MVZ im Helios — fachärztliche Kompetenz unter einem Dach
Dass Frauenfüße besonders oft außer Form geraten, liegt nicht nur am weiblichen Faible für hohe Absätze und enges, spitzes Schuhwerk. »Oft spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle«, weiß Dr. Steffen Zenta, der im MVZ im Helios der Ansprechpartner für die Diagnostik und Behandlung von Fußerkrankungen ist. Im Gespräch mit TOPFIT erklärt der Münchner Orthopäde, welche Fußprobleme besonders häufig sind und was getan werden kann, um sie zu beheben.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Herr Dr. Zenta, ein verbreiterter
Vorfuß, ein Ballen- oder Krallenzeh
lässt sich mit einem eleganten Auftritt
in schmal geschnittenen Ballerinas
oder hochhackigen Sandaletten
kaum vereinbaren — was modebewusste
Frauen gerade an warmen
Sommertagen besonders bedauerlich
finden. Doch ist in solchen Fällen
auch gleich ein Besuch beim Orthopäden notwendig?
Dr. Zenta: Um es gleich vorweg zu
sagen: Abweichungen von der natürlichen
Fußform sind niemals nur ein
rein kosmetisches Problem, sondern
immer auch ein ernst zu nehmender
Hinweis, dass es mit der Fußgesundheit
nicht mehr zum Besten steht.
Weder sollte man sich damit abfinden,
Schmerzen zu haben oder keine
modischen Schuhe mehr tragen
zu können noch sollte man
in Kauf nehmen, dass
eine Fehlstellung
irreparabel
wird bzw. weitere Verformungen
nach sich zieht. Im Übrigen kann die
gesamte Körperstatik durch anhaltende
Fußprobleme aus dem Lot
geraten, denn die Füße sind die Basis
unseres Körpers. Oft gesellen sich dann
zu den Fußschmerzen noch Rücken-,
Knie- oder Hüftbeschwerden, mitunter
sogar Schulter- oder Kopfschmerzen.
Wie gehen Sie in solche Fällen vor?
Dr. Zenta: Zunächst gilt es, sich ein
genaues Bild von den Schwachstellen
des Fußes zu machen, um die genauen
Ursachen für die Störung in der Bewegungskette
herauszufinden. Erst wenn
diese genau analysiert sind, kann man
therapeutisch am richtigen Hebel
ansetzen.
Welche Fußfehlstellung wird von
den Betroffenen besonders oft
verharmlost?
Dr. Zenta: Dazu gehört z. B. der
Spreizfuß, von dem etwa jede zweite
Frau über 50 Jahren betroffen ist. Bei
einem Spreizfuß ist das kleine Fußgewölbe
infolge eines
fächerförmigen Auseinanderweichens der Mittelfußknochen
im Vorfußbereich durchgetreten
— der Vorfuß verbreitert sich.
Zugleich werden die Mittelfußköpfchen
der zweiten, dritten und vierten Zehe
chronisch überbeansprucht. Sichtbare
Zeichen der unnatürlichen Druckbelastung
sind Schwielen unterhalb
des zweiten und dritten Zehengrundgelenks.
Bleibt ein Spreizfuß unbehandelt,
ebnet er meist den Weg für
andere Fußfehlstellungen, allen voran
ein Hallux valgus, Hammer- oder Krallenzehen.
Was nur wenige wissen: Auch
bestimmte Nerven können Schaden
nehmen und dann ein äußerst unangenehmes
Schmerzsyndrom hervorrufen.
Meinen Sie die Morton Neuralgie?
Dr. Zenta: Genau. Hierbei hat sich
als Reaktion auf die chronisch-mechanische
Druckbelastung eine stecknadelkopfartige
Verdickung (Neurom)
bestimmter Nerven (Plantarnerven)
zwischen den Mittelfußknochen gebildet.
Dadurch kommt es zu stechenden
oder brennenden, oft auch elektrisierenden
Schmerzattacken im Bereich
des dritten und vierten, mitunter auch
des vierten und fünften Zehs. Obwohl
die Morton Neuralgie eine häufige
Komplikation des Spreizfußes ist, wird
sie leider oft übersehen und folglich
auch nicht angemessen behandelt.
Dadurch quält sich manch ein Betroffener
oft unnötig lange mit diesem
belastenden Krankheitsbild.
Woran erkennt man eine Morton
Neuralgie?
Dr. Zenta: Wenn der Schmerz durch
Druck mit einem Finger im Mittelfußbereich
ausgelöst werden kann,
kann dies bereits ein Hinweis auf eine
Morton Neuralgie sein. Für eine Morton
Neuralgie spricht auch, wenn
sich die Beschwerden nach Injektion
eines Lokalanästhetikums zwischen
die betroffenen Mittelfußköpfchen
deutlich bessern. Mithilfe der
bildgebenden Verfahren wie einer
Ultraschall- oder kernspintomographischen
Untersuchung lässt sich
ermitteln, wie groß das Morton-Neurom
ist.
Und wie wird die Erkrankung behandelt?
Dr. Zenta: Oft helfen druckentlastende
Maßnahmen, wie z. B. individuell
angefertigte Schuheinlagen,
um die Beschwerden in den Griff zu
bekommen. Auch mit Injektionen
eines Lokalanästhetikums und/oder
Kortisons in den schmerzenden
Bereich lassen sich gute Erfolge erzielen.
Flammen die Schmerzen jedoch
immer wieder auf, muss das Neurom
operativ entfernt werden. Hierbei
handelt es sich aber um einen unkomplizierten
Eingriff, der in der Regel
nur eine kurze Erholungszeit nach
sich zieht.
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