiger Tumor der Brust, der in einem frühen Stadium erkannt wird, kann in neun von zehn Fällen geheilt werden. Hier kommt der Mammographie eine zentrale Bedeutung zu: Mit dieser speziellen Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust können kleinste Krebsherde aufgespürt werden; außerdem leistet sie bei der Beurteilung von unklaren Befunden wertvolle Dienste.

Ist Röntgen nicht gefährlich?
Dr. Risch:
Jede Röntgenuntersuchung bedeutet eine zusätzliche Strahlenbelastung. Studien haben jedoch gezeigt, dass der Nutzen, Brustkrebs frühzeitig entdecken zu können, deutlich höher ist als das Risiko, durch die Mammographie an Krebs zu erkranken. Hinzu kommt, dass es inzwischen ein Verfahren gibt, das sich gegenüber der konventionellen Mammographie nicht nur durch eine herausragende Bildqualität, sondern auch durch eine deutliche Verringerung der Strahlenbelastung auszeichnet. Denn die Belastung bei der digitalen Vollfeld-Mammographie, so der Name dieser hochmodernen Technologie, liegt bis zu 60 Prozent niedriger.

Hat dieses Verfahren die Brustkrebsfrüherkennung verbessert?
Dr. Risch:
Auf jeden Fall. Mit der digitalen Vollfeld-Mammographie können geringste Veränderungen der Gewebestruktur erkannt werden, lange bevor eine Verhärtung oder ein Knoten ertastet wird. Zugleich bietet das Verfahren erstmals die technischen Voraussetzungen, Fehldiagnosen weitgehend zu vermeiden: Denn anders als bei der herkömmlichen Mammographie, bei der die weibliche Brust auf einem Röntgenfilm abgebildet und vom Arzt vor einer Lichtquelle begutachtet wird, wird bei der digitalen Vollfeld-Mammographie das Röntgenbild mithilfe eines Computers aufbereitet und steht dem Arzt innerhalb von Sekunden am Bildschirm zur Verfügung. Hier kann es weiter bearbeitet werden: So lassen sich etwa bestimmte Bezirke rasch vergrößern, was die genaue Beurteilung eines verdächtigen Befunds möglich macht. Auf diese Weise können auch die früher schwierig zu bewertenden Verdichtungen der Brust gut von einem bösartigen Tumor abgegrenzt werden. Ein weiterer Pluspunkt: Während der Aufnahme muss die Brust nur noch wenige Sekunden lang unter dem Gerät komprimiert werden — im Gegensatz zur konventionellen Mammographie, bei der dies bis zu zweieinhalb Minuten dauern kann. So ist die Untersuchung für die Patientin deutlich angenehmer.

Welche Frau sollte eine Mammoqraphie durchführen lassen?
Dr. Risch:
Eine Basis-Mammographie sollte bei allen Frauen zwischen dem ab dem 40. Lebensjahr durchgeführt und dann alle zwei Jahre wiederholt werden. So können die aktuellen Bilder mit den älteren verglichen werden, um Veränderungen zu erkennen bzw. deren Verlauf zu beurteilen. Frauen, deren Mutter oder Schwester an Brustkrebs erkrankt ist, sollten nach der Basisuntersuchung jährlich eine Mammographie durchführen lassen. Und natürlich sollte immer eine Mammographie erfolgen, wenn ein Knoten in der Brust getastet wurde oder unklare Schmerzen aufgetreten sind. Ganz wichtig ist die Mammographie auch für Frauen nach den Wechseljahren, da das Brustkrebsrisiko dann deutlich zunimmt. Deshalb wurde in einigen Bundesländern - darunter auch in Bayern - in diesem Jahr eine qualitätsgesicherte Früherkennungs-Mammographie flächendeckend für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeführt.

Was bedeutet “qualitätsgesichert” qenau?
Dr. Risch:
Damit ist zunächst gemeint, dass die Vorsorgeuntersuchungen den höchsten Oualitätsanforderungen nach europäischen Normen, den so genannten European Guidelines, entsprechen müssen. Jeder Arzt, der sich an dem neuen Screeningprogramm beteiligt, ist verpflichtet, seine Qualifikation auf dreifache Weise nachzuweisen: Er muss über eine spezielle Zusatzqualifikation verfügen, und er muss sich regelmäßig einer Prüfung durch eine unabhängige Kontrollkommission unterziehen, bei der er eine umfangreiche Fallsammlung fehlerfrei beurteilen muss; außerdem wird in der Praxis regelmäßig die technische Oualität des Mammographiegeräts, der Dunkelkammer und der Filme überprüft. Nur wer diese Prüfungen besteht, erhält das Oualitätszertifikat und darf weiterhin Mammographien durchführen. Damit ein Arzt an diesem Rezertifizierungsverfahren teilnehmen kann, muss er nachweisen können, dass er jährlich eine bestimmte Anzahl an Mammographien durchführt.

Nehmen Sie auch an der Rezertifizierunq teil?
Dr. Risch:
Natürlich. Allerdings haben wir in unserer Praxis schon immer großen Wert auf ein strenges Oualitätsmanagement gelegt. Nicht nur die Mammographie, sondern letztlich jede Untersuchung mittels bildgebender Verfahren bietet erst dann diagnostische Sicherheit, wenn der Arzt über eine entsprechend große Erfahrung verfügt und schon viele Befunde erhoben hat, wenn er regelmäßig an Fortbildungen teilnimmt und seine Gerätetechnologie immer auf dem neuesten Stand ist. Vor allem was Letzteres betrifft, nehmen wir schon seit Jahren eine Vorreiterrolle ein. So waren wir z. B. die erste Röntgenpraxis in Deutschland, die die digitale Vollfeld-Mammographie eingesetzt hat. Es gehört zu unseren Grundsätzen, dass wir ausschließlich mit der weltweit neuesten und führenden Technologie arbeiten
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Zur Person:

Dr. med. Michael Risch ist Facharzt für Radiologie und führt die digitale Vollfeld-Mammographie sowie alle weiteren Untersuchungen zur Diagnostik von Veränderungen der weiblichen Brust zusammen mit seinen Kollegen in der Radiologie Schwabing, Herzogstraße 1, durch. Seit 2003 ist die Münchner Praxis für Radiologie und Nuklearmedizin zertifiziertes Zentrum für Brustdiagnostik mit Schwerpunkt Mammographie.

Weitere Informationen unter:
www.radiologie-schwabing.de