Skoliose
Individuelle Therapie eines komplexen Krankheitsbildes


Eine Skoliose entsteht fast immer während des Wachstums: Meist sind die Heranwachsenden zwischen zehn und zwölf Jahre alt, wenn bei ihnen das erste Mal eine skoliotisch veränderte Körpersymmetrie festgestellt wird. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt zum einen vom Grad der Verbiegung und zum anderen davon ab, wie rasant die Krümmung fortschreitet. Die Erfahrung zeigt: Je geringer die Verbiegung zum Wachstumsabschluss ist, desto wahrscheinlicher kommt die Skoliose spätestens im Erwachsenenalter zum Stillstand.


Von Dr. Nicole Schaenzler

Unterschiedlich lange Beine, eine Seitendifferenz des Schulterstands, eine schräge Kopfhaltung, ungleich hohe Hüften, unterschiedlich geformte Taillendreiecke, ein Rippenbuckel oder (je nach Lokalisation) eine Lendenwulst beim Vorbeugen – das sind die typischen Zeichen einer skoliotisch veränderten Wirbelsäule. Das genaue Ausmaß einer Skoliose lässt sich meist erst im Röntgenbild erkennen. Das Ergebnis wird dann mithilfe der COBB-Winkelmessung ausgewertet. Ergibt die Auswertung eine Verbiegung von mehr als zehn Grad, ist eine gezielte Behandlung notwendig.
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Je früher behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose!
Dass es aus ärztlicher Sicht genügt, den Krankheitsverlauf durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen engmaschig zu beobachten, ist eher selten: Meist plädieren die Ärzte auch bei leichteren Formen der Skoliose zumindest für Krankengymnastik. Bei Kindern bis etwa zwölf Jahren hat sich die Krankengymnastik nach Vojta bewährt, bei Jugendlichen und Erwachsenen empfiehlt sich die dreidimensionale Skoliosebehandlung nach Katharina Schroth: Studien belegen, dass auf diese Weise ein Fortschreiten der Erkrankung deutlich verzögert bzw. im Idealfall sogar aufgehalten werden kann.
Und noch eine andere Erkenntnis wurde inzwischen durch zahlreiche Untersuchungen bestätigt: Je früher mit der Skoliosebehandlung begonnen wird, desto größer sind die Chancen für eine gute Prognose. Dabei kommt es wesentlich auf die Geduld und das Durchhaltevermögen des Skoliosepatienten an: Im Zweifelsfall muss er die Therapieempfehlungen über Monate und sogar Jahre konsequent umsetzen. Das kann auch bedeuten, dass er für längere Zeit ein Korsett tragen muss – eine Maßnahme, die im Allgemeinen ab einer skoliotischen Verbiegung von ca. 20 Grad angezeigt ist. Gerade von Heranwachsenden wird eine Korsettbehandlung verständlicherweise als psychisch sehr belastend empfunden. Der Erfolg spricht jedoch für diese eingreifende eingreifende Behandlungsform: Bei der Mehrzahl der Korsettträger kommt die Skoliose zum Stillstand. Allerdings: Auch mit einer Korsettbehandlung kann der Ausgangsbefund in der Regel nicht mehr verbessert werden – dies macht deutlich, wie wichtig es ist, so früh wie möglich mit der Behandlung zu beginnen.

Wenn operiert werden muss
Bei schweren Formen der Skoliose, bei denen die Verbiegung 50 Grad und mehr beträgt, lässt sich in der Regel auf konservativem Therapieweg nichts ausrichten, sodass operiert werden muss, um die Wirbelsäule möglichst gerade aufzurichten. Hierfür stehen zahlreiche bewährte Verfahren zur Verfügung. Welche im Einzelfall infrage kommt, wird der behandelnde Arzt nicht nur aufgrund des objektiven Befunds, sondern auch anhand der individuellen Krankengeschichte (Alter des Patienten? Abgeschlossene Wachstumsphase? Welche Beeinträchtigungen gibt es?) klären.
Normalerweise sind bei einer Skoliose-Operation der Einsatz von Metallimplantaten (vor allem Stäbe und Schrauben, Haken und Drähte) sowie eine Versteifung von bestimmten Wirbelsäulensegmenten unumgänglich, um die skoliotisch veränderte Wirbelsäule bestmöglich zu korrigieren und zu stabilisieren. Eine solche Operation gehört denn auch zu den besonders anspruchsvollen Eingriffen und sollte deshalb grundsätzlich von einem ausgewiesenen Spezialisten durchgeführt werden, der über eine langjährige Erfahrung verfügt. Und: Fast immer ist im Anschluss an die Operation eine mehrmonatige Rehabilitation notwendig.

Spezielle Schmerztherapie bei Dauerschmerzen
In etwa zehn Prozent der Fälle verkrümmt sich die Wirbelsäule trotz konsequenter (Korsett-)Behandlung und operativer Interventionen immer weiter bzw. verliert zunehmend an Stabilität. Dann sind die Betroffenen für den Rest ihres Lebens auf orthopädische Hilfsmittel angewiesen. Weitere Begleiterscheinungen sind anhaltende Rückenschmerzen und/oder Beschwerden, die Folgen einer gestörten Organfunktion sind. Besonders häufig sind Atemprobleme sowie eine Rechtsherzüberlastung – hierdurch wird die körperliche Leistungsfähigkeit zusätzlich eingeschränkt. Im Extremfall sind die Skoliosepatienten nicht (mehr) in der Lage, ihren Beruf auszuüben.
Quälende Dauerschmerzen infolge einer ausgeprägten Skoliose sind zwar zum Glück nicht die Regel, aber sie kommen vor und beeinträchtigen die Lebensqualität des Betroffenen ganz erheblich. In diesen Fällen ist eine spezielle Schmerztherapie sinnvoll – ein noch relativ junges Spezialgebiet der Medizin, das ebenfalls hohe Anforderungen an den behandelnden Arzt stellt.
Die optimale Schmerztherapie einer Skoliose stützt sich in der Regel auf eine individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren. Hierbei reicht die Bandbreite von der kontrollierten Einnahme von Schmerzmedikamenten über Injektionen in bestimmte Körperregionen, um den Schmerz direkt vor Ort durch schmerzstillende und/oder betäubende Wirkstoffe zu lindern (Infiltration oder Nervenblockade), bis hin zu Akupunktur, Magnetfeldtherapie, Biofeedback und gezielten krankengymnastischen Übungen. Auch das Erlernen einer Entspannungstechnik, etwa Autogenes Training, kann helfen, besser mit dem Schmerz umzugehen. Ein solches, individuell zugeschnittenes schmerztherapeutisches Konzept bietet z. B. eine Schmerzklinik.
Selbst wenn sie von anhaltenden Schmerzen verschont bleiben: Für Menschen, die im Erwachsenenalter mit den Folgen einer ausgeprägten Skoliose zu kämpfen haben, ist es nicht leicht, mit den täglichen Herausforderungen durch ihre Erkrankung zurecht zu kommen – auch wenn sie vielleicht schon seit vielen Jahren mit einer verkrümmten Wirbelsäule leben und sie ein verständnisvolles soziales Umfeld haben, das ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Viele schließen sich deshalb einer Selbsthilfegruppe an und machen die Erfahrung, wie gut ihnen der offene Austausch mit anderen Betroffenen tut.

 


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Was ist eine Skoliose?

Als Skoliose wird eine abnorme, fixierte seitliche Verbiegung der Wirbelsäule bezeichnet; oft sind zusätzlich einzelne Wirbelkörper verdreht. In welchem »Krümmungsmuster« und in welchem Ausmaß, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die Folgen einer skoliotischen Wirbelsäulenfehlstellung können nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Gesundheit erheblich beeinträchtigen: Sei es, weil mit der Zeit auch andere Strukturen der Wirbelsäule (z. B. Einengung von Nerven und/oder des Wirbelkanals) bzw. des Bewegungsapparats in Mitleidenschaft gezogen werden, sei es, dass es zu Einengungen und damit zu Funktionsstörungen von inneren Organen wie Herz oder Lunge kommt. Deshalb ordnen viele Mediziner eine behandlungsbedürftige, fortschreitende Skoliose dem großen Bereich der »chronischen Erkrankungen« zu, die meist einer lebenslangen, individuell abgestimmten Behandlungsstrategie bedarf.

Unterschiedliche Krümmungsmuster

Eine skoliotische Fehlstellung kann sich an allen Abschnitten der Wirbelsäule entwickeln. Oft ist der Brustwirbelsäulenbereich (thorakale Skoliose) betroffen. Seltener wird der Bereich der Lendenwirbelsäule (lumbale Skoliose) oder der Übergangsbereich von Brust- und Lendenwirbelsäule (thorakolumbale Skoliose) von einer skoliotischen Verbiegung erfasst. Manchmal weisen sowohl die Brust- als auch die Lendenwirbelsäule einen Hauptkrümmungsbogen auf (Doppel-S-Skoliose). Dabei reichen die Schweregrade von minimalen Verbiegungen, ohne dass gleichzeitig eine Verdrehung (Rotation) der Wirbelkörper besteht, bis hin zu schwersten Formen, bei der der abnorme Krümmungswinkel 60 Grad und mehr beträgt und die Rotation der Wirbelkörper so stark ausgeprägt ist, dass es dem Betroffenen nicht mehr möglich ist, aufrecht zu stehen oder ohne Gehhilfe die Balance zu halten.