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Neuheit bei der Behandlung von grauem Star
Intraokularlinse mit Blaulichtfilter
Derzeit ist die Implantation der ersten Intraokularlinse mit Blaulichtfilter nur einem kleinen Kreis namhafter Augenärzte vorbehalten. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass sie den Erwartungen der Fachwelt in jeder Hinsicht gerecht wird. Denn mit ihr ist es erstmals möglich, den Augen nach einer Kataraktoperation bestmöglichen Schutz vor dem schädlichen Blauen Licht zu gewähren — und dies ohne die Qualität des Seheindrucks zu verändern.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Über seine Erfahrungen mit der neuen Blaulichtfilterlinse sprach topfit mit dem renommierten Münchner Augenarzt Dr. Tobias Neuhann, der Implantationen der neuen Kunstlinse seit März 2003 durchführt.
Herr Dr. Neuhann, wann raten Sie einem Patienten, der an grauem Star leidet, zu einer Operation?
Dr. Neuhann: Spätestens wenn das Sehvermögen infolge der Eintrübung der Augenlinse so stark vermindert ist, dass sich der Betroffene in den Aktivitäten des täglichen Lebens eingeschränkt fühlt, sollte eine Kataraktoperation nicht länger hinausgezögert werden. Bei diesem Eingriff wird zunächst die natürliche Linse des Auges entfernt und durch eine kleine, faltbare lntraokularlinse ersetzt. Die Operation wird in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist ein sicheres, komplikationsarmes Verfahren. Die meisten meiner Patienten, bei denen eine solche Star-Operation durchgeführt wurde, sind mit dem Ergebnis hochzufrieden: Ihr Sehvermögen hat sich oft stärker verbessert, als sie es erwartet hatten. Auch die für den grauen Star charakteristische Lichtempfindlichkeit verringert sich. Die künstliche Linse wird im Allgemeinen sehr gut vertragen und verursacht keinerlei Fremdkörpergefühl.
Im März 2003 haben Sie in Ihrer Augenklinik erstmals eine Intraokularlinse mit Blaulichtfilter zur Behandlung des grauen Stars implantiert. Hat Sie die neue Intraokularlinse überzeugt?
Dr. Neuhann: Auf jeden Fall. Tatsächlich ist die neue Blaulichtfilterlinse die erste Kunstlinse, die nicht nur eine optimale Sehqualität, sondern endlich auch einen ausreichenden Schutz für die Netzhaut gewährt. Vor allem Letzteres war und ist mit den bislang verwendeten Kunstlinsen, die nur über einen UV-Filter verfügen, nicht gewährleistet. Gerade hier war eine Kurskorrektur bei der Behandlung des grauen Stars dringend notwendig. Denn inzwischen legen verschiedene Langzeitstudien den erschreckenden Schluss nahe, dass unter bestimmten Umständen eine Kataraktoperation der so genannten Makuladegeneration Vorschub leistet. Dieser Erkrankung, die einen Verlust der zentralen Sehschärfe des Auges zur Folge hat und nur schwer zu therapieren ist, kann nun mit dem Einsatz der Blaulichtfilterlinse vorgebeugt werden.
Können Sie dies genauer erklären?
Dr. Neuhann: Netzhaut und Makula, also der Punkt des schärfsten Sehens, der sich in einem kleinen Netzhautareal in der Mitte des Augenhintergrunds befindet und auch »gelber Fleck« genannt wird, können durch ungefilterte Lichtstrahlen und, wie Studien belegen, insbesondere durch das energiereiche Blaue Licht irreparabel geschädigt werden. Normalerweise verfügen die Augen selbst über Schutzmechanismen gegen das Blaue Licht. So entwickelt beispielsweise die Linse während des Alterungsprozesses eine gelbliche Färbung, mit deren Hilfe sie vermehrt Blaues Licht absorbiert und es so von der Netzhaut fernhält. Ist nun der graue Star so weit fortgeschritten, dass die Augenlinse operativ entfernt werden muss, geht dabei leider dieser natürliche Schutzfilter verloren. Netzhaut und Makula sind nun dem schädlichen Einfluss des Blauen Lichts schutzlos ausgeliefert. Genau hier setzt die neue Kunstlinse an: Der Blaulichtfilter reduziert den Anteil des Blauen Lichts und übernimmt damit die Schutzfunktion des natürlichen Blaulichtfilters der Linse für die Netzhaut.
Beeinträchtigt der Blaulichtfilter nicht die Sehqualität?
Dr. Neuhann: Nein, die Oualität des Seheindrucks wird durch eine Blaulichtfilterlinse nicht beeinträchtigt. Auch in diesem Punkt ist die neue Kunstlinse der bisher verwendeten überlegen. Einige meiner Star-Patienten berichteten, dass sie vor allem in den ersten Wochen nach Implantation der herkömmlichen UV-Filter-Kunstlinse mit einem Blaustich gesehen hätten; andere empfanden Farben generell als besonders intensiv. Derartige Effekte sind mit der neuen Blaulichtfilterlinse nicht zu erwarten.
Ist die neue Blaulichtfilterlinse also schon bald die Standardintraokularlinse von morgen?
Dr. Neuhann: Ich würde dies begrüßen. Immerhin ist es mit der neuen lntraokularlinse dank ihrer hervorragenden Lichtfiltereigenschaften möglich, nicht nur den grauen Star wirksam zu behandeln, sondern gleichzeitig einer Makuladegeneration - und vermutlich auch noch anderen irreparablen Netzhautschädigungen - vorzubeugen. |
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Als grauer Star (Katarakt)wird die Eintrübung der ursprünglich klaren Augenlinse bezeichnet. Dies ist oft Folge des natürlichen Alterungsprozesses, wobei die Linsentrübung häufig nach dem 60. Lebensjahr auftritt. Zudem kann der graue Star angeboren, die Folge einer Stoffwechselerkrankung (z. B. Diabetes) oder einer äuf3eren Einwirkung sein. Meist verläuft der Verlust der Sehschärfe schleichend über Monate und Jahre hinweg. Der Betroffene hat das Gefühl, durch einen Schleier oder Nebel zu sehen, der mit der Zeit immer dichter wird. Damit einher geht eine zunehmende Lichtempfindlichkeit. Ohne Operation sinkt die Sehkraft, bis nur noch ein Hell-Dunkel-Unterschied wahrgenommen werden.

Dr. med. Tobias Neuhann praktiziert in einer augenärztlichen Gemeinschaftspraxis in der Münchner Innenstadt und ist zudem Ärztlicher Direktor der Augenklinik am Marienplatz, zu der auch ein Augenlaserzentrum gehört. Aufgrund seiner Pioniertätigkeit insbesondere auf dem Gebiet der implantierbaren Kontaktlinse (ICL) genießt Dr. Neuhann internationale Anerkennung. So implantierte er die ICL 1995 als erster deutscher Augenchirurg in München; vier Jahre später gelang ihm die Implantation der weltweit ersten torischen implantierbaren Kontaktlinse. Derzeit arbeitet er an verschiedenen Forschungsprojekten zur Weiterentwicklung refraktiv-chirurgischer verfahren. Darüber hinaus diagnostiziert und behandelt Dr. Neuhann alle Erkrankungen des Auges.
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