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Münchner Gesellschaft für Prophylaktische Orthopädie e.V. Neue Therapien »Prophylaxe ist besser als Therapie« — so lautete das Motto des 5.Forums Orthopädie für die Praxis der GfPO e.V. in München. Fast drei Tage lang referierten und diskutierten Fachärzte über neue Ansätze zur Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparats. topfit sprach mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Prophylaktische Orthopädie, Dr. med. Heribert Konvalin, über die wichtigsten Erkenntnisse. Von Dr. Nicole Schaenzler Herr Dr. Konvalin, während des Kongresses wiesen Sie darauf hin, dass Prophylaxe im Umgang mit Patienten einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Was hat sich verändert? Dr. Konvalin: Dank einer wesentlich verbesserten medizinischen Versorgung und der Möglichkeit, inzwischen eine Vielzahl von lebensbedrohlichenen Erkrankungen zu lindern oder gar zu heilen, ist die durchschnittliche Lebenserwartung heute höher denn je. Die Kehrseite dieser erfreulichen Entwicklung: Je älter wir werden, desto mehr lässt die Wirkung der körpereigenen Reparaturmechanismen nach — und umso anfälliger wird insbesondere der Bewegungsapparat für degenerative Erkrankungen. Doch haben wir unser »Schicksal« teilweise selbst in der Hand: Mit ausgewogener Ernährung und gegebenenfalls einer Gewichtsreduzierung, mit regelmäßiger Bewegung und einem guten »Stressmanagement« im Alltag tragen wir nicht nur zur generellen Verbesserung unserer Lebensqualität bei, sondern wir beugen auch der Volkskrankheit Rückenschmerzen vor. Stichwort »Rückenschmerzen«: IDET heißt ein neues Verfahren, mit dem eine bislang unbekannte Form des Schmerzes behandelt wird… Dr. Konvalin: … Sie meinen hartnäckige Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Dabei denken die Betroffenen oft an einen »klassischen« Bandscheibenvorfall. Es gibt jedoch ein Krankheitsbild, das ein ganz ähnliches Schmerzmuster hervorruft. Dahinter verbergen sich meist degenerative Veränderungen des bindegewebigen äußeren Faserrings der Bandscheibe, die jedoch schwer erkannt werden können und spezielle Darstellungen erfordern. In solchen Fällen lautete der Befund bis vor kurzem meist »Rückenschmerzen unbekannter Ursache« — ein für die Betroffenen denkbar ungünstiges Ergebnis, denn ohne Diagnose keine Therapie und folglich auch keine Aussicht auf Besserung. Inzwischen konnten jedoch die ursächlichen Zusammenhänge für die Schmerzsymptomatik geklärt und ein Verfahren entwickelt werden, das eine risikoarme und sichere Beseitigung der Ursache erlaubt. Die Methode heißt Intradiskale Elektrothermotherapie, kurz IDET. Dabei wird unter Röntgenkontrolle und bei lokaler Betäubung über eine Thermosonde Wärmeenergie direkt in den äußeren Faserring der Bandscheibe appliziert. Der Effekt: Die Schmerz auslösenden Nerveneinsprossungen werden zerstört; gleichzeitig schrumpft das Bandscheibengewebe, wodurch der schmerzhafte Überdruck reduziert wird. Hilft die IDET-Therapie auch bei einem Bandscheibenvorfall? Dr. Konvalin: Bei Bandscheibenvorfall, Nervenkompression oder größeren Abnutzungserscheinungen an den Wirbelgelenken sollte die Methode nicht angewandt werden. Bei der oben beschriebenen Rückenschmerzsymptomatik ist die IDET-Methode jedoch sehr effektiv: Rund 80Prozent der Patienten sind sofort nach der Behandlung beschwerdefrei — und dies in der Regel dauerhaft. Ein weiterer Themenschwerpunkt war ein neuartiges Anzucht- und Transplantationsverfahren von Knorpelzellen, mit dem Knorpeldefekte an einem Gelenk wirksam behandelt werden können. Für wen ist diese Methode geeignet? Dr. Konvalin: Davon profitieren in erster Linie jüngere Patienten, deren Gelenk einen größeren, isolierten Knorpelschaden aufweist. Vor allem ein Schaden am Kniegelenk ist häufig — etwa durch andauernde Überlastung (z.B. bei Übergewicht) oder durch eine nicht vollständig geheilte Verletzung. Ein solcher Knorpelschaden galt bislang als schwer therapierbar: Da Gelenkknorpel sich nicht regenerieren kann, zog der Defekt meist eine vorzeitige Arthrose nach sich. Nun können wir die Regenerations- und Heilungsfähigkeit des Gelenkknorpels therapeutisch beeinflussen. Hierbei nutzen wir gewissermaßen die Reparaturmechanismen des Körpers in Form von körpereigenen Knorpelzellen, die, wenn sie als Knorpelvlies in die geschädigten Knorpelstellen transplantiert werden, für den kompletten Knorpelaufbau sorgen. Das nunmehr intakte Knorpelgewebe erreicht bereits einige Wochen nach dem Eingriff wieder sein ursprüngliches Volumen. Um den Knorpelaufbau zu unterstützen, beginnen wir etwa acht Wochen nach der Transplantation mit einer Orthokin-Behandlung. Dabei fungiert das knorpelschützende Interleukin1 RA als »Gegenspieler« zum knorpelzerstörenden Protein Interleukin1. Wie man heute weiß, spielt Letzteres eine Schlüsselrolle beim Knorpelabbau — und damit bei der Entstehung von Arthrose. Wie werden die beiden Verfahren durchgeführt? Dr. Konvalin: Die Anzüchtung und Transplantation von Knorpelzellen erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird dem Patienten im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) aus einem gesunden Gelenkanteil ein kleines Knorpelstück entnommen, das zur Zellvermehrung in ein biotechnisches Speziallabor gesandt wird. Nach einer zwei- bis sechswöchigen Vermehrungsphase werden die angezüchteten Knorpelzellen auf ein Kollagenvlies aufgebracht. Insgesamt werden ca. 2 Millionen körpereigene Knorpelzellen gezüchtet. Die Fixierung des Implantats auf die defekte Knorpelstelle erfolgt mit einem minimalinvasiven Eingriff. Für die Orthokin-Behandlung werden aus Eigenblut die nützlichen Hemmstoffproteine isoliert, in einem aufwändigen Prozess vermehrt und dann zu einer Injektionslösung verarbeitet. Diese wird in sechs bis acht Einheiten direkt in das betroffene Gelenk gespritzt. Damit wird Arthrose vermieden? Dr. Konvalin: Ja. Bereits nach drei bis sechs Monaten hat der Knorpel seine Festigkeit annähernd wieder erreicht. Das Gelenk ist voll belastbar. Diese kombinierte Therapiestrategie ist ein Beispiel für eine gelungene prophylaktische Behandlung zur Vermeidung von gravierenden Folgeschäden. Im Übrigen zeichnen sich die Behandlungen durch eine sehr gute Verträglichkeit aus, da in beiden Fällen körpereigene Stoffe eingesetzt werden.
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Zur Person
Dr. med. Heribert Konvalin ist Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie, Sportmedizin und Physikalische Medizin und praktiziert in einer orthopädischen Gemeinschaftspraxis in München. Zu seinen Behandlungsschwerpunkten gehören neben der regenerativen Knorpeltherapie zur Behandlung von Arthrose u.a. auch Knie-, Ellbogen-, Sprunggelenk-, Schulterarthroskopie, arthroskopische Kreuzbandoperationen, Fußchirurgie sowie interventionelle Schmerztherapie einschließlich minimalinvasiver Wirbelsäulenoperationen. Dr. Konvalin ist Präsident der Gesellschaft für Prophylaktische Orthopädie e.V. (GfPO e.V.). Unsere Link-Empfehlung: |
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