Freizeit
Ein überraschendes Urlaubs-Highlight
in den Berchtesgadener Bergen

Eigentlich wollten wir ja nach Hirsche schauen. Deshalb waren meine 10-jährige Tochter und ich an einem schönen Winternachmittag im tief verschneiten Bergwald oberhalb von Maria Gern im Berchtesgadener Land unterwegs. Als wir in der Nähe des Untersberglehens auf eine Lichtung traten und uns über die beeindruckende Aussicht freuten, ragte plötzlich in unmittelbarer Nähe über die Kuppe eines kleinen Hügels der Kopf eines Tieres hervor. Neugierig und gleichzeitig freundlich wurden wir gemustert. Gegen unseren Verstand sagte uns die Erfahrung aus einer Reihe von Zoobesuchen, dass wir es hier tatsächlich mit einem Lama zu tun hatten.

Während wir noch staunten, tauchten weitere der neugierigen Gesellen auf. Wir gingen noch ein paar Schritte um den Hügel herum und hatten nun ein ausgedehntes Gehege am Berghang vor uns. Acht Lamas standen reglos am Zaun und beobachteten uns genau so aufmerksam wie wir sie. Die Hirschen waren schnell vergessen und ich hatte Mühe, meine Tochter nach einer langen Weile zum Weitergehen zu animieren. Beim Abstieg in Richtung Hintergern kamen wir auf unserem Weg durch den Weiler an einem Haus vorbei, an dem ein Plakat darauf hinwies, dass man mit unseren neuen Freunden auch kleine geführte Bergtouren machen konnte. Jetzt war kein Halten mehr und schon zwei Tage später standen wir zu dritt bereit, um mit den Lamas eine Wanderung zu machen.

Mit Klaus und Regine, den Inhabern der Lamaherde, stiegen wir zum Gehege hinauf. Dass man auch mit Lamas nicht einfach losgehen kann, sondern dass sie erst gestriegelt und aufgezäumt werden müssen, war die erste Lektion, die meine Tochter lernte. Aber schon bald waren wir unterwegs in Richtung Hintergern. Stolz führte jeder von uns eines der großen, aber lammfrommen Tiere hinter sich her. Dass die Lamas jedoch durchaus einen eigenen Willen haben, wurde uns mitten auf dem Weg demonstriert. Die Leitstute Pearl blieb plötzlich mit hoch erhobenem Kopf stehen und war trotz kräftigen Ziehens keinen Zentimeter mehr voranzubekommen – müßig zu erwähnen, dass die anderen Lamas ebenfalls das Weitergehen verweigerten, denn alle Lamas richten sich bedingungslos nach Pearl oder ihrer Tochter Pamela. Von Klaus wurden wir aufgeklärt, dass Lamas bei jeder Situation, die ihnen – aus welchen Gründen auch immer - nicht geheuer ist, erst mal das Gelände vor ihnen genau beobachten.

Nachdem Pearl schließlich den Weg vor uns als unbedenklich eingestuft hatte, konnte die ganze Gruppe dann auch weitergehen. Dass es nicht völlig normal ist, in den bayerischen Bergen zusammen mit Lamas zu wandern, war uns schon nach kurzer Zeit nicht mehr bewusst. Denn die Ruhe, die die Tiere während der Wanderung ausstrahlten, wurde eins mit der Ruhe der verschneiten Bergwelt. Und für unsere Tochter war diese Wanderung wohl das Highlight des Winterurlaubs, denn die Beschäftigung mit Lamas beim Wandern vertrieb jede Langeweile, die zuweilen die Begehung von weit überschaubaren Forststraßen zur Herausforderung für die Familie mit Kind macht.

Nach der Rückkehr zum Gehege durften wir uns unter der fachkundigen Anleitung von Klaus und Regine alle drei in der Pflege der Lamas versuchen. Das richtige Abzäumen war genauso Thema wie das Striegeln des Fells und das Säubern der schneeverkrusteten Beine. Natürlich stellten war dann noch die unvermeidliche Frage: „Warum spucken diese Lamas nicht?“ Klaus erklärte uns, dass Lamas nur bei großer Gefahr ihre Feinde anspucken. Und weil sich die Lamas von Hintergern rund um die Uhr wohlfühlen, spucken diese Lamas eben nicht.  

Wir empfanden das eher gemächliche Wandern mit den Lamas und überhaupt die Beschäftigung mit diesen Tieren für die ganze Familie eine echte Bereicherung unseres Urlaubs im Berchtesgadener Land, die wir vor allem Familien mit Kindern gern weiterempfehlen möchten. Wir jedenfalls freuen uns schon heute auf die nächste Lamawanderung in Hintergern. 

Informieren Sie sich umfassend übers Lamawandern
> www.gerer-lamas.de