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Das »starke« Geschlecht ist anders krank
Verbesserung der Männergesundheit
Männer haben weltweit eine geringere Lebenserwartung als das vermeintlich »schwache« Geschlecht (in Deutschland im Mittel 74 Jahre, Frauen hingegen 81 Jahre). Männer gehen seltener zum Arzt, ignorieren oft Vorsorgemaßnahmen und sind schwerer krank als Frauen. Doch Männer könnten dies ändern, wenn sie mehr auf ihren Körper hören und Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen würden.
Von Dr. Gabi Hoffbauer
Männer – so die nach wie vor herrschende Vorstellung – müssen zeit ihres Lebens Stärke zeigen und Schmerzen genauso mannhaft ertragen wie Frustrationen. Sie suchen also wegen kleiner Wehwehchen nicht den Arzt auf oder untersuchen gar ihren Körper auf Schwachstellen hin. Der Körper hat zu funktionieren, und Schwächen haben hier nichts zu suchen. Diese Haltung ist allerdings nur einer der Gründe für die häufigeren Erkrankungen und den frühen Tod des »starken« Geschlechts. Denn manche Dinge lassen sich nicht einfach unter den Teppich kehren, sie verlangen nach Lösungen, wobei Männer nicht immer die beste Wahl treffen, etwa bei Stress.
Der Stressfaktor
Männer sind in der modernen Gesellschaft ebenso stark oder noch stärker als Frauen Stress ausgesetzt. Die Kraft dazu schöpfen viele Männer aus dem Drink (oder mehreren) am Abend, literweise Kaffee am Morgen, ungezählten Zigaretten und den fünf Gängen beim Franzosen oder der doppelten Portion Currywurst mit Pommes frites am Imbissstand.
Es stimmt nicht, dass Männer überhaupt kein Gefühl für ihren Körper haben – im Gegenteil: Viele von ihnen sind sicherlich die größeren Genießer. Ein Beleg hierfür mag die Tatsache sein, dass zehnmal mehr Männer an Gicht leiden als Frauen – eine Krankheit, die in den meisten Fällen Folge eines exzessiven Genusses von schmackhaften, schweren Speisen und Alkohol ist.
So kommt es auch nicht von ungefähr, dass weitaus mehr Männer einem Herzinfarkt zum Opfer fallen als Frauen. Denn noch immer weisen Männer mehr Risikofaktoren, z.B. Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Bewegungsmangel, auf als Frauen.
Eine große Rolle in der Todesstatistik spielt die – neben vielen anderen Faktoren vom Testosteron geförderte – Liebe zu schnellen Autos und zum Übersehen von Verkehrsregeln. Dass Männer häufiger Selbstmord begehen, erklärt man mit ihrer »männlichen« Durchsetzungskraft – in dem Sinn, dass ein Plan, den ein Mann gefasst hat, auch klappen muss. Hinzu kommt, dass Männer achtmal so häufig harte Drogen konsumieren als Frauen.
Und schließlich sind es Krebserkrankungen, insbesondere Lungenkrebs, aber auch Darm- und Magenkrebs, die weit mehr Männer dahinraffen als Frauen. Schuld daran ist einerseits das Rauchen, aber auch die »männliche« Haltung, frühe Krankheitszeichen zu übersehen und zu verdrängen, und die hartnäckige Weigerung an Krebsfrüherkennungsuntersuchnen teilzunehmen – dies tun nur 17 Prozent der deutschen Männer.
Männergesundheitszentren
Um diesem Missstand entgegenzuwirken und Erkrankungen optimal vorzubeugen bzw. sie männerspezifisch zu behandeln, wurden mittlerweile in Wien, Hamburg und Konstanz Männergesundheitszentren eingerichtet. Männer aller Altersgruppen können hier sowohl ärztliche als auch psychologische Beratungen in Anspruch nehmen. Zu lernen über Krankheiten und berufliche oder private Probleme zu sprechen und sich aktiv für den Erhalt der eigenen Gesundheit einzusetzen – dies ist auch das Ziel der Vorträge und Seminare, die zusätzlich zu den »Sprechstunden« regelmäßig von den Männergesundheitszentren veranstaltet werden. Darüber hinaus bieten urologische Kliniken, aber auch niedergelassene Urologen und Hausärzte spezielle Männersprechstunden an. Adressen gibt es unter:
www.maenneraerzte.info oder www.forum-maennerarzt.de |
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Gesetzliche Krebsvorsorge-untersuchungen
Ab dem 45. Lebensjahr können und sollten Männer jedes Jahr folgende Untersuchungen durchführen lassen, um häufig vorkommende Krebserkrankungen wie Prostata-, Dickdarm- und Hautkrebs früh zu erkennen und durch eine rasch einsetzende Behandlung möglichst zu heilen:
- Genaue Untersuchung des äußeren Genitals
- Abtasten des Enddarms und der Prostata über den Darm
- Untersuchung der Haut
Ab dem 50. Lebensjahr wird zusätzlich der Stuhl mithilfe von Testkärtchen auf verborgenes, d. h. nicht sichtbares Blut untersucht (Hämocculttest).
Seit 2002 besteht zudem die Möglichkeit, ab dem 55. Lebensjahr den gesamten Dickdarm durch eine Darmspiegelung untersuchen zu lassen. Diese Untersuchung kann im Abstand von zehn Jahren ein zweites Mal erfolgen. |