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Was tun bei Prostatabeschwerden?
Gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse
Fast alle Männer fürchten sich davor, dass ihre Prostata ihnen eines Tages Probleme bereiten könnte. Zwar vergrößert sich die Prostata mit zunehmendem Alter tatsächlich bei allen Männern. Allerdings müssen höchstens 20 Prozent von ihnen auch mit Symptomen rechnen, die ihrerseits sehr unterschiedlich sind und die sich zeitweise auch wieder von allein zurückbilden können. Wer dennoch von stärkeren Beschwerden geplagt wird, dem kann heute mit einer Vielzahl von Behandlungsmethoden geholfen werden, die jeweils individuell auf die lästigsten Symptome sowie Begleiterkrankungen des einzelnen Patienten, aber auch auf seine Wünsche und Vorstellungen abgestimmt sind.
Von Dr. Gabi Hoffbauer
Die Prostata ist eine kastanienförmige, etwa 20 Gramm schwere Drüse, die einen Anteil der Samenflüssigkeit produziert und Stoffe enthält, die 20 Minuten nach dem Samenerguss zur Verflüssigung des zunächst geronnenen Ejakulats führen. Sie liegt unterhalb der Harnblase und umschließt die aus der Blase abgehende Harnröhre bis zum Beckenboden ringförmig.
Etwa ab dem 30. Lebensjahr bildet sich in einem der Harnröhre anliegenden Bereich der Prostata neues Drüsengewebe, das mit zunehmendem Alter stets ein wenig größer wird. Warum es gerade in diesem kleinen Bereich der Prostata zu neuem Wachstum kommt, ist bisher nicht genau bekannt. Sicher ist nur, dass viele Faktoren zusammen spielen, etwa hormonelle Einflüsse, aber auch Verschiebungen in der Aktivität von Stoffen (Enzymen), die die Bildung bzw. den Abbau von Hormonen steuern.
Prostatavergrößerung – eine Volkskrankheit?
Vielleicht ist es übertrieben, bei der gutartigen Vergrößerung der Prostata (Benigne Prostata-Hyperplasie = BPH oder Benignes Prostata-Syndrom = BPS), die letztlich eine natürliche Veränderung im Leben eines jeden älter werdenden Mannes darstellt, von einer Volkskrankheit zu sprechen. Internationalen Untersuchungen zufolge werden die Beschwerden, die diese Veränderung an der Prostata auslösen, in verschiedenen Ländern unterschiedlich empfunden und bewertet. Dennoch kann die Prostatavergrößerung selbst dann, wenn sie nur wenige Beschwerden verursacht, schwere Folgeschäden bis hin zum Nierenversagen nach sich ziehen.
Jeder dritte Mann
Tatsache ist, dass in Deutschland etwa 30 Prozent aller über 50-jährigen Männer unter so genannten Prostatabeschwerden leiden – bei den über 70-Jährigen sind es bereits 40 Prozent. Allerdings sind diese Beschwerden, die man heute unter dem Kürzel LUTS (engl.: lower urinary tract symptoms = Beschwerden des unteren Harntrakts) zusammenfasst, nicht immer durch eine vergrößerte Prostata bedingt.
Startschwierigkeiten und Harnstottern
Es ist am einfachsten, sich die Ursache der Beschwerden so vorzustellen, dass die sich vergrößernde Prostata die durch sie hindurch verlaufende Harnröhre mehr und mehr zusammendrückt. Das führt dazu, dass zunächst der Harnstrahl dünner und schwächer wird und es trotz Harndrangs eine Weile dauern kann, bis die Blasenentleerung einsetzt (Startschwierigkeiten).
Gelegentlich versiegt der Harnstrahl auch ein- oder mehrmals während des Wasserlassens (Harnstottern). Den Widerstand, den die durch die Prostata eingeengte Harnröhre dem Urin entgegensetzt, kann man bisweilen nur noch überwinden, wenn man beim Wasserlassen die Bauchmuskulatur zu Hilfe nimmt. Danach kommt es nicht selten zum Nachträufeln von Urin.
Harndrang und häufiges Wasserlassen
Je länger die Prostata die Harnröhre einengt, desto mehr verdickt sich die Muskulatur der Blase, um diesen Widerstand zu überwinden. Dies kann dazu führen, dass ein plötzlicher Harndrang auftritt, der sich willentlich nicht beherrschen lässt und gelegentlich von unfreiwilligem Abgang von Urin begleitet wird. Auch häufiges Wasserlassen am Tag und in der Nacht können Folge der verstärkten Blasenmuskulatur sein.
Mit weiterem Fortschreiten der Erkrankung kann auch die muskulös verdickte Blasenwand den Widerstand in der von der Prostata eingeengten Harnröhre nicht mehr vollständig überwinden, und bei jedem Wasserlassen bleibt etwas Urin in der Blase zurück. Dieser Restharn wird oft als ständiges Völlegefühl in der Blase empfunden und ist zudem ein fruchtbarer Boden für Bakterien und die Bildung von Harnsteinen.
Schmerzen beim Wasserlassen, noch häufigerer Harndrang sowie Fieber und Schüttelfrost sind typische Anzeichen eines Harnwegsinfekts – einer häufigen Folge der Restharnbildung.
Die in ihrer Funktion gestörte Blase kann zudem auch einmal, meist durch Reize wie Kälte, Alkohol oder Medikamente ausgelöst, ihre Dienste gänzlich versagen. Eine solche akute Harnsperre (oder Harnverhaltung) muss umgehend ärztlich behandelt werden. Auch Blutungen können ausgelöst werden. Als gefährlichste Folge der gutartigen Prostatavergrößerung gilt die zunehmende Einschränkung der Nierenfunktion, die durch die Urinstauung verursacht wird und im Nierenversagen enden kann.
Erst die Ursache klären
Heute gibt es eine Vielzahl wirksamer Behandlungsmöglichkeiten für diese Beschwerden, allerdings muss vor jeder Behandlung die Ursache von einem Urologen genau geklärt werden. Zu einer urologischen Basisuntersuchung gehört zunächst die Erhebung der Krankengeschichte mit besonderem Augenmerk auf eingenommene Medikamente, von denen einige derartige Beschwerden verursachen können. Es folgen eine körperliche sowie eine Urin- und Blutuntersuchung. Weiterhin führt der Urologe eine Tastuntersuchung der Prostata über den Enddarm, eine Ultraschalluntersuchung von Prostata, Blase und Nieren inklusive der Bestimmung des Restharns nach Blasenentleerung und eine Messung des Harnflusses (Uroflowmetrie) durch. Schließlich geht es auch darum, vor allem einen Prostatakrebs auszuschließen.
Medikamente lindern
Bei subjektiv leichter Symptomatik ist eine Behandlung nicht unbedingt erforderlich, allerdings muss der Urologe in halbjährlichen Kontrolluntersuchungen prüfen, ob sich vermehrt Restharn bildet oder andere Komplikationen eingetreten sind. Medikamente können die subjektiven Symptome zwar lindern, haben aber keinen wesentlichen Einfluss auf die Einengung der Harnröhre durch die Prostata. Und diese Verengung ist die größte Gefahr.
Pflanzliche Mittel
Bezüglich der Wirksamkeit pflanzlicher Mittel liegen bisher nur wenige Daten aus wissenschaftlichen Studien vor. In der Pflanzenheilkunde werden bei gutartiger Prostatavergrößerung Extrakte aus der Sägezahn-Palmfrucht, Brennnesselwurzel, Kürbissamen, Roggenpollen sowie Phytosterole aus der Pinie, Fichte oder der Wurzelknolle einer afrikanischen Pflanze (Hypoxis Rooperi) allein bzw. in verschiedenen Kombinationen eingesetzt. Für diese Mittel spricht, dass sie weniger Nebenwirkungen haben als die chemisch definierten Stoffe.
Alpha-Rezeptorenblocker
Die Linderung der subjektiven Symptome durch alpha-Rezeptorenblocker und 5-alpha-Reduktasehemmer ist wissenschaftlich – auch durch Langzeitstudien – belegt. Alpha-Rezeptorenblocker bewirken eine verminderte Spannung der glatten Muskelfasern in der Prostata und verringern dadurch die Einengung der Harnröhre.
5-alpha-Reduktasehemmer senken die Konzentration des Hormons Dihydrotestosteron in der Prostata, das für die Größenzunahme mitverantwortlich ist und führen so zu einer Größenabnahme der Drüse.
Die wichtigsten Nebenwirkungen der Rezeptorenblocker sind Blutdruckabfall, Schwindel, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und grippeähnliche Symptome. 5-alpha-Reduktasehemmer haben weniger unerwünschte Wirkungen, können aber – vor allem zu Beginn der Behandlung – die Lust auf Sex mindern oder zu Potenzstörungen führen.
TUR-P – operative Entfernung
Die vergrößerte Prostata kann durch verschiedene operative Techniken und andere Verfahren verkleinert bzw. entfernt werden. Eine solcher Eingriff muss durchgeführt werden, wenn die vergrößerte Prostata zu wiederholter Harnsperre, häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, Blasensteinen, mehrfachen Blutungen oder einer Erweiterung der oberen Harnwege geführt bzw. bereits die Nieren geschädigt hat.
Als Standardverfahren mit den besten Ergebnissen gilt die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P). Hierbei wird der innere Anteil der Prostata (meist unter Rückenmarksanästhesie) durch die Harnröhre entfernt. Lediglich eine sehr große Prostata muss unter Vollnarkose über einen Schnitt in der Bauchdecke entfernt werden.
Die Operationen schützen den Patienten – nach heutigen Erkenntnissen – auch besser als alle anderen Verfahren vor Nierenschäden.
Doch diese eingreifenden Maßnahmen haben Nebenwirkungen: So kommt es bei bis zu einem Prozent der Patienten nach TUR-P zu unwillkürlichem Abgang von Urin, und bei 60 bis 90 Prozent entleert sich der Samenerguss nicht mehr nach außen, sondern in die Harnblase. Potenzstörungen treten hingegen nur sehr selten auf.
Laser-OP und andere Verfahren
Die inneren Anteile der Prostata lassen sich mit verschiedenen Laserverfahren über die Harnröhre entfernen; dabei kann der Laser das Gewebe wie ein Skalpell herausschneiden oder »verdampfen«. Bestimmte Bereiche der Prostata kann man durch Einstechen von Nadeln und Einbringen von Radiofrequenzwellen so weit erhitzen, dass das Gewebe untergeht. Auch mithilfe von Hitze erzeugenden Mikrowellen kann Gewebe entfernt werden.
Bei Patienten, die z.B. aufgrund schwerer begleitender Krankheiten nicht operiert werden dürfen, kann es sinnvoll sein, einen Stent in die Harnröhre einzubringen und dadurch die Engstelle offen zu halten.
IPSS
Vielfach lässt der Urologe seinen Patienten einen standardisierten Fragebogen (IPSS) ausfüllen, der dessen subjektive Beschwerden genau erfasst und außerdem den Grad der Beeinträchtigung seiner Lebensqualität in die Beurteilung der Erkrankung mit einbezieht. |
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