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Ambulante Teilabtragung von vergrößerten Gaumenmandeln
Schnarchen und Atemnot -
sanfte Hilfe für Kinder
Eine Vergrößerung der Gaumenmandeln (Tonsillenhyperplasie) kann Kindern erhebliche Probleme bereiten. Oft geht sie mit einer Vergrößerung der Rachenmandel einher. Häufig wird dann von Fachärzten zu einer Entfernung der Rachen- und Gaumenmandeln geraten. Mit einer neuen schonenden minimal-invasiven Methode, bei der nur ein Teil des Mandelgewebes abgetragen wird, steht nun ein patientenfreundliches Verfahren zur Verfügung, das Kindern nicht nur den mehrtägigen Krankenhausaufenthalt, sondern auch erhebliche postoperative Beschwerden erspart.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Bei Kindern sind die Mandeln in den ersten Lebensjahren wichtige Organe der Immunabwehr. Sie identifizieren durch Mund und Nase eindringende Krankheitserreger und sind mitverantwortlich für die Immunantwort durch Stimulation des Immunsystems und die Bildung von Abwehrstoffen. Sind jedoch Gaumenmandeln und gegebenenfalls auch die Rachenmandel stark vergrößert, werden sie zu einem mechanischen Hindernis und verengen die Atemwege. Besonders stark zeigt sich die Obstruktion der Atemwege im Schlaf: Das Kind schnarcht. Durch die Verlegung der Atemwege kommt es häufig zusätzlich zu Atemaussetzern (Schlafapnoe) mit einer verminderten Sauerstoffzufuhr.
Die Folgen dieses unruhigen und wenig erholsamen Schlafes äußern sich auch am Tag: Die Kinder sind häufig unausgeschlafen, unkonzentriert, quengelig und überdreht. Da zudem häufig Geruchs- und Geschmacksempfinden durch die Verlegung der Nasenatmung beeinträchtig sind, haben sie wenig Appetit, und es können sich dadurch Gedeihstörungen entwickeln. Auch Schluckbeschwerden, eine »kloßige« Sprache, Fehlentwicklungen im Kiefer-Zahn-Bereich oder die Neigung zu Mittelohrentzündungen, verbunden mit Schwerhörigkeit, können Folgeerscheinungen vergrößerter Mandeln sein.
Ist die Rachenmandel (»Polypen«) stark vergrößert, wird sie in der Regel durch eine ambulante Operation (= Adenotomie) in Vollnarkose chirurgisch entfernt. Sind nun auch die Gaumenmandeln in einer Weise vergrößert (»Kissing tonsils«), die eine Entfernung medizinisch notwendig macht, werden sie ebenfalls häufig vollständig entfernt (= Tonsillektomie). Dies zieht im Allgemeinen einen einwöchigen Krankenhausaufenthalt nach sich. Kindern, die an stark vergrößerten Gaumenmandeln und den typischen Folgeerscheinungen leiden, kann nun mit einer »sanften« Operationsmethode im Rahmen eines ambulanten Eingriffs wirksam geholfen werden. Dabei werden die Gaumenmandeln nicht komplett entfernt, sondern es verbleibt ein Rest des immunologisch aktiven Mandelgewebes auf beiden Seiten (= Tonsillotomie). Dies leistet ein neuartiges minimal-invasives Verfahren, das von der Firma ArthroCare entwickelt wurde und eine zielgenaue, blutungs- und risikoarme Teilabtragung des überschüssigen Gaumenmandelgewebes erlaubt: die Tonsillotomie mittels der Coblation-Methode. Falls erforderlich, lässt sich bei diesem ambulanten Eingriff in gleicher Sitzung auch die vergrößerte Rachenmandel mit entfernen.
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Das Interview zum Thema
Wann ist eine Tonsillektomie und wann eine Tonsillotomie angezeigt? TOPFIT sprach darüber mit den Münchner Fachärzten für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Dr. med. univ. Edmund Brunner und Dr. med. Maximilian Prugger, die neben sämtlichen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen der HNO-Heilkunde auch die Tonsillotomie mithilfe der Coblation-Methode durchführen.
Herr Dr. Brunner, wann empfehlen Sie eine Tonsillotomie?
Dr. Brunner: Wir raten zu einer Tonsillotomie, wenn eine ausgeprägte Mandelvergrößerung vorliegt und das Kind unter den typischen Beschwerden einer Tonsillenhyperplasie leidet. Allerdings dürfen die vergrößerten Gaumenmandeln keine Entzündungszeichen aufweisen. Häufig auftretende Mandelentzündungen stellen eine Kontraindikation für diesen Eingriff dar. Wenn konservative Maßnahmen die wiederkehrenden Mandelentzündungen nicht verhindern konnten, ist die Tonsillektomie die richtige Methode, um den Kindern wirksam zu helfen, denn durch die Operation wird der Krankheitsherd beseitigt. Bei entzündungsfreien, aber stark vergrößerten Tonsillen mit den entsprechenden Symptomen besteht das Behandlungsziel jedoch in der ausreichenden Beseitigung des Atem- und Schluckhindernisses. Hier ist die Tonsillotomie die Methode der Wahl, um ein gutes Behandlungsergebnis zu erzielen, ohne die Gaumenmandeln komplett entfernen zu müssen. Der erhaltene Teil der Tonsillen kann weiterhin seine Abwehrfunktion gegen Krankheitserreger erfüllen. Dies ist vor allem für kleinere Kinder bedeutsam, denn erst mit Eintritt ins Schulalter ist die immunologische Lernphase abgeschlossen. In der Regel wird eine Tonsillotomie deshalb bei Kindern zwischen dem zweiten und achten Lebensjahr durchgeführt.
Sie führen die Tonsillotomie, wenn möglich, ambulant durch …
Dr. Prugger: … ja, und wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Tatsächlich spricht in den meisten Fällen nichts gegen eine ambulant durchgeführte Tonsillotomie in Narkose. Denn anders als bei der Tonsillektomie, die wegen der Gefahr von Nachblutungen einen mehrtägigen Klinikaufenthalt erfordert, ist das Komplikationsrisiko bei der Teilentfernung der Gaumenmandeln mit der Coblation-Methode sehr gering. Auch kann, falls notwendig, gleichzeitig die operative Entfernung der vergrößerten Rachenmandel (= Adenotomie) erfolgen, ohne die Belastung und postoperative Beeinträchtigung des Kindes zu erhöhen. Erst kürzlich hat wieder eine internationale Studie ergeben, dass sich die Kinder nach einer Tonsillotomie wesentlich schneller erholen und viel weniger über Schmerzen klagen als nach einer Tonsillektomie.
Was bedeutet Coblation eigentlich genau?
Dr. Brunner: Die Methode gehört zu den elektrochirurgischen Verfahren, bei dem die Radiofrequenzen mithilfe einer Sonde an das abzutragende Weichteilgewebe herangeführt werden. Allerdings strömen diese nicht direkt durch das Gewebe, so dass die Hitzeeinwirkung minimal bleibt. Stattdessen wird die Energie über ein spezielles Medium — meist Salzlösung — geleitet: Dabei werden die Molekularbindungen des Gaumenmandelgewebes gelöst. Auf diese Weise kann das Gewebe kontrolliert und präzise abgetragen werden, ohne dass die Radiofrequenzen tief in das Gewebe eindringen bzw. ohne dass das umliegende Gewebe stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Coblation-Verfahren ein besonders gewebeschonendes und blutungsarmes minimal-invasives Verfahren darstellt, das zu einem optimalen Ergebnis führt.
Ist eine spezielle Nachbehandlung erforderlich?
Dr. Prugger: Nein, zur Verlaufskontrolle sind lediglich ein oder zwei Nachuntersuchungen erforderlich. Meist sind die Kinder bereits wenige Tage nach dem Eingriff wieder fit und beschwerdefrei. Ebenso bessern sich die ursprünglichen Beschwerden rasch und nachhaltig — oft zum Erstaunen der Eltern. Falls eine Tonsillotomie bei ihrem Kind notwendig erscheint, sollten die Eltern allerdings zuvor mit ihrer Krankenkasse Rücksprache wegen der Kostenübernahme halten.
Nähere Infos unter:
Tel.: 089/3 11 10 99 oder
www.brunner-prugger-hno.de
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