Kernspintomographie auf dem Vormarsch -
Neue Einblicke in den Menschen


Sie liefert schärfste Bilder vom Innenleben des Menschen und hat der Medizin völlig neue Dimensionen eröffnet: Mit der Magnetresonanztomographie (MRT) bzw. Kernspintomographie ist es heute möglich, nahezu alle Körperregionen ohne belastende Röntgenstrahlen und scharfe Skalpelle mit einer bislang unerreichten Deutlichkeit darzustellen. Jetzt wurde die Erforschung des Verfahrens mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt - doch geht die Fachwelt davon aus, dass die Möglichkeiten der MRT noch längst nicht ausgereizt sind.

von Dr. Nicole Schaenzler

Obwohl die wichtigsten Voraussetzungen für die diagnostische Nutzung der Magnetresonanztomographie (MRT) bereits in den 1970er Jahren geschaffen wurden, wurden die Wegbereiter dieser bahnbrechenden Technik, der US-Amerikaner Paul Lauterbur und sein britischer Kollege Sir Peter Mansfield, erst in diesem Jahr mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Dabei würdigte die Jury die Magnetresonanztomographie als ein Verfahren, das anderen Abbildungstechniken, etwa dem Röntgenbild oder der Computertomographie, häufig überlegen sei und die Diagnostik bei zahlreichen Krankheiten stark verbessert habe.

Schichtaufnahmen des Körperinneren
Tatsächlich hat die Magnetresonanztomographie bzw. Kernspintomographie, wie das Verfahren hierzulande auch genannt wird, seit ihrem ersten klinischen Einsatz 1981 zahlreiche beschwerliche und risikoreiche Untersuchungsmethoden, die mitunter sogar einen stationären Aufenthalt erforderlich machten, ersetzt. Und: Einige Erkrankungen können mithilfe der MRT nun so frühzeitig erkannt werden, dass sich auch die Therapieaussichten deutlich verbessert haben.
Die Magnetresonanztomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das unterschiedliche Schichtaufnahmen von nahezu allen Körperregionen liefern kann. Am Computer kann der Radiologe dann aus den Bildsequenzen dreidimensionale Aufnahmen zusammensetzen, so dass er die Gewebe und Organe von allen Seiten aus beurteilen kann. Ebenso lassen sich mithilfe der Kernspintomographie unterschiedliche Weichteilgewebe, beispielsweise Binde-, Muskel- oder Nervengewebe, mit bislang unerreichter Deutlichkeit darstellen und voneinander abgrenzen. Aber auch flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, etwa Herz, Blutgefäße, Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang, können ohne Kontrastmittel hervorragend abgebildet und begutachtet werden. Und schließlich ermöglicht die modernste Gerätegeneration die Darstellung von Organen und Geweben in ihrer Bewegung, was vor allem zur Beurteilung der Gelenkfunktion von großer Bedeutung ist.

Keinerlei Strahlenbelastung

Die Magnetresonanztomographie macht sich die Prinzipien der kernmagnetischen Resonanz zunutze. Anders als etwa bei der Computertomographie werden zur Erzeugung der Bilder keine Röntgenstrahlen eingesetzt, sondern starke Magnetfelder und Radiowellen. Deshalb ist der Patient während der kernspintomographischen Untersuchung auch keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. Es werden, vereinfacht ausgedrückt, diejenigen Signale gemessen und zu einem Bild zusammengesetzt, die Atomkerne im Körper aussenden, wenn sie sich in einem starken Magnetfeld befinden und zusätzlich durch einen hochfrequenten Impuls angeregt wurden.

Schonend und risikoarm

Kaum eine andere diagnostische Methode gilt als so sicher, schonend und risikoarm wie die Magnetresonanztomographie: Bislang sind noch keine schädlichen (Nach- bzw. Neben-)Wirkungen bei der Untersuchung am Menschen beobachtet worden.
Als einzige Einschränkung gilt: Patienten mit einem Herzschrittmacher oder mit einigen älteren künstlichen Herzklappen dürfen keiner kernspintomographischen Untersuchung unterzogen werden. Gleiches gilt für eingepflanzte automatische Defibrillatoren, implantierte Medikamentenpumpen oder bestimmte Metallimplantate, beispielsweise Nägel oder Drähte in Knochen und Gelenken. Generell sollte man keine metallischen Gegenstände (z.B. Schmuck) und magnetische Datenträger (z.B. Kreditkarten) mit in den Untersuchungsraum nehmen.

Hauptanwendungsgebiete der MRT
Derzeit ist die Magnetresonanztomographie das Diagnoseverfahren der Wahl bei sämtlichen Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks. Zudem hat sich dieses bildgebende Verfahren zur Untersuchung von krankhaften Veränderungen der Wirbelsäule und Gelenke sowie der knochennahen Weichteile, etwa von Meniskus-, Kreuzband- oder Seitenbandverletzungen, Knorpel- und Muskelschäden, bewährt. Daneben können aber auch die inneren Organe wie Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Darm, Milz, Nieren und Nebennieren, Gebärmutter, Eierstöcke, Prostata (Vorsteherdrüse) und Harnblase sowie sämtliche Gefäße, etwa die Schlagadern, Blut- oder Herzkranzgefäße, kernspintomographisch untersucht werden.

Das Interview zum Thema

Herr Dr. Risch, welche kernspintomographischen Untersuchungen werden besonders häufig durchgeführt?
Dr. Risch: Generell
kann man sagen, dass überall dort, wo hohe Weichteilkontraste für die Diagnose wichtig sind, die Magnetresonanztomographie anderen bildgebenden Verfahren überlegen ist. Deshalb ist die MRT inzwischen bei vielen diagnostischen Fragestellungen unverzichtbar, so z.B. wenn es darum geht, eine Krebserkrankung oder Metastasen in einem Organ abzuklären, eine Verengung der Halsschlagader oder einer Nierenarterie aufzuspüren. Weitere Beispiele wären: Multiple Sklerose im Frühstadium zu erkennen, eine degenerative Gelenkerkrankung zu diagnostizieren oder herauszufinden, ob Rückenschmerzen durch ein Muskelproblem oder durch einen Bandscheibenvorfall verursacht werden. Mit unseren hochmodernen Geräten ist es sogar möglich, Endometrioseherde am oder im Darm sowie an anderen Stellen des weiblichen Beckenraums zu erkennen. Die dreidimensionale Zusammensetzung der erzeugten Schnittbilder am Computer erlaubt eine Begutachtung des betroffenen Organs, Gewebes oder Gefäßes von allen Seiten und in allen Ebenen, so dass der erfahrene Radiologe dann die exakte Diagnose stellen kann.
Eignet sich die Kernspintomoqraphie auch zur Untersuchung des Herzens?
Dr. Risch:
Natürlich. Als schonendes Verfahren hat die Kernspintomographie das Spektrum bei der Diagnostik von Herzerkrankungen sogar erheblich erweitert. Ohne jegliche Strahlenbelastung und völlig schmerzlos können mithilfe von modernen Hochleistungs-Kernspintomographen Aufnahmen von jeder Ebene des Herzens angefertigt und zu dreidimensionalen Bildern zusammengesetzt werden. Auf diese Weise erhalten wir detailliert Auskunft über die Größe des Herzens, alle Herzinnenräume, die Dicke der Herzwände, die Struktur und Funktion der Herzklappen, die Durchblutung des Herzmuskels und die Leistungsfähigkeit des Herzens.
Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff “MRCP”?
Dr. Risch:
Hierbei handelt es sich um die kernspintomographische Untersuchung von Gallenwegen, Bauchspeicheldrüsengang und Leber. Bislang war die Diagnostik von krankhaften Veränderungen der Gallenwege und des Bauchspeicheldrüsengangs eine Domäne der ERCP (=endoskopische retrogade Cholangio Pankreaatikographie), bei der die Untersuchung der Ausführungsgangsysteme der Leber mittels eines Endoskops erfolgt. Mithilfe der MRCP steht nun ein schonendes, nicht invasives Verfahren zur Verfügung, mit der z.B. Gallenstauungen infolge eines Gallensteins oder Gallenblasentumors schonend und sicher diagnostiziert werden können.
Stichwort “Krebs”. Oft bringt ja erst eine kernspintomographische Untersuchung Klarheit, ob ein Organ von einem Tumor betroffen ist...
Dr. Risch:
... ja, inzwischen wird eine MRT sehr häufig bei Verdacht auf eine bösartige Tumorerkrankung, beispielsweise der weiblichen Beckenorgane duchgeführt. Wertvolle Dienste leistet die Kernspintomographie auch als Krebsvorsorgeuntersuchung bei der Prostata. Die Methode ist derzeit jedem anderen Verfahren zur Früherkennung von Prostatakrebs überlegen, weil mit ihr schon kleinste Veränderungen der Gewebestruktur sicher erkannt und beurteilt werden können. Zudem ist sie sehr viel angenehmer als eine “manuelle” Prostatauntersuchung. Ein anderes Beispiel ist die so genannte Mamma-MRT, die ebenfalls sehr gute diagnostische Ergebnisse liefert und ergänzend zur Mammographie der weiblichen Brust eingesetzt werden kann. Gerade dann, wenn kein eindeutiger Befund vorliegt, kann diese Untersuchung therapieentscheidend sein.
Warum ist bei einigen MRT-Untersuchungen der Einsatz von Kontrastmittel erforderlich?
Dr. Risch:
Der Einsatz eines Kontrastmitteis ist immer dann notwendig, wenn sehr ähnliche Körpergewebe, z. B. Muskeln und Blutgefäße, voneinander abgegrenzt werden müssen. Ebenso ist ein Kontrastmittel hilfreich, wenn es darum geht, Tumoren oder Entzündungsherde zu untersuchen. Hier kann das Kontrastmittel wesentliche Zusatzinformationen liefern, da sich in krankem Gewebe Kontrastmittel häufig anders verhalten als im umgebenden gesunden Gewebe. Im Übrigen ist dieses Kontrastmittel nicht radioaktiv, im Allgemeinen gut verträglich und nahezu nebenwirkungsfrei. Innerhalb weniger Stunden wird es mit dem Urin wieder vollständig aus dem Körper ausgeschieden.
Wie wird eine kernspintomographische Untersuchung durchgeführt?
Dr. Risch: Während der meisten kernspintomographischen Untersuchungen liegt der Patient auf dem Rücken auf einer Liege, die in das röhrenförmige Gerät hineingefahren wird. Dabei sollte man möglichst ruhig liegen und sich kaum bewegen, um eine gute Bildqualität zu erhalten. Aus diesem Grund bitten wir den Patienten bei einigen Untersuchungen immer wieder einmal, den Atem kurz anzuhalten. Während der Untersuchung treten starke Klopfgeräusche auf. Unsere Patienten erhalten deswegen entweder Ohrenstöpsel, die den äußeren Gehörgang dicht verschließen, oder sie können über einen Kopfhörer angenehme Musik hören, was für eine entspannte Atmosphäre sorgt.
Muss ein Patient, der Platzangst hat, auf eine kernspintomographische Untersuchung verzichten?
Dr. Risch: Patienten mit Platzangst untersuchen wir, wenn möglich, in einem modernen offenen MRT. Auch wenn die von einem offenen MRT erzeugten Schnittbilder mitunter nicht die Homogenität eines geschlossenen MRT-Geräts aufweisen, so liefern sie doch für einige diagnostische Fragestellungen gute Ergebnisse. Dazu gehört z.B. die Untersuchung des gesamten Bewegungsapparats, etwa die Abklärung diffuser Gelenk- oder Muskelbeschwerden. Einige Untersuchungen, z. B. eine Herzuntersuchung, sind mit dem offenen System jedoch noch nicht möglich, In diesem Fall bieten wir unseren Patienten vor der Untersuchung ein Beruhigungsmittel an.
Wo liegen die Grenzen der MRT?
Dr. Risch: Feste Strukturen mit einem geringen Wassergehalt, z. B. Knochen, oder luftreiche Regionen wie die Lunge, können bislang besser durch die Computertomographie dargestellt werden. In Notfallsituationen, z. B. bei einer schweren Kopfverletzung, wird meist eher eine Computertomographie durchgeführt, da diese Untersuchung innerhalb von Minuten eine Diagnose liefert. Die MRT ist hingegen zeitaufwändiger: Eine Untersuchung mittels Kernspintomographie dauert zwischen 15 und 30 Minuten.

 

Magnetresonanztomographie (MRT) –
was ist das?

Je nachdem, welche Körperregion oder welches Organ mittels Magnetresonanztomographie dargestellt werden soll, gebrauchen die Mediziner verschiedene Fachbegriffe, so z. B.:

Kardio-Maqnetresonanztomoqraphie: Mithilfe der Kernspintomographie können in einem Untersuchungsgang sowohl die Strukturen des Herzens als auch dessen Funktion und Durchblutung bzw. seine Leistungsfähigkeit beurteilt werden. Der Einsatz von Kontrastmittel ist hierbei nicht notwendig.

Maqnetresonanz-Anqioqraphie (MRA): Nicht nur die HerzkranzgefäIße, sondern auch alle anderen Schlagadern (Aderien) können mit der Kernspintomographie dreidimensional und damit in allen Ebenen auf Verengungen oder Verschlüsse untersucht werden. So ist es möglich, z. B. an den Halsschlagadern Plaques zu erkennen, die zum Ausgangspunkt für einen Schlaganfall werden können. Auf gleiche Weise können Kalkablagerungen in der grol3en Körperschlagader, aber auch Erweiterungen der Aorta mithilfe der 3-D-Angiographie diagnostiziert werden. Eine Untersuchung der Nierenarterien wird vor allem bei unklarem Bluthochdruck durchgeführt, der mitunter durch eine Verengung einer oder beider Nierenarterien verursacht wird.

Magnetresonanz-Cholangio- Pankreaatikographie:
Diese Untersuchung dient u. a. dem Nachweis von Steinen und Verengungen der Gallengänge und des Bauchspeicheldrüsengangs sowie zur Abklärung bestimmter Lebererkrankungen und wird ohne Kontrastmittel durchgeführt.

MR-Uroqraphie: Bei Verdacht auf eine Erkrankung der Nieren oder ableitenden Harnwege kann eine MR-Urographie wertvolle Dienste leisten.

MRT-Dünndarmdiaqnostik: Eine Dünndarmuntersuchung mithilfe der Magnetresonanztomographie wird vor allem zum Nachweis bzw. der Abklärung von entzündlichen Veränderungen und Tumoren eingesetzt.

Mamma-MRT: Eine MRT der weiblichen Brust wird meist als ergänzende Untersuchung zur digitalen Vollfeld-Mammographie herangezogen — zur weiteren Differenzierung eines gut- oder bösartigen Knotens bzw. nach Operationen oder Bestrahlungen zur Unterscheidung von Narben- und Tumorgewebe. Das Verfahren wird mit Kontrastmittel durchgeführt.

Unsere Link-Empfehlung:
www.radiologie-schwabing.de