Instabile Wirbelsäule
dynamische Stabilisierung statt Versteifung


Anhaltende Schmerzen infolge einer Instabilität von Bewegungssegmenten der Lendenwirbelsäule zogen bis vor Kurzem oft eine Versteifungsoperation nach sich. Innovative dynamische Stabilisierungsimplantate machen es mittlerweile möglich, den Patienten nicht nur dauerhaft von seinen Schmerzen zu befreien, sondern ihm auch seine Bewegungsfreiheit wiederzugeben. Im Gespräch mit TOPFIT erläutert der Münchner Facharzt für Orthopädie Dr. med. Felix Söller die operative Vorgehensweise und für wen die neue Therapieform besonders geeignet ist.

von Dr. Nicole Schaenzler

Herr Dr. Söller, wann kommt eine dynamische Stabilisierung der Lendenwirbelsäule infrage?
Dr. Söller: Der Einsatz eines dynamischen Stabilisationssystems ist immer dann eine Option, wenn Wirbelsäulensegmente aufgrund von ausgeprägten Verschleißerscheinungen der Bandscheiben und/oder der kleinen Wirbelgelenke instabil geworden sind. Lassen sich die dadurch hervorgerufenen Beschwerden mit konservativen Maßnahmen nicht mehr beherrschen, müssen die überbeweglichen Wirbelsegmente
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operativ stabilisiert werden. Dies geschieht bislang mithilfe eines Schrauben-Stab-Systems, durch das die Wirbelkörper fest miteinander verbunden werden. Oft wird zusätzlich die Bandscheibe des betroffenen Bewegungssegments entfernt und durch einen Platzhalter ersetzt. In den folgenden Monaten verwachsen die stabilisierten Strukturen miteinander — sie versteifen.

Sie beschreiben die konventionelle Versteifungsoperation...
Dr. Söller: ... genau. Dieses Verfahren ist insofern erfolgreich, als die Betroffenen in den meisten Fällen von ihren Schmerzen befreit werden. Hierfür muss der Patient allerdings in Kauf nehmen, dass die Beweglichkeit des betroffenen Wirbelsegments unwiderruflich eingeschränkt ist. Mit der Implantation eines dynamischen Stabilisationssystems erreichen wir die gleiche therapeutische Wirkung, jedoch ohne versteifen zu müssen. Die Beweglichkeit bleibt also erhalten. Hinzu kommt: Oft ist der Therapieerfolg der konventionellen Versteifungsoperation nicht von Dauer. Da die natürliche Beweglichkeit der versteiften Segmente ja nun unterbunden ist, sind die benachbarten Segmente einer erhöhten Belastung ausgesetzt. Dadurch nutzen sie sich vorzeitig ab und verursachen dann ihrerseits Schmerzen. Dagegen ermöglichen uns die neuen dynamischen Implantate, geschädigte Wirbelsegmente zu stabilisieren, ohne ihnen ihre komplette Beweglichkeit zu nehmen. So wird vermieden, dass die Nachbarsegmente in Mitleidenschaft gezogen werden. Gleichzeitig wird die Wirbelsäule wieder in eine funktionelle Anatomie gebracht, die dem gesunden Zustand näher kommt als bei allen bisher bekannten Systemen.

Wie wird dieser Effekt erreicht?
Dr. Söller: Der innovative Effekt basiert auf einem ausgeklügelten Zusammenspiel von festen und flexiblen Funktionselementen. Die Stabilität wird durch »feste« Schrauben aus gewebefreundlichem Titan gewährleistet. Diese werden unter Röntgenkontrolle über und unterhalb des degenerativ veränderten Wirbelsegments neben den Wirbelgelenken platziert. Nun werden die Schrauben mit einer ausgefeilten und haltbaren Spezialfeder zusammengefügt. Dadurch können wir die Spannung individuell variieren. Dies erlaubt uns eine genau auf die anatomischen Gegebenheiten abgestimmte Stabilisierung und gleichzeitig die Wiederherstellung einer weitgehend normalen mechanischen Funktion. Für das neue System spricht auch, dass es perkutan über kleine Hautschnitte implantiert werden kann — im Gegensatz zur konventionellen Versteifungsoperation, die immer eine Eröffnung des Spinalkanals notwendig macht. Der perkutane Zugang hat den großen Vorteil, dass Muskeln, Blutgefäße und Nerven kaum in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir können also besonders gewebeschonend und risikoarm vorgehen. Der Heilungsprozess verläuft wesentlich rascher, die Komplikationsrate ist deutlich geringer: Bereits wenige Tage nach dem Eingriff kann der Patient wieder uneingeschränkt seine Alltagsbewegungen ausführen.

Lässt sich auf diese Weise auch Wirbelgleiten gut behandeln?
Dr. Söller: Auf jeden Fall. Anhaltende Schmerzen und/oder neurologische Symptome infolge eines Wirbelgleitens — früher klassische Indikationen für eine Versteifungsoperation — können mit dem dynamischen Stabilisierungssystem oft erfolgreich behoben werden. Ebenso profitieren Patienten, die unter Beschwerden nach einer Bandscheibenoperation leiden. Ob die operative Stabilisierung im Einzelfall die Methode der Wahl ist, hängt jedoch von den Ergebnissen einer ausführlichen Anamnese und umfangreichen Untersuchung ab.

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Der behandelnde Arzt

Dr. Söller

Dr. med. Felix Söller ist als Facharzt für Orthopädie im MVZ im Helios tätig. Zu seinen Behandlungsschwerpunkten gehören neben minimal-invasiven Wirbelsäuleninterventionen auch die operative Behandlung von Schultererkrankungen sowie Knie- und Vorfußoperationen.

Pluspunkte des MVZ im Helios
• Qualitätsgesicherte Präventionskonzepte helfen dabei, orthopädische Erkrankungsrisiken zu erkennen, um die Entstehung von Krankheiten zu verhindern, hinauszuzögern oder abzuschwächen.
• Zur umfassenden Diagnostik gehören eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte, die sorgfältige körperliche Untersuchung und der Einsatz hochwertiger, innovativer Medizintechnik.
• Gut abgestimmte diagnostisch-therapeutische Vorgehensweisen ermöglichen den Ärzten ein effizientes Arbeiten auf hohem wissenschaftlichen Niveau (evidenzbasierte Medizin). Aus Patientensicht sind die komfortablen Abläufe mit geringen Wartezeiten wichtig, bei denen unnötige Doppeluntersuchungen von Praxis und Klinik entfallen.
• Eine ganzheitliche Sichtweise der Patientenprobleme ermöglicht es, akute Beschwerden mit Augenmaß zu behandeln, ohne die langfristigen Therapieergebnisse aus dem Auge zu verlieren.

Nähere Informationen unter:
www.mvz-im-helios.de