Risiko Sommersport
Dass sportliche Betätigung wichtig ist, um gesund zu bleiben, ist unbestritten. Die Kehrseite des Sportvergnügens: Pro Jahr verletzt sich jeder fünfte Deutsche beim Sport so schwer, dass er ärztlich behandelt werden muss. Oft wird erst einmal abgewartet, bevor der Orthopäde konsultiert wird. Allerdings: »Je früher die Therapie einsetzt, desto besser sind die Aussichten auf einen raschen, unkomplizierten Heilungsprozess«, betont der Münchner Orthopäde und Sportmediziner Dr. med. Werner Zirngibl vom MVZ im Helios.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Herr Dr. Zirngibl, Fußball gehört zu
den beliebtesten Sommersportarten.
Welche Körperpartien sind besonders
verletzungsgefährdet?
Dr. Zirngibl: Fußball und andere Ballsportarten,
bei denen es zu Körperkontakten
mit dem Gegner kommt, bergen eine
überdurchschnittlich hohe Verletzungsgefahr
für das Kniegelenk. Anlass können
äußere Einwirkungen wie Stürze oder
Zusammenstöße sein, aber auch durch unphysiologische
Gelenkbeanspruchung, wie
z.B. eine Verdrehung des Knies bei gleichzeitig
fest stehendem Unterschenkel, oder
abrupte Bewegungswechsel, etwa vom
Sprint zum Stopp, kann es zu Verletzungen
kommen. Dabei reicht das Spektrum von
Verstauchungen und Zerrungen bis hin zu
schweren Meniskusverletzungen, Kreuzbandrissen,
ausgeprägten Schäden am
Gelenkknorpel oder Frakturen der Kniescheibe
— Verletzungen, die auf keinen Fall
bagatellisiert werden sollten. Schmerzt
das Knie bei Belastung, erscheint es instabil
oder kann man nicht mehr auftreten,
sollte möglichst umgehend der Orthopäde
aufgesucht werden.
Stichwort Bänderriss am Kniegelenk.
Muss immer operiert werden?
Dr. Zirngibl: Entscheidend ist, welche
Bänder betroffen sind und ob Begleitverletzungen
vorliegen. Einen Innenbandriss
am Knie behandeln wir z.B. im Allgemeinen
konservativ: Der Patient trägt vier
bis sechs Wochen eine Schiene, wodurch
das Knie bei Beugung und Streckung stabilisiert
wird. Anders verhält es sich bei
einem Kreuzbandriss: Hier greift eine
Therapie oft zu kurz, um eine dauerhafte
Stabilität des Knies zu gewährleisten.
Deshalb befürworten wir vor allem bei
jüngeren, sportlich aktiven Patienten
meist die operative Versorgung des
Kreuzbandrisses.
Bei Kontaktsportarten wie Fußball,
Handball oder Basketball wird auch
das Sprunggelenk stark belastet.
Wie wird z.B. ein Außenbandriss am
Sprunggelenk behandelt?
Dr. Zirngibl: In der Regel genügt es, das
betroffene Sprunggelenk für etwa sechs
Wochen, z.B. mithilfe eines Tapeverbands
oder einer Orthese, zu stabilisieren; in
manchen Fällen empfiehlt sich in der
Anfangszeit zusätzlich der Einsatz von
Unterarmgehstützen. Ebenso tragen z.B.
Magnetfeld-, Elektro- oder Ultraschalltherapie
und eine kontrollierte Frühmobilisation
durch den Physiotherapeuten zur
rascheren Genesung bei. Wichtig ist, dass
die Bandverletzung vollständig ausheilt —
nur so können eine Umknickneigung bzw.
eine Instabilität des Sprunggelenks vermieden
werden.
Tennis- und Golfspielern machen oft
weniger Knie- bzw. Sprunggelenksverletzungen,
sondern vor allem
Schmerzen im Ellenbogen zu schaffen.
Wie entsteht ein Tennis- oder
Golferarm?
Dr. Zirngibl: Ausgangspunkt des Tennisarms
sind Mikroeinrisse im Sehnenansatz
der Unterarm-Streckmuskulatur.
Diese entstehen infolge einer Fehl- bzw.
Überlastung. Dadurch wird eine Reiz- bzw.
Entzündungsreaktion in Gang gesetzt,
die stark schmerzhaft ist. Typische Anzeichen
sind Druckschmerzen am äußeren
Ellenbogenknochen sowie Schmerzen bei
Streckbewegungen des Handgelenks und
Drehungen des Unterarms; oft strahlen
die Schmerzen im Ellenbogen über die
Außenseite bis in die Hand aus. Auch das
Heben von Gegenständen oder Händedrücken
können dem Betroffenen Probleme
bereiten.
Beim »Golferarm« treten die Beschwerden
verstärkt an der inneren Seite des
Ellenbogens — im Ansatzbereich der Unterarmbeugemuskeln
— auf.
Welche therapeutischen Maßnahmen
helfen?
Dr. Zirngibl: Meist helfen neben einer
strikten Ruhigstellung lokale Kälte- bzw.
Wärmeanwendungen und/oder Ultraschallbehandlungen,
bei ausgeprägten
Schmerzen werden zudem Injektionen
zur Eindämmung der Entzündung im
Sehnenansatzbereich eingesetzt. Bei wiederkehrenden
Beschwerden kann die extrakorporale
Stoßwellentherapie (ESWT)
wertvolle Dienste leisten.
Generell sollte der Arm ausreichend geschont
und erst dann wieder belastet
werden, wenn die Symptome vollständig
abgeklungen sind. Dies kann einige Geduld
erfordern, ist aber die wichtigste
Maßnahme, um einem chronischen Verlauf
vorzubeugen. Oft bietet sich auch
das Tragen einer Epikondylitisspange
an. Sinnvoll sind zudem gezielte Dehn- und
Kräftigungsübungen — geeignete
Übungen kann man sich von einem
Physiotherapeuten zeigen lassen. Speziell
für Tennisspieler ist außerdem ein ausreichendes
Warm-up wichtig, bei dem der
Arm, der den Schläger hält, mit gezielten
Übungen auf die bevorstehende Beanspruchung
vorbereitet wird.
