Wer rechtzeigit handelt, bleibt fußgesund!
(Fortsetzung - Seite 2)

 

Stichwort Hallux valgus — wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Orthopäden aufsuchen?
Dr. Zenta: Je früher, desto besser. Handlungsbedarf besteht aus orthopädischer Sicht spätestens dann, wenn sich erkennen lässt, dass sich die Großzehe nach außen richtet bzw. der Großzehenballen begonnen hat, zur Seite heraus zu treten — auch wenn damit vielleicht noch keine stärkeren Beschwerden oder größeren Einschränkungen bei der Schuhwahl verbunden sind. In diesem Stadium lässt sich die Fehlstellung der Großzehe oft noch mit orthopädischen Einlagen, speziellen Abrollhilfen oder auch Hallux-valgus- Nachtschienen beheben. Zusätzlich verordnen wir häufig eine manuelle Therapie oder Krankengymnastik.

Wann muss operiert werden?
Dr. Zenta: Wenn mit konservativen Maßnahmen keine Beschwerdefreiheit erzielt werden kann bzw. die Fehlstellung bereits stark ausgeprägt ist, ist meist nur noch eine operative Korrektur erfolgversprechend. Dank innovativer Operationstechniken und der Verwendung modernster Materialien kann der Fuß heute in den meisten Fällen so wiederhergestellt werden, dass eine normale Funktion möglich ist und er auch wieder ästhetisch ansprechend aussieht.

Wie gehen Sie bei einer Operation vor?
Dr. Zenta: Es gibt unterschiedliche Operationsmethoden, welche infrage kommt, hängt u. a. vom Grad der Fehlstellung ab. Meist durchtrennen wir den Mittelfußknochen und justieren ihn so, dass das Gelenk erhalten werden kann; außerdem wird die Großzehe wieder geradegestellt. Anschließend werden die beiden Knochenteile verschraubt, und zwar entweder mit Schrauben aus Metall oder, wenn es der Patient wünscht, auch mit Schrauben aus einem bioresorbierbaren Material, das sich nach einigen Monaten von selbst auflöst.

Ist eine besondere Nachbehandlung nötig?
Dr. Zenta: Nein. Es empfiehlt sich aber, im Anschluss an die Operation für etwa vier bis fünf Wochen einen Spezialschuh zu tragen, der verhindert, dass der Vorderfuß belastet wird. Auch rate ich meinen Patientinnen, eine Physiotherapie durchzuführen — dies fördert ebenfalls den Heilungsprozess.

Wann kann man wieder arbeiten?
Dr. Zenta: Wer eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ausübt, kann nach etwa einer Woche wieder arbeiten. Etwas anderes ist es, wenn der Beruf langes Stehen erfordert, dann muss eine achtwöchige Pause eingeplant werden.

Was passiert, wenn ein Hallux valgus zu spät behandelt wird?
Dr. Zenta: Zum einen nimmt die Intensität der Beschwerden zu: Aus Druckbeschwerden, die zunächst vornehmlich bei Belastung oder beim Tragen von festen Schuhen auftreten, können starke Dauerschmerzen werden, sodass es nicht mehr möglich ist, normale Schuhe zu tragen. Zum anderen zieht ein unbehandelter Hallux valgus über kurz oder lang meist weitere krankhafte Veränderungen, wie z. B. Knochenanlagerungen am Köpfchen des ersten Mittelfußknochens, nach sich. Oder es bildet sich ein Schleimbeutel, der dann zu häufigen Entzündungen neigt. Knickt die Großzehe zur Seite hin weiter ab, wird die Platznot für die Nachbarzehen größer, sodass auch sie in Mitleidenschaft gezogen werden. In Kombination mit dem — bereits erwähnten — durchgetretenen Quergewölbe des Spreizfußes werden die Strecksehnen der Zehen zu kurz, und die Zehen heben sich an ihrem Ansatz an. Um mit den Zehenspitzen den Fußbodenkontakt zu halten, krallen sich die zweite, dritte und vierte Zehe regelrecht an den Boden. Nach einigen Jahren verharren die Zehen dann in dieser Stellung und sind gar nicht mehr streckbar — dann spricht man von Hammer- oder Krallenzehen; oft gesellen sich schmerzhafte Hühneraugen hinzu.

Was ist unter einem Hallux rigidus zu verstehen?
Dr. Zenta: Als Hallux rigidus wird eine Arthrose des Großzehengrundgelenks bezeichnet — eine ebenfalls häufige Spätfolge eines nicht oder nicht ausreichend behandelten Hallux valgus. Durch die Arthrose kommt es oft zu einer Einsteifung der großen Zehe, wodurch die natürliche Abrollbewegung des Fußes behindert wird. Die Folgen sind starke Schmerzen und eine zunehmende Bewegungsbeeinträchtigung.

Muss ein Hallux rigidus operiert werden?
Dr. Zenta: Wenn Schmerzen, die Knochenvorsprünge und/oder die Einsteifung zu sehr stören, sollte operiert werden. Oft sind gelenkerhaltende Eingriffe möglich, beispielsweise kann mit einer Kappenprothese die Beweglichkeit des Gelenks erhalten oder wieder verbessert werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die therapeutische Innovation nicht zu lange hinausgezögert wird.

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