Bildgebende Verfahren zur Abklärung von Beinleiden
Wenn der Verdacht besteht, dass Beinarterien verengt sind oder die Funktion von Beinvenen gestört ist, ist es für eine angemessene Therapieplanung unerlässlich, die Veränderung genau zu lokalisieren und ihren Schweregrad abzuschätzen. Den dafür nötigen Blick ins Innere gewähren bildgebende Verfahren wie Computer- oder Magnetresonanztomographie. Im Gespräch mit TOPFIT erläutert der Facharzt für Diagnostische Radiologie vom Münchner Institut für Neuroradiologie (MIN), Dr. med. Michael Röttinger, wann welche Untersuchung infrage kommt.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Herr Dr. Röttinger, die Phlebographie
ist ein Verfahren der Venendiagnostik.
Was ist genau darunter
zu verstehen?
Dr. Röttinger: Die Phlebographie ist
eine Röntgendarstellung der Venen
nach Injektion von Kontrastmittel.
Dieses Kontrastmittel muss bei der
Untersuchung z. B. der Beinvenen in
eine Vene am Fußrücken gespritzt
werden und fließt dann mit dem Blutstrom
in Richtung Herz.
Die Untersuchung der Gefäße ist
heutzutage eine Domäne der Ultraschalldiagnostik,
die in den meisten
Fällen der Internist, Gefäßchirurg oder
Neurologe durchführt. Die Phlebographie
ist somit primär eine Ergänzungsuntersuchung
und wird dann
durchgeführt, wenn die Ultraschalluntersuchung
keine genaue Lokalisation
oder Ursache der Thrombose
oder der Wandveränderungen
erbracht hat. Mitunter kann eine Phlebographie
bei unklaren Schwellungen
der Beine oder vor einer Krampfaderoperation
notwendig sein.
Gerade bei der Suche nach einer
Abflussbehinderung als Ursache einer
Thrombose müssen die großen Venen
im Becken-, Bauch- oder Brustraum
untersucht werden. Hier ist die Computertomographie
die Untersuchung
der Wahl. Neben der guten Gefäßdarstellung
ist wegen des guten Weichteilkontrasts
eine Beurteilung der
umgebenden Strukturen möglich.
Welches Verfahren setzen Sie ein,
um Durchblutungsstörungen in den
Beinen abzuklären?
Dr. Röttinger: Neben der früher
unvermeidlichen invasiven Diagnostik
mit einer herkömmlichen Röngtenkatheter-Angiographie gibt es zwei
Verfahren, die eine exzellente Gefäßdarstellung
ermöglichen: die Magnetresonanztomographie
oder die Computertomographie,
kurz MR- und CT-Angiographie.
Die MR-Angiographie ermöglicht ohne
Röntgenstrahlen eine hohe Detailauflösung
der Gefäße. Dabei werden
die umgebenden Strukturen unterdrückt,
was eine uneingeschränkte
Übersicht des gesamten Gefäßverlaufs
ermög licht. So kann eine Engstelle
oder Wandveränderung lokalisiert
und beurteilt werden, wie ausgeprägt
diese ist und ob noch weitere Gefäßabschnitte
betroffen sind. Die Beinarterien
etwa, die oft Engstellen oder
Verschlüsse aufweisen, haben einen
besonders langen Verlauf. Für eine
exakte Diagnostik und herapieplanung
ist es wichtig, die gesamte Strecke von
der Leiste bis zum Sprunggelenk zu
verfolgen.
Ist das Verfahren für den Patienten
mit besonderen Belastungen
verbunden?
Dr. Röttinger: Nein. Im Gegensatz
zur invasiven Katheter-Angiographie
erlaubt die MR-Angiographie eine schnelle und präzise Aussage über den
Zustand der Blutgefäße, ohne dass ein
Katheter in die Gefäße eingeführt werden
muss.
Nach der Untersuchung, die kaum
länger als 15 bis 20 Minuten dauert, ist
der Patient sofort wieder »einsatzbereit« und muss keine Bettruhe einhalten,
wie dies nach einer arteriellen Punktion notwendig ist.
Welche weiteren pathologischen
Veränderungen können mit der
MR-Angiographie dargestellt werden?
Dr. Röttinger: Mit der MR-Angiographie
können praktisch alle angeborenen
oder erworbenen Fehlentwicklungen
der großen und kleinen Arterien
festgestellt werden.
Ein häufiges Einsatzgebiet ist die
Untersuchung der hirnversorgenden
Halsgefäße zur Abschätzung des
Schlaganfallrisikos. Ebenso leistet die
Methode wertvolle Dienste, wenn es
darum geht, den Verdacht auf eine
krankhafte Erweiterung oder Aussackung
von Blutgefäßen, etwa der Bauchschlagader oder der Hirngefäße,
abzuklären.
Lassen sich ähnlich gute diagnostische
Ergebnisse auch mit der CT-gestützten
Angiographie erzielen?
Dr. Röttinger: Für einige Fragestellungen
kann die CT-Angiographie sogar
wichtige Zusatzinformationen, vor
allem in Bezug auf Wandverkalkungen,
liefern. Eine Differenzierung von vorwiegend
verkalkten Wandveränderungen
und von sogenannten »softplaques« mit fetthaltigen Ablagerungen
in der Gefäßwand, ist sowohl für
die Risikoabschätzung, als auch für die
Therapieplanung einer Gefäßverengung
in den verschiedenen Gefäßregionen
(Beine, Herz, Hals etc.) wichtig.
Bleibt zu erwähnen, dass neben den
medizinischen Erwägungen die CT-Angiographie
generell eine Alternative
ist, wenn die MR-Angiographie nicht
durchgeführt werden kann, etwa bei
Patienten mit Herzschrittmacher oder
wenn der Patient unter Platzangst leidet.
