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Rechtzeitig erkennen – aktiv vorbeugen:
Moderne Diagnostik –
der radiologische Check-up
In den letzten Jahren sind eine Reihe von Risikofaktoren für schwere, mitunter tödlich verlaufende Erkrankungen identifiziert worden. Viele können heute mithilfe modernster bildgebender Verfahren oft schon erkannt werden, lange bevor sie Beschwerden hervorrufen. Zugleich sind die modernen Technologien, z.B. die MRT oder die Multislice-CT, eine Patienten schonende Alternative zu konventionellen Diagnosemethoden.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Dass es heute möglich ist, sich von Kopf bis Fuß »durchforsten« zu lassen, ohne dass ein Katheter, ein Endoskop oder ein Skalpell notwendig ist, ist nicht zuletzt der rasanten Entwicklung der Computertechnik zu verdanken. Hiervon hat die Radiologie wie kaum ein anderes Gebiet der Medizin profitiert: Ob zur Abklärung von Kalkablagerungen, Verengungen bzw. Defekten in Gefäßen oder krankhafter Organveränderungen – dank hoch moderner Computer- und Kernspintomographen gelingen heute dreidimensionale Einblicke in fast jede gewünschte Ebene des Körpers. Ebenso erlaubt die computergestützte diagnostische Radiologie schonende Innenansichten von Verdauungs- und Atemwegsorganen. So erfolgt die Begutachtung nicht mehr mittels schlauchartiger Instrumente, sondern mithilfe einer 3-D-Simulation am Bildschirm: Ein Multislice-Computertomograph erstellt Schichtaufnahmen des zu untersuchenden Organs; anschließend werden die Bilddaten in einen Computer eingespeist und dort zu einem virtuellen, dreidimensionalen Bild zusammengesetzt. Dies ermöglicht es dem erfahrenen Radiologen, einen virtuellen »Durchflug« durch Magen (virtuelle Gastroskopie), Dickdarm (virtuelle Koloskopie) oder Bronchien (virtuelle Bronchoskopie) zu simulieren.
Die Nuklearmedizin bietet diagnostische Verfahren, ohne die bestimmte Organfunktionen nicht zufrieden stellend beurteilt werden könnten. Vor allem bei Funktionsstörungen der Schilddrüse, aber auch zur Abklärung von entzündlichen Veränderungen an Knochen und Gelenken, von Durchblutungsstörungen des Gehirns oder des Herzens ist eine Szintigraphie das diagnostische Verfahren der Wahl.
Sei es als Untersuchung zur Feststellung der Ursache bzw. des Ausmaßes einer Erkrankung, im Rahmen der Krebsvorsorge oder zur Bestimmung des persönlichen Risikoprofils – mithilfe der radiologischen bzw. der nuklearmedizinischen Diagnostik ist es möglich, sich sicher, risikoarm und schonend ein genaues Bild über seinen Gesundheitszustand zu machen. Zugleich geben die Untersuchungsergebnisse wertvolle Anregungen, wie man Krankheiten vorbeugen bzw. vorhandene Gesundheitsrisiken minimieren kann.
Das Interview zum Thema
Über die Möglichkeiten eines »Check-ups« mit bildgebenden Verfahren sprach topfit mit den Münchner Fachärzten für Radiologie bzw. Nuklearmedizin, Dr. Michael Risch (links) und Dr. Jochen Bader (rechts), die in ihrer Praxis in München-Schwabing gemeinsam mit den Kollegen, Dr. Volker Storz und Dr. Kurt Baum, sämtliche Untersuchungen der radiologischen und nuklearmedizinischen Diagnostik und Therapie mithilfe hoch moderner Technologien durchführen.
Herr Dr. Risch, bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Kernspintomographie, haben in der Präventivdiagnostik völlig neue Perspektiven eröffnet. Eine Cardio-CT kann heute in vielen Fällen sogar eine Herzkatheteruntersuchung ersetzen…
Dr. Risch: … in der Tat ist die Cardio-CT eine einfache und risikoarme Methode, um eine koronare Herzkrankheit früh zu erkennen und so das individuelle Herzinfarktrisiko einzuschätzen. Während die Cardio-Computertomographie dem Nachweis von Verengungen in den Herzkranzgefäßen dient, kann ein Koronarkalk-Screening Aufschluss über die Menge der Kalkablagerungen in den Koronararterien geben. Verkalkungen treten schon im Anfangsstadium auf, lange bevor hochgradige Verengungen in den Herzkranzgefäßen zu Beschwerden führen. Hierfür setzen wir einen hoch modernen Multislice-Computertomographen ein, der uns innerhalb weniger Sekunden das Ergebnis liefert. Ist der Koronarkalk stark ausgeprägt, beträgt die Wahrscheinlichkeit einer koronaren Herzkrankheit etwa 80 Prozent. Um die drohende Erkrankungsgefahr abzuwenden, empfehlen wir dem Patienten, möglichst rasch Gegenmaßnahmen zu ergreifen, so etwa das Rauchen einzustellen oder eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten vorzunehmen, wenn Übergewicht besteht; ebenso sollten z.B. erhöhte Blutfettwerte und Blutdruck – notfalls auch mithilfe einer medikamentösen Therapie – in den Normbereich gebracht werden.
Lässt sich das Herz auch mithilfe der Kernspintomographie untersuchen?
Dr. Risch: Natürlich. Mit unserem Hochleistungs- Kernspintomographen können wir Aufnahmen von jeder Ebene des Herzens anfertigen und sie zu dreidimensionalen Bildern zusammensetzen — und dies ohne jegliche Strahlenbelastung. So können die Größe des Herzens, alle Herzinnenräume, die Dicke der Herzwände, die Struktur und Funktion der Herzklappen sowie die Leistungsfähigkeit des Herzens mithilfe der Kernspintomographie exakt beurteilt werden.
Dr. Bader: Gerade die Kernspintomographie nimmt eine immer wichtigere Rolle in der Präventivdiagnostik ein. So lassen sich z.B. Bauchorgane wie Leber, Gallenwege und Bauchspeicheldrüse mithilfe der Kernspintomographie sehr gut beurteilen. Besteht z.B. ein Verdacht auf Steine oder Verengungen in den Gallenwegen oder im Bauchspeicheldrüsengang, können diese – ohne den Einsatz von Kontrastmitteln – erkannt und genau lokalisiert werden. Wertvolle Dienste leistet die Kernspintomographie auch zur Begutachtung der weiblichen Beckenorgane, zur Abklärung von Nieren-, Harnwegs- oder Blasenerkrankungen und – nicht zu vergessen – als Krebsvorsorgeuntersuchung der Prostata. Die Methode ist derzeit jedem anderen Verfahren zur Früherkennung von Prostatakrebs überlegen, weil mit ihr bereits geringste Veränderungen der Gewebestruktur sicher erkannt und beurteilt werden können. Zudem ist sie sehr viel angenehmer als eine »manuelle« Prostatauntersuchung.
Welche nuklearmedizinischen Untersuchungen werden besonders häufig durchgeführt?
Dr. Bader: Nuklearmedizinische Untersuchungen dienen in erster Linie der Früherkennung von krankhaften Stoffwechselvorgängen und Durchblutungsstörungen. Die häufigsten nuklearmedizinischen Untersuchungen betreffen die Schilddrüse, das Skelett (Ganzkörperskelett- oder Knochenszintigraphie), die Durchblutung und Belüftung der Lunge, die Funktion der Nieren (Nierenfunktionsszintigraphie) und des Herzmuskels (Myokardszintigraphie). Ebenso können Erkrankungen und Funktionsbeeinträchtigungen der Nebenschilddrüsen, Nebennieren oder des Knochenmarks abgeklärt werden. Gerade bei diesen Organen ist die exakte Beurteilung ihrer Durchblutung bzw. Stoffwechseltätigkeit mit anderen Untersuchungsmethoden oft nur unzureichend oder gar nicht möglich. |
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Die wichtigsten radiologischen Vorsorgeuntersuchungen im Überblick
Herz-Kreislauf-Diagnostik:
* Koronarkalk-Screening (Quantitative Messung von Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen mittels Multislice-CT)
* 3-D-Angiographie der Korornargefäße
(Dreidimensionale Darstellung der Herzkranzgefäße mittels Multislice-CT zum Nachweis einer Herzkranzverengung)
* Myokardszintigraphie
(Nuklearmedizinische Untersuchung zum Nachweis von Durchblutungsstörungen des Herzens)
* Kernspintomographie des Herzens (Ein moderner Hochleistungs-Kernspintomograph fertigt von jeder Ebene des Herzens Aufnahmen und setzt sie zu dreidimensionalen Bildern zusammen.)
* 3-D-Angiographie der Halsschlagadern, der Aorta und der Nierenarterien (Nicht nur Herzkranzgefäße, auch alle anderen Schlagadern können mit Kernspin- oder Computertomographie dreidimensional dargestellt und damit in allen Ebenen auf Verengungen oder Verschlüsse untersucht werden.)
Diagnostik der Verdauungsorgane:
* Virtuelle Koloskopie (Die virtuelle Koloskopie ermöglicht aussagekräftige Einblicke in das Darminnere, ohne dass Instrumente in den Dickdarm eingeführt werden müssen.)
* Virtuelle Gastroskopie (Statt mit einem geschluckten Schlauch wird der Magen mithilfe eines ultraschnellen, strahlenarmen Multislice-CT auf Veränderungen untersucht.)
* Dünndarmdiagnostik mithilfe der Kernspintomographie (Eine Dünndarmuntersuchung mithilfe der Kernspintomographie dient vor allem dem Nachweis bzw. der Abklärung von entzündlichen Veränderungen und Tumoren.
* Kernspintomographie von Bauchorganen (Bauchorgane wie Leber, Gallenwege und Bauchspeicheldrüse lassen sich mithilfe der Kernspintomographie sehr gut beurteilen. Besteht z.B. ein Verdacht auf Steine oder Verengungen in den Gallenwegen, können diese – ohne Einsatz von Kontrastmitteln – erkannt und genau lokalisiert werden.
Weitere Vorsorgeuntersuchungen:
* Digitale Mammographie
Im Rahmen der Krebsvorsorge kommt der Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen mittels digitaler Vollfeld-Mammographie eine wichtige Bedeutung zu. Das Verfahren ermöglicht eine exakte Darstellung der Gewebestruktur, wodurch bereits geringste Veränderungen erkannt werden können. Damit ist die digitale Vollfeld-Mammographie derzeit jeder anderen Brustkrebsvorsorgeuntersuchung überlegen. Zugleich zeichnet sich die digitale Vollfeld-Mammographie gegenüber der konventionellen Mammographie durch eine deutlich verringerte Strahlenbelastung aus. Und sie ist noch aus einem weiteren Grund schonender: Die Brust wird nur noch wenige Sekunden lang unter dem Gerät vorsichtig komprimiert, wodurch die Untersuchung für die Patientin auch subjektiv angenehmer ist.
* Kernspintomographie der weiblichen Beckenorgane, Nieren und Harnblase
Neben dem Ultraschall wird die Kernspintomographie eingesetzt, um Erkrankungen an den weiblichen Beckenorganen zu erkennen bzw. unklaren Beschwerden auf den Grund zu gehen. Ebenso kann man mithilfe der Kernspintomographie Ursache und Ausmaß von Nieren-, Harnwegs- oder Blasenerkrankungen abklären.
* Kernspintomographie der Prostata
Wertvolle Dienste leistet die Kernspintomographie auch als Krebsvorsorgeuntersuchung der Prostata. Die Methode ist derzeit jedem anderen Verfahren zur Früherkennung von Prostatakrebs überlegen, weil mit ihr bereits geringste Veränderungen der Gewebestruktur sicher erkannt und beurteilt werden können. Zudem ist sie sehr viel angenehmer als eine »manuelle« Prostatauntersuchung.
* Raucher-Check-up
Wenn Sie wissen wollen, ob Ihr regelmäßiger Griff zur Zigarette Ihre Lunge oder die Bronchien geschädigt hat, sollten Sie ein Lungenscreening mittels Multislice-Computertomographie und zur genauen Beurteilung Ihrer Atemwege eine virtuelle Bronchoskopie durchführen lassen. Während das Lungenscreening-CT selbst kleinere Veränderungen des Lungengewebes und des Rippenfells zu Tage fördert, können im Rahmen der virtuellen Bronchoskopie, die ebenfalls auf der Multislice-Technologie basiert, bereits kleinste Auffälligkeiten innerhalb der Bronchien erkannt und beurteilt werden. Beide Methoden sind extrem strahlungsarm.
* Funktionelle Untersuchungen des Gehirns
Zur Beurteilung von Durchblutungsstörungen im Gehirn wird eine Szintigraphie durchgeführt. Diese Untersuchung dient vor allem der Parkinson-Diagnostik sowie der Abklärung von Perfusionsstörungen, Demenz und der Alzheimer-Krankheit.
* Knochendichtemessung
Insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren nimmt die Knochendichte rapide ab, die Gefahr von Knochenbrüchen, Wirbelsäulenverkrümmungen und Schmerzen steigt dabei stark an. Vor allem wenn weitere Risikofaktoren bestehen, z.B. erbliche Belastung, Rauchen, Untergewicht oder eine längerfristige Kortisontherapie, sollten Sie mithilfe einer Knochendichtemessung Ihr persönliches Risiko ermitteln, an einer Osteoporose zu erkranken, und bei niedrigen Werten alles tun, dieses Risiko zu minimieren.
* Schilddrüsen-Check-up
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Schilddrüse von einer Funktionsstörung betroffen sein könnte, sollten Sie einen Schilddrüsen-Check-up durchführen lassen. Mithilfe einer Laboruntersuchung erfahren Sie, ob Ihre Schilddrüse genügend Hormone produziert oder ob eine Unter- bzw. Überfunktion vorliegt. Die Ultraschalluntersuchung (Schilddrüsen-Sonographie) gibt Aufschluss über Größe und Struktur Ihrer Schilddrüse und hilft dabei, getastete oder szintigraphisch nachgewiesene Knoten in solides Gewebe oder in Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) zu differenzieren. Die Schilddrüsenszintigraphie lässt u.a. erkennen, ob ein solider Knoten zu wenig (bzw. keine) oder zu viele Schilddrüsenhormone produziert, ob es sich also um einen kalten oder heißen Knoten handelt. |