Herzinsuffizienz
So stärken Sie Ihr geschwächtes Herz


Ist das Herz nicht mehr in der Lage, Muskeln, Organe und Gehirn mit genügend Blut und damit mit Sauerstoff zu versorgen, liegt eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) vor. Hiervon sind vor allem Menschen im Seniorenalter betroffen: Mehr als zwei Millionen Deutsche über 70 Jahre haben ein schwaches Herz. Ihnen kann mit Medikamenten und einer moderaten Änderung der Lebensweise geholfen werden.

Von Dr. Nina Schreiber

Bluthochdruck gehört zu den wichtigsten Ursachen für eine Herzschwäche: Durch den permanent erhöhten Druck wird das Herz chronisch überfordert, sodass seine Pumpleistung irgendwann nachlässt. Umso wichtiger ist es, einen Bluthochdruck – und andere Risikofaktoren wie eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder eine Herzrhythmusstörung – frühzeitig zu behandeln, damit es gar nicht erst zu einer krankhaften Schwächung des Herzens kommt.

Manchmal lässt die Herzleistung auch durch ein akutes Ereignis nach, beispielsweise nach einem Herzinfarkt oder als Folge von ausgeprägten Herzrhythmusstörungen, einer Herzmuskelentzündung oder eines
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Typische Anzeichen
Fast alle Herzschwäche-Patienten spüren ihre Krankheit zunächst durch Atemnot und eine rasch einsetzende Erschöpfung. Je weiter die Krankheit fortgeschritten ist, desto früher setzen die Beschwerden bei körperlicher Anstrengung und Bewegung ein. Oft kommen weitere Alarmzeichen wie Herzrhythmusstörungen, nächtliches Wasserlassen oder Atemgeräusche hinzu. Wassereinlagerungen in den Beinen (vor allem im Fußrücken und im Knöchelbereich) entstehen, wenn sich das Blut, das von den Organen zum Herzen zurückströmt, vor dem Herzen staut, weil es nicht mehr schnell genug weiterbefördert wird. Schweregrade und Kombinationen der verschiedenen Symptome können dem Arzt oft einen Hinweis geben, welche Bereiche des Herzens geschwächt sind: ob mehr die linke oder die rechte Hälfte des Herzens oder vielleicht sogar das gesamte Herz betroffen ist.

Auch die Grunderkrankung muss behandelt werden!
Lautet die Diagnose »Herzschwäche «, wird der Arzt höchstwahrscheinlich Medikamente verordnen, die das Herz stärken und entlasten. Welche Arzneimittel in welcher Dosierung infrage kommen, richtet sich nach Art und Schwere der Herzschwäche. Klassische Herzschwächemittel sind Wirkstoffe, die die Blutgefäße erweitern (ACE-Hemmer) und Wassereinlagerungen aus dem Körper schwemmen (Diuretika), um so Herz und Gefäße zu entlasten. Weitere häufig verordnete Präparate sind Digitalisglykoside, die die Leistungskraft des Herzens verbessern, und Betablocker zur Senkung der Herzfrequenz. Eventuell wird für den Notfall (z. B. plötzlich starke Atemnot, schwere, rasselnde Atmung, Druck in der Brust) noch ein Nitrospray verordnet. Wichtig ist, dass die Grunderkrankung ebenfalls bei der Behandlung berücksichtigt wird. Eine möglichst normnahe Einstellung eines erhöhten Blutdrucks und eine angemessene Behandlung von verengten Herzkranzgefäßen oder von geschädigten Herzklappen sind wichtige Voraussetzungen, um ein Fortschreiten der Herzschwäche zu verhindern.

Was können Sie selbst tun?
Wichtig ist eine regelmäßige Selbstkontrolle. Neigen Ihre Beine dazu anzuschwellen? Fühlen Sie sich müde und abgeschlagen? Haben Sie innerhalb weniger Tage deutlich zugenommen? Am besten schreiben Sie Ihre Beobachtungen regelmäßig auf – dies erleichtert Ihnen auch das Gespräch mit Ihrem Arzt.
• Gewichtskontrolle
Wiegen Sie sich täglich. Wenn Sie innerhalb einiger Tage mehr als ein bis zwei Kilo zunehmen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Plötzliche Gewichtszunahme kann ein Zeichen für eine vermehrte Wassereinlagerung sein.
• Trinken
Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie viel Sie pro Tag trinken sollten. Normalerweise sind ein bis zwei Liter täglich in Ordnung. Die angemessene Menge ist jedoch von Ihrer Situation und dem Schweregrad Ihrer Herzschwäche abhängig.
• Salz reduzieren
Essen Sie weniger Salz. Salz bindet Wasser im Körper, und Ihr Herz muss dann mehr Arbeit leisten.
• Kein Nikotin, wenig Alkohol
Hören Sie auf zu rauchen und schränken Sie Ihren Alkoholkonsum ein!
• Übergewicht abbauen
Übergewicht stellt eine zusätzliche, aber vermeidbare Belastung für Ihr Herz dar. Deshalb: Versuchen Sie, bei Übergewicht die überflüssigen Pfunde durch eine kalorien- und fettarme Ernährung abzubauen.
• Moderater Sport
Früher war Sport bei Herzschwäche verboten, mittlerweile haben Studien gezeigt, dass eine moderate körperliche Belastung, z. B. in einer Herzsportgruppe, Ihr Herz auf Dauer entlastet. Empfehlenswert sind Sportarten, die keinen großen Kraftaufwand erfordern, sondern sanft die Ausdauer fördern, etwa Spazieren gehen, Wandern, Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren. Wer sich gern in der Gruppe körperlich betätigt, sollte sich einer Herzsportgruppe anschließen. Sprechen Sie Ihre sportlichen Pläne jedoch unbedingt mit Ihrem Arzt ab, bevor Sie loslegen.

Gartenarbeit — so effektiv wie Ausdauertraining
Die Arbeit im eigenen Heim (z. B. Staubsaugen, Kehren, Geschirr spülen) oder im Garten (Rasenmähen, Unkraut entfernen, Blumenbeet bepflanzen) bringt besonders viel Bewegung in Ihren Alltag. Beispielsweise werden Kreislauf und Muskeln durch ausgiebiges Staubsaugen oder durch Gartenarbeit ähnlich stark beansprucht wie während der Ausübung einer Ausdauersportart! Hier gilt allerdings, sich nicht zu überanstrengen, sondern stets angemessene Pausen einzuplanen, wenn Sie spüren, dass es zu viel wird.

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NYHA-Klassifikation

Die »New York Heart Association
« (NYHA), eine Gesellschaft, die sich mit Herzkrankheiten befasst, hat die auch hierzulande üblicherweise
verwendete Stadieneinteilung
entwickelt.

Stadium I:
Keine Beschwerden bei normaler Belastung
Stadium II:
Leichte Beschwerden bei normaler Belastung, Leistungsminderung
Stadium III:
Erhebliche Leistungsminderung
bei gewöhnlicher Belastung
Stadium IV:
Luftnot in Ruhe

Bewegen können Sie sich überall!

Nicht jedem gelingt es, ein moderates Ausdauertraining konsequent Woche für Woche umzusetzen. Umso wichtiger ist es, zu versuchen, den Alltag so aktiv wie möglich zu gestalten: Wenn Sie es schaffen, sich jeden Tag ein bisschen mehr zu bewegen, tragen Sie bereits viel dazu bei, Ihre Erkrankung auch langfristig gut unter Kontrolle zu halten.

Jede Form von alltäglicher Bewegung hilft, Fettpolster abzubauen, das Muskel- und Skelettsystem zu stärken oder den Verlauf einer Herz-Kreislauf- Erkrankung günstig zu beeinflussen. Moderate Bewegung, die Spaß macht, kann schon viel bewirken!

Tatsächlich bietet Ihnen der Alltag viele Gelegenheiten, Ihre Muskeln zum Arbeiten zu bringen — und dies, ohne dass Sie sich groß anstrengen oder sehr viel Zeit dafür einplanen zu müssen. Das ausgiebige Strecken und Recken am Morgen kurz vor dem Aufstehen, der 15-minütige Verdauungsspaziergang nach dem Mittag- und/oder Abendessen oder das Kniewippen während des abendlichen Zähneputzens sind bereits erste Schritte hin zu mehr Bewegung im Alltag. Und es gibt noch viele andere Möglichkeiten, mehr Aktivität in Ihr Leben zu bringen.

Beispielsweise können Sie ab sofort…...

...den Tag mit einigen Kniebeugen, Yoga oder leichten gymnastischen Übungen kurz nach dem Aufstehen beginnen.
...statt mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu Fuß oder mit dem Fahrrad Ihre Arbeitsstelle erreichen.
...Ihre Besorgungen am Ort zu Fuß oder mit dem Rad erledigen.
...grundsätzlich über die Treppe in obere Stockwerke gelangen, anstatt den Fahrstuhl zu benutzen.
...in der Freizeit kleinere Wanderungen oder Ausflüge zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad unternehmen.
...am Abend Ihre Lieblingsmusik einschalten und dazu im Takt Ihre Beine und/oder Arme bewegen. Noch effektiver ist es, wenn Sie gleich ein Tänzchen wagen.

Mit täglich 1000 Schritten in ein herzgesünderes Leben


Versuchen Sie es doch einmal so: Gehen Sie 1000 Schritte am Tag und das am besten an der frischen Luft. Wenn Sie es schaffen, das zu Ihrer festen Gewohnheit zu machen, haben Sie bereits eine Menge Bewegung in Ihr Leben gebracht. 1000 Schritte sind gar nicht so viel, wie Sie denken: Wenn Sie zügig gehen, brauchen Sie höchstens 20 vielleicht auch nur 15 Minuten dafür pro Tag einzuplanen. Am Anfang werden Sie vielleicht mitzählen müssen — irgendwann wird Ihnen die magische Zahl 1000 dann in Fleisch und Blut übergegangen sein.