Gesunde Füße: Fußfit durch den Winter

Möglichst oft barfuß zu laufen ist aus Sicht des Fußorthopäden eine vernünftige Sache. Im Sommer ist das auch leicht zu bewerkstelligen. Im Winter dagegen stecken unsere Füße oft den ganzen Tag in engem Schuhwerk. Und längst nicht jeder Winterstiefel, der warm hält und vor Schnee schützt, passt perfekt und gibt dem Fuß den nötigen Halt. Keine sehr günstigen Bedingungen für unsere Füße — insbesondere, wenn bereits Probleme wie andauernde Druckstellen oder gar »Ballenzehen « bestehen. TOPFIT fragte den Münchner Orthopäden Dr. med. Steffen Zenta nach Tipps für die richtige Fußpflege im Winter.

Herr Dr. Zenta, wer unter Fußproblemen leidet, tut sich oft schwer, die passenden Winterschuhe zu finden. Was empfehlen Sie in diesen Fällen?

Dr. Zenta: Winterschuhe müssen gut passen, d.h. sie sollten weder zu eng noch zu weit, weder zu spitz noch zu hochhackig sein. Das Material sollte atmungsaktiv und geschmeidig sein — soweit die Theorie. In der Praxis ist dies natürlich auch eine Frage der Mode, und da möchten viele verständlicherweise ungern Kompromisse machen. Eine Lösung können orthopädische Einlagen sein, die den speziellen Erfordernissen des Fußes angepasst sind. Auf diese Weise können Fehlbelastungen oder leichte Fuß- bzw. Zehenfehlstellungen gut ausgeglichen werden. Im MVZ im HELIOS setzen wir für die Anfertigung von individuellen Fußbettungseinlagen die elektronische Fußdruckmessung ein. Diese liefert uns exakte Daten, etwa zum Abrollverhalten oder den einzelnen Überlastungszonen der Füße. So können auch problemlos zwei unterschiedliche Einlagen gefertigt werden, denn es ist eher selten der Fall, dass beide Füße gleichzeitig von ein und demselben Problem betroffen sind. Übrigens leisten individuell angepasste Einlagen den Füßen auch in Skistiefeln gute Dienste, denn sie gewährleisten, dass die Füße perfekt stehen und den optimalen Halt haben. Eine Alternative sind individuell ausgeschäumte Innenstiefel.

Helfen Einlagen auch, wenn ein »Hallux valgus« besteht?

Dr. Zenta: Ist die Fehlbildung nur leicht ausgeprägt, können orthopädische Einlagen, aber auch spezielle Abrollhilfen, eine manuelle Therapie und Fußgymnastik eine Verschlechterung des Hallux valgus aufhalten. Wenn die Fehlstellung der Großzehe allerdings schon so weit fortgeschritten ist, dass starke Schmerzen bestehen, ist meist nur noch eine operative Korrektur erfolgversprechend. Dank innovativer Operationstechniken und Materialien ist dieser Eingriff jedoch viel unproblematischer als früher; auch kann der Fuß bereits nach wenigen Wochen wieder voll belastet werden.

Wann sollte der Orthopäde aufgesucht werden?

Dr. Zenta: Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen beim Gehen oder Stehen sind immer ein Alarmsignal und sollten grundsätzlich orthopädisch abgeklärt werden. Dies ist auch nötig, wenn den Beschwerden eine Verletzung vorausgegangen ist oder sich die Fuß- bzw. Zehenform verändert hat. Keinesfalls sollte man damit warten, bis sich Beschwerden einstellen . Je früher Fuß- oder Zehenfehlstellungen, Sprunggelenk-, Sehnen- oder Bänderprobleme erkannt und angemessen behandelt werden, desto größer ist die Chance, bleibende Spätschäden bzw. eine operative Intervention zu vermeiden.

Wie sollte die tägliche Fußpflege im Winter aussehen?

Dr. Zenta: Im Winter neigt die Haut an den Füßen zu Trockenheit. Deshalb sollte man die Füße täglich morgens und abends mit einer fetthaltigen Creme eincremen. Hornhautschwielen an den Fersen werden regelmäßig vorsichtig mit einer Hornhautfeile weggerubbelt. Kleinere Hühneraugen können mit hornerweichenden salicylsäurehaltigen Lösungen, Salben oder Pflaster aus der Apotheke behandelt werden. Verursachen ausgeprägte Hühneraugen starke Schmerzen, sollte man zur medizinischen Fußpflege gehen. Wichtig ist, nach erfolgreicher Behandlung die eigentliche Ursache des Hühnerauges zu beseitigen und für eine konsequente Druckentlastung im Schuh zu sorgen — sonst kommt das Hühnerauge immer wieder.