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Sanfte manuelle Behandlung
Craniosacral-Therapie
Nur wenige neue Therapieansätze haben in letzter Zeit eine so rasante Verbreitung erfahren wie die Craniosacral-Therapie. Es handelt sich dabei um eine sanfte, manuelle Behandlungsform, die ausgleichend auf das Zentralnervensystem wirkt und auf diese Weise viele wichtige Schaltstellen des Körpers in ihrer Funktion unterstützt.
Von Anja Lehner
Die Craniosacral-Therapie geht von der Annahme aus, dass im menschlichen Organismus neben verschiedenen Kreisläufen, etwa dem Blut- und Atemkreislauf, ein weiteres in sich geschlossenes System existiert: das Craniosacral-System (CSS). Es besteht äußerlich aus den knöchernen Strukturen des Schädeis (cranium), der Wirbelsäule und des Kreuzbeins (sacrum). Innerlich umfasst es die Hirn- und Rückenmarkshäute - ein kompaktes Membransystem, in dem Gewebeflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) zirkuliert. Diese Flüssigkeit schützt Hirn und Rückenmark vor Druck und Verletzungen, sie versorgt das Gewebe mit Nährstoffen und schwemmt Abfallstoffe aus. Ihre Volumenschwankungen sorgen für den so genannten Craniosacral-Rhythmus, der mit 6 bis 12 Zyklen pro Minute durch den Körper pulsiert. Das An- und Abschwellen der pulsierenden Flüssigkeit kann der Therapeut an der Wirbelsäule erspüren, wo dieser Rhythmus winzige Dreh- und Pendelbewegungen hervorruft.
Der Rhythmus der Knochen
Um sich den Veränderungen im Flüssigkeitsdruck anpassen zu können, müssen Schädelknochen, Wirbel und Kreuzbein eine gewisse Elastizität aufweisen — diese spielt sich im Millimeterbereich ab. Ist die Beweglichkeit eingeschränkt, kann der Liquor nicht mehr ungehindert fließen; in diesem Fall treten energetische Störungen im CSS auf. Wichtigstes Anliegen der Craniosacral-Therapie ist es daher, die Schädelknochen flexibel zu halten und in ihren natürlichen Bewegungen zu unterstützen. Über die Schädelknochen werden auch die dahinter liegenden Hirn- und Rückenmarkshäute sanft gedehnt.
Der geistige Vater der heutigen Craniosacral-Therapie war William Garner Sutherland (1873—1954), der in den 1930er-Jahren die Craniale Osteopathie entwickelte. Er stellte als Erster die These auf, dass die Beweglichkeit der Schädelnähte in engem Zusammenhang mit Organen, Körperfunktionen und sogar emotionalen Empfindungen steht. Neue Impulse erhielt sein Therapieansatz in den 1970er-Jahren durch den amerikanischen Arzt Dr. John E. Upledger, der Blockaden des CS-Rhythmus als systemische Ursache von Symptomen wie Rückenproblemen, Haltungsschäden, Migräne. Kopfschmerzen, Schwindel und Ohrgeräuschen ausmachte.
Blockaden lösen
Die Craniosacral-Therapie ist die sanfteste Spielart unter den manuellen Therapien. Behutsame Berührungen des Therapeuten sollen Blockaden erspüren, diese lösen und zu einer Harmonisierung des pulsierenden Rhythmus beitragen. Auf dem Weg der Tiefentspannung werden Körpersysteme ausbalanciert und die Selbstheilungskräfte des Körpers gestärkt.
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Fragen und Antworten zum Thema
Wann wird die Craniosacral-Therapie angewendet?
Die Craniosacral-Therapie ist ein Teilgebiet der Osteopathie. Grundannahme der Osteopathie ist, dass eine Bewegungseinschränkung an einer bestimmten Körperstelle durch eine Störung an anderer Stelle ausgelöst worden sein kann. Solche Bewegungseinschränkungen können im so genannten parietalen System (Skelett- und Muskelsystem) vorliegen, aber auch im viszeralen System (innere Organe und Aufhängevorrichtungen) oder - und hier kommt die eigentliche Craniosacral-Therapie ins Spiel - im cranio-sacralen System (Hirn- und Rückenmarkshäute und Aufhängung im Kreuzbein-Steißbein-Bereich und im Schädel). Diese Systeme stehen in Verbindung miteinander; beispielsweise kann sich eine Prellung des Steißbeins in Kopfschmerzen oder Schwindelgefühlen äußern. Vor jeder Therapie muss allerdings eine genaue Anamnese und eine körperliche Untersuchung stehen. Dann kann - je nach Art bzw. Schwere der Erkrankung - eine Therapie, etwa die Craniosacral-Therapie, erfolgen. Es gibt meist eine Auswahl an verschiedenen Therapiemöglichkeiten. Häufig wird insbesondere bei Halswirbelsäulenproblemen, Kopfweh, Schwindel, Ohrensausen und Konzentrationsstörungen die Craniosacral-Therapie eingesetzt. Da es sich um eine sehr sanfte manuelle Methode handelt, kann sie auch gut bei Kindern angewendet werden.
Wie muss man sich eine CS-Behandlung vorstellen?
Eine Craniosacral-Behandlung dauert eine Stunde. Der Therapeut stimmt sich auf den individuellen CS-Rhythmus des Patienten ein, um bestehende Einschränkungen zu erkennen. An nächster Stelle steht die Entspannung querverlaufender Bindegewebe am Rumpf, auf die weitere feine Manipulationen an Wirbelsäule, Kreuzbein und Becken und schließlich am Kopf folgen. Diese Maßnahmen - sanftes Massieren, passives Dehnen und ziehen von Muskeln und Gelenken - dienen der Lösung von Blockaden.
Wie viele Sitzungen sind erforderlich, bis ein Erfolg eintritt?
Zur Behandlung von akuten Beschwerden sind in der Regel sechs bis zehn Sitzungen nötig. Die einzelnen Sitzungen sollten im Abstand von jeweils ein bis maximal zwei Wochen erfolgen. Bei chronischen Beschwerden richtet sich die Behandlungsdauer nach der Art des Beschwerdebilds. Zur Gesundheitsvorsorge empfehlen sich 2 bis 3 CS-Behandlungen pro Jahr. Wichtig ist, dass der behandelnde Therapeut eine fundierte anatomische und orthopädische Ausbildung besitzt. Die CS-Therapie entfaltet ihre Wirkung am besten in Kombination mit anderen Therapieformen.
Für wen eignet sich die CS-Therapie?
Die Craniosacral-Therapie gilt als schonend und risikoarm und kann auch bei chronischen Beschwerden noch gute Erfolge zeitigen. Häufige Anwendungsbereiche der heutigen Craniosacral-Arbeit sind neben degenerativen Erkrankungen des Muskel- und Skelettapparats auch verletzungsbedingte Krankheitszustände, wie z. B. Schleudertrauma oder eine Gelenkverletzung, die mit einer Bewegungsbeeinträchtigung einhergeht. Aber auch bei seelischen Befindlichkeitsstörungen sowie bei Lernschwierigkeiten und Hyperaktivität bei Kindern hat sich die Methode bewährt. Nicht durchgeführt werden darf die Craniosacral-Therapie bei akuten Schmerzen bzw. Entzündungen (z. B. Gelenk- oder Hirnhautentzündung), bei Herzinfarkt, Hämatomen, schweren oder offenen Kopfverletzungen, Schädelbruch, Gehirnerschütterung, Hirnödemen, -aneurysmen, -blutungen oder -tumoren. |