Die MIC-Technik zur Behandlung von Leistenbrüchen


Allgemeines und Operationsindikation
Die Leistenbruch-Operation wurde durch die minimalinvasiven operativen Behandlungsmethoden für den Patienten erheblich verbessert und führt bei routinierter Anwendung zu besseren Behandlungsergebnissen, mehr Patientenkomfort und rascherer Wiedereingliederung in den Alltag.
Ein Bruch (Hernie) im Leistenbereich ist eine Ausstülpung des Bauchfells durch eine angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Lücke in der Bauchwand. Oberhalb des Leistenbandes spricht man von einem Leisten-, unterhalb von einem Schenkelbruch. In den Bruchsack treten im Stehen und insbesondere beim Pressen, Husten oder Niesen in der Regel Darmschlingen hinein und zeigen eine tast- bzw. sichtbare Vorwölbung, welche man im Liegen meist problemlos wieder in den Bauchraum zurückschieben kann. Deutliche Schmerzen sind beim Leistenbruch nicht die Regel! Erst bei einer gefährlichen Einklemmung von Darmanteilen treten sehr starke Schmerzen auf und es muss umgehend notfallmäßig gehandelt werden.
Sämtliche Hernien sollten in jedem Lebensalter nach Diagnosestellung möglichst bald einer operativen Behandlung unterzogen werden, da sie kontinuierlich an Größe zunehmen und im schlimmsten Fall zu einer Einklemmung führen können.

Minimalinvasive Operationstechniken (MIC)
Die gewebeschonende MIC-Technik mit Verstärkung der Bauchwand durch ein gewebeverträgliches feines Kunststoffnetz bietet gegenüber den herkömmlichen offenen OP-Methoden erheblich mehr Patientenkomfort und Sicherheit bezüglich der Belastbarkeit.
Bei der von mir angewandten sog. TEP-Technik wird über drei kleine Schnitte (5-10 mm) minimalinvasiv/endoskopisch eine Bauchdeckenspiegelung durchgeführt. Dieser endoskopische Eingriff ist äußerst gewebeschonend, da die nervenenthaltende Bauchmuskulatur sowie das Bauchfell weder geschnitten noch genäht werden. Das dünne Netz wird ohne Metallclips oder Nähte zwischen die Bauchdeckenschichten eingelegt und verstärkt damit anhaltend die Bauchwand mit sofortiger Belastbarkeit.
Die von mir in der Regel nicht angewandte sog. TAPP-Technik gestaltet die endoskopische Netzeinlage über die Bauchhöhle. Das Bauchfell muss hierbei aufgeschnitten und abschließend wieder vernäht werden. Das Netz wird üblicherweise mit Metallclips an der Bauchmuskulatur fixiert, mit dem Risiko der Nervenverletzung.
Bei der von mir nicht angewandten sog. roboterassistierten MIC-Technik wird die Optik nicht von einem Assistenzarzt geführt, sondern von einem sprachcomputergesteuerten Gerätearm. Die operativen Fähigkeiten und die Präzision des Operateurs werden dadurch keinesfalls erhöht.

Offene herkömmliche Operationstechniken
Bei den offenen OP-Techniken wird in der Leistenregion ein 5-10 cm langer Schnitt gelegt und alle Bauchdeckenschichten präpariert und einzeln vernäht, oder ein Kunststoffnetz durch Nähte fixiert. Diese OP-Methoden können auch in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Sollte eine Kontraindikation zur MIC-Technik bestehen (sehr schlechte Herz-/Lungenfunktion oder eine offene Voroperation wegen Prostatakrebs), werden vorwiegend die beiden folgenden offenen Operationsmethoden von mir angewandt:
Leistenreparation nach Shouldice (meist für junge Patienten mit kleinen Leistenbrüchen): Seit Jahrzehnten internationaler Standard der konventionellen OP-Technik. Hier werden sämtliche Bauchwandschichten im Leistenbereich einzeln vernäht, insbesondere wird hier die Rekonstruktion der tiefsten Schicht durch Doppelung der sog. fascia tranversalis durchgeführt.
Leistenreparation nach Lichtenstein
(meist für ältere Patienten mit großen Leistenbrüchen): Bei dieser OP-Methode wird ein Kunststoffnetz spannungsfrei auf Muskulatur und Leistenband eingenäht unter Neubildung eines Leistenringes.
Auf weitere offene OP-Techniken ( "Minimal-repair", Rutkow, etc.) möchte ich in diesem Rahmen nicht eingehen, informiere Sie jedoch gerne in einem persönlichen Gespräch.

Schmerzhafte Leiste / Sportlerleiste
Bei der sog. "Sportlerleiste" (meist Fußballer) ist im Gegensatz zum Leistenbruch der Schmerz das zentrale Symptom. Ein gleichzeitig vorliegender Leistenbruch ist äußerst selten.
Die Ursachen für den Leistenschmerz, welcher in der Regel sehr verstärkt bei Belastungen auftritt und bei Trainings-/Spielpausen meist zurückgeht, sind äußerst vielschichtig. Eine sehr subtile Untersuchung der Wirbelsäulen-, Becken- und Beinstatik inclusive der Gelenke ist genauso unabdingbar, wie eine Funktionsprüfung der Muskulatur und Sehnenansätze, welche die Leistenregion tangieren. (Auch bei nicht sportlich Aktiven können natürlich ebenfalls diverse orthopädische Probleme zu Leistenbeschwerden führen!)
Nicht unbedingt ursächlich, jedoch auslösend für die Leistenschmerzen beim Fußballer, sind starke Über- und/oder Fehlbelastungen beim Schießen mit außenrotiertem Bein, beim Grätschen und beim Sprinten mit rascher Richtungsänderung.
Ein Behandlungskonzept kann also erst nach eingehender Untersuchung in Absprache mit Orthopäden und Physiotherapeuten individuell erstellt werden.
Die allgemein übliche Diagnose "schmerzhafte weiche Leiste" sollte wegen der komplexen Ursachen daher m.E. nicht mehr angewandt werden.

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